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Konzept für bessere Arbeitsbedingungen

So will der GKV-Spitzenverband Pflege im Krankenhaus stärken

Mit Pflegepersonaluntergrenzen, einem Pflegepersonalbemessungsinstrument und mehr ambulant vor stationär will der Kassenverband die Pflege stärken.

Der GKV-Spitzenverband hat ein 3-Säulen-Modell für sichere, gute und bedarfsgerechte Pflege vorgeschlagen. Neben Pflegepersonaluntergrenzen setzt der Kassenverband auf eine "moderne" Pflegepersonalbedarfsermittlung und eine stärkere Verlagerung nicht zwingend erforderlicher stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich. Das geht aus einer Mitteilung des Verbands von Donnerstag hervor.

Untergrenzen als "gesundheitsgefährdende Zumutung" 

Zwar erteilt GKV-Spitzenverband-Vorständin, Stefanie Stoff-Ahnis, den Pflegepersonaluntergrenzen im Schulnotenvergleich bestenfalls eine "4". Sie dienten lediglich dazu, Patientengefährdung zu vermeiden. Der Alltag auf vielen Stationen zeige, dass selbst diese Untergrenzen oft nicht erreicht werden. 12 % aller Schichten in 1.300 Krankenhäusern, für die solche Untergrenzen gelten, seien nicht ausreichend mit Pflegefachpersonen besetzt. Auf Stroke Units werde sogar in jeder fünften Schicht die vorgeschriebene Mindestzahl an Pflegenden nicht erreicht – eine "gesundheitsgefährdende Zumutung" für Pflegepersonal, Patientinnen und Patienten.

Bis aber ein bundesweit einheitliches Pflegepersonalbemessungsinstrument angewandt werden könne – voraussichtlich nicht vor Ende 2024 – seien die Pflegepersonaluntergrenzen in Kombination mit der vollständigen Finanzierung jeder neuen Pflegestelle eine gute und v. a. praktikable Interimslösung, so Stoff-Ahnis.

Ohne Pflegepersonalbemessungsinstrument geht es nicht

Eine Personalausstattung, die einer guten pflegerischen Versorgung in Krankenhäusern Rechnung trage, sei abhängig vom Pflegebedarf der Patientinnen und Patienten und somit deutlich höher als eine Mindestvorgabe. Diesen tatsächlichen Personalbedarf für eine Station in Abhängigkeit vom Pflegebedarf der Patientinnen und Patienten zu ermitteln, bildet die zweite Säule des GKV-Konzepts.

Der Gesetzgeber hat mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz die Grundlagen dafür geschaffen. Jetzt müssen Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und GKV-Spitzenverband für ein einsatzfähiges System bis 2025 sorgen.

"Für die Zukunft brauchen wir endlich ein zuverlässiges Instrument zur Messung des tatsächlichen Pflegepersonalbedarfs auf jeder Station in jedem Krankenhaus. Blinde Flecken darf es nicht mehr geben. Das sind wir nicht nur den Patientinnen und Patienten schuldig, sondern auch dem Pflegepersonal."

Einen Grund für die Personalknappheit in der Pflege im Krankenhaus sieht die GKV-Spitzenverband-Vorständin darin, dass zu viele Operationen stationär erfolgen, die ambulant abgewickelt werden könnten. Das zeige die hohe Zahl von Patientinnen und Patienten, die nach einer Operation nur für eine Nacht im Krankenhaus blieben – 2019 seien dies 4 Mio. gewesen.

Mit medizinisch nicht notwendigen stationären Behandlungen verschafften sich die Kliniken zusätzliche Einnahmen und blockierten damit zugleich Pflegefachpersonen, die an anderer Stelle fehlten.

"Die Schaffung bedarfsgerechter Strukturen ist ein Schlüssel, um die Pflegesituation für Patientinnen und Patienten sowie Pflegende dauerhaft zu verbessern: Durch das Schließen nicht bedarfsnotwendiger Kliniken schwindet der Anreiz, unnötige Behandlungen und Operationen durchzuführen. Durch den Ausbau der Mindestmengenvorgaben wird Gelegenheits-Chirurgie verhindert. Die so freigewordenen Pflegekräfte stehen dann beispielsweise in Spezialkliniken zur besseren Krebsversorgung ebenso zur Verfügung wie in Landkrankenhäusern, die wir für die flächendeckende Versorgung zum Beispiel mit Kinderheilkunde brauchen."

DPR: "Grob fahrlässige Fehleinschätzung"

Kritik an diesem 3-Säulen-Modell kommt vom Deutschen Pflegerat (DPR). Als "grob fahrlässige Fehleinschätzung" wertete DPR-Präsidentin Christine Vogler am Freitag die Nicht-Berücksichtigung der von DPR, DKG und Verdi erarbeiteten Interimslösung zur Personalbemessung – die PPR 2.0. Die gesetzlich bedingte Personalbemessung im Krankenhaus komme frühestens 2025. Bis dahin allein auf die in vielen Schichten nicht erfüllten Pflegepersonaluntergrenzen, voll finanziertes Pflegepersonal und bedarfsgerechte, abnehmende Fallzahlen zu bauen, wie der GKV-Spitzenverband, sei nicht sachgerecht.

Zu guten Arbeitsbedingungen gehörten zudem eine gerechte Bezahlung, eine sinnvolle Aufgabenverteilung und eine stärkere Berücksichtigung der Profession Pflege in sie betreffende Entscheidungsprozesse

--> 7 Forderungen des DPR.

Vogler betonte:

"Nur wenn es uns gelingt, für diese vier Meilensteine einer sicheren, guten und bedarfsgerechten Pflege im Krankenhaus schnellstmöglich Lösungen zu finden – mit der PPR 2.0 als Interimslösung – und diese auch direkt umsetzen, können die hierfür notwendigen professionell Pflegenden im Beruf gehalten und gewonnen werden. Dem GKV-Spitzenverband kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu, die er ernster nehmen muss, als er dies in der Vergangenheit vielfach getan hat."

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