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Pflegebudget

Pflege nach dem Sparpaket: Weniger Spielraum

Arne Evers, Prokurist für Pflege und Prozesse am St. Josefs-Hospital Wiesbaden

Pflegepersonal abbauen, obwohl gleichzeitig Fachkräfte fehlen: Für viele Krankenhäuser ist das kein Widerspruch mehr, sondern Folge der neuen Regelungen zum Pflegebudget. Weil die finanziellen Spielräume enger werden und zentrale Rahmenbedingungen oft noch unklar sind, stehen Pflegedienstleitungen vor schwierigen Entscheidungen mit Folgen für Personal, Organisation und Versorgung, beschreibt der Prokurist für Pflege und Prozesse am St. Josefs-Hospital Wiesbaden, Arne Evers, in seinem Kommentar.

 

Aufgrund der Änderungen des Pflegebudgets ist die Krankenhauspflege zweigeteilt: Die einen dürfen noch Pflegepersonal einstellen und die anderen müssen es abbauen. 

Was beide eint, ist, dass sie es irgendwie hinbekommen müssen: um Sanktionen zu vermeiden oder um den ohnehin schmalen Erlöskorridor nicht noch weiter einzuengen. Frei nach einer Sportphrase: Man ist zum Gewinnen verdammt. 

Dabei sind es zumeist nicht die Geschäftsführungen, die auf einen Abbau von Pflege drängen, sondern die engen Vorgaben der jüngsten Gesetze, um den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten. Die neuen Regeln des Pflegebudgets sorgen zumindest in vielen Krankenhäusern dafür, dass für das Pflegebudget nur noch ein sehr schmaler Korridor bleibt, den man auf gar keinen Fall überschreiten sollte. 

Pflegebudget zwingt Kliniken zur Personalplanung im Ungewissen

Die Schwierigkeit besteht darin, dass dieser Korridor noch gar nicht bekannt ist, denn er muss erst verhandelt werden. Und so findet man sich als Pflegedienstleitung in gleich mehreren Dilemmata wieder: Man muss Personal abbauen, weiß aber gar nicht wie, denn viele Beschäftigte verfügen über unbefristete Verträge. Den goldenen Handschlag werden sich in der Größenordnung wohl die wenigsten Kliniken leisten können.

Also bleibt die natürliche Fluktuation, die sich mutmaßlich aufgrund dieses Problems verlangsamen wird. Denn Pflegekräfte, die im Krankenhaus bleiben wollen, werden nicht so zügig eine neue Stelle finden, außer die neue Klinik gehört zur anderen Hälfte des Pflegebudgets. Planbarkeit? Fehlanzeige.

Wie Kliniken auf die neuen Budgetgrenzen reagieren

Also muss die Pflegedienstleitung zusehen, dass Anerkennungsmaßnahmen von ausländischen Pflegekräften nicht mehr begonnen und entlastende Berufsgruppen weiterhin reduziert werden, die ebenfalls häufig über unbefristete Verträge verfügen. Oder sie übernimmt weniger Auszubildende im Jahr 2027, lässt befristete Verträge auslaufen und so weiter. Akademische Pflege? Wen interessiert's, im Zweifelsfall zu teuer. Moderne Führungskonzepte in der Pflege aus drei Personen: Muss auch mit zweien gehen und weniger Bürotage sind eh besser, am Patientenbett müssen die Hände sein.

Pflegepersonaluntergrenzen verschärfen den Handlungsdruck

Parallel muss die Pflegedienstleitung auch noch den Betrieb aufrechterhalten, sonst drohen steigende Bußgelder infolge der neuen Pflegepersonaluntergrenzen. Und so wird der Begriff "bepflegbare Betten" ad absurdum geführt. Und den Pflegekräften vor Ort zu erklären, dass nun zwei Kolleginnen oder Kollegen weniger eingeplant werden, stellt durchaus ebenfalls eine Herausforderung dar. 

Trotz all dieser Maßnahmen bleibt die Ungewissheit, ob man am Ende innerhalb des unbekannten Rahmens bleiben wird. Pflege zu steuern heißt daher derzeit vor allem, an der Pflege zu sparen.

Thomas Edison wird das Zitat zugeschrieben: "Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren." Zugegeben, am Ende stand eine funktionierende und massentaugliche Glühbirne. In der Krankenhauspflege bleibt derzeit nur die Hoffnung, dass in der Politik doch noch jemandem ein Licht aufgeht. 

Pflege zwischen Sparzwang und Versorgung

Das GKV-Sparpaket begrenzt die Finanzierung der Krankenhauspflege und zwingt viele Kliniken zu kurzfristigen Anpassungen. Das Management muss entscheiden, welche Stellen es noch besetzt, welche unterstützenden Strukturen erhalten und wie Personalvorgaben trotz sinkender finanzieller Spielräume eingehalten werden können. Auf dem DRG|FORUM 2027 widmet sich die Session „Pflege nach dem Sparpaket: Personal, Leistungen und Budgets neu steuern“ konkreten Steuerungsoptionen zwischen Einstellungsstopp, Qualifikationsmix, Prozessumbau und Leistungsanpassung.

Es diskutieren:

  • Arne Evers, Prokurist am St. Josefs-Hospital Wiesbaden
  • Christiane Neehoff-Tylla, Pflegedirektorin, Bonifatius Hospital Lingen
  • Carlos Harnoth, Referatsleiter Budgetverhandlungen, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Marin Atelj, Fachbereichsleiter, Fachbereich Krankenhaus / Rehabilitation, Barmer

 
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