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Internationaler Tag der Pflegenden

Viele Forderungen, um die Profession Pflege zu retten

Fachpersonalgewinnung, verbesserte Arbeitsbedingungen und die Weiterentwicklung des Pflegeberufs sind am Aktionstag die bestimmenden Themen.

Zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai machen Organisationen, Verbände und Verantwortliche der Profession Pflege auf die drängendsten Herausforderungen des Berufsstands aufmerksam und fordern konkretes politisches Handeln.

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, versprach trotz der aktuell widrigen Umstände um Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie das Thema Pflege sowie die dazu verfassten "ehrgeizigen Ziele" im Koalitionsvertrag "jetzt" anzugehen.

Pflegemanagement spricht von Affront

Der Fachpersonalmangel, verbesserte Arbeitsbedingungen und die Weiterentwicklung des Pflegeberufs stünden "weiterhin ganz oben auf der Agenda".

Als einen "Schlag ins Gesicht" bezeichnete indes der Bundesverband Pflegemanagement die Äußerungen Molls zum Aktionstag. Erst zu diesem Anlass zu "der weisen Erkenntnis" zu gelangen, dass für die Pflege durchgestartet werden muss und gleichzeitig "geradezu prophylaktisch" auf die vielen anderen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen hinzuweisen, komme einem Affront gleich.

Pflege finde nicht nur am 12. Mai statt, sondern an 365 Tagen im Jahr. Jetzt durchzustarten, bedeute in der Konsequenz das politische Eingeständnis, etliche Jahre zu spät dran zu sein und damit einer Entwicklung hinterherzulaufen, die nicht mehr einzuholen sei. Verbandsvorstandsvorsitzender Peter Bechtel sagte:

"Die Politik ist bei diesen Themen seit Jahren im Schneckentempo unterwegs und die Realität im Vergleich dazu mit Überschallgeschwindigkeit."

Auch für den Deutschen Pflegerat (DPR) sind die bisherigen Bemühungen der Ampelkoalition enttäuschend und eine "große Ernüchterung". Die schnelle Umsetzung guter Arbeitsbedingungen entscheide "über das Hier und Jetzt der Pflege". Doch einmal mehr fehle die Umsetzung dessen, was versprochen worden sei. Den Ankündigungen seien bislang keine Taten der Politik gefolgt, "nicht einmal konsequente Signale, dass die Umsetzung dessen überhaupt gewollt ist".

Akademische Pflegeausbildung stärken

DPR-Präsidentin Christine Vogler forderte ein "partnerschaftliches Umgehen mit der Profession Pflege" ein. Dazu gehöre "endlich auch eine regelmäßige Kommunikation mit der Profession" und deren Vertretenden, die das Bundesgesundheitsministerium vermissen lasse. Der Berufsstand müsse "umgehend" überall dort einbezogen werden sowie ein Mitsprache- und Abstimmungsrecht bekommen, wo sie von Entscheidungen betroffen sei.

An die politisch Verantwortlichen gewandt, betonte Vogler:

"Stärken Sie den Deutschen Pflegerat endlich durch finanzielle und personelle Mittel und schaffen Sie Gesetze, die eine adäquate Mitsprache im Gesundheitswesen ermöglichen! Sie müssen nicht zaubern können, sondern schlicht und einfach gutes und professionelles politisches Handeln für die Profession Pflege umsetzen."

Auf den Nachholbedarf in der akademischen Pflegeausbildung verwies der Professor für Pädagogische Aufgaben in der Pflege an der Frankfurt University of Applied Sciences, Klaus Müller. Im Vergleich zu anderen Ländern liege Deutschland in diesem Punkt "weit zurück", obwohl die deutliche Empfehlung des Wissenschaftsrats bereits seit 2012 einen Anteil an akademisch ausgebildeten Pflegefachpersonen im Umfang von 10-20 % eines Ausbildungsjahrgangs empfehle. Diese Empfehlung spiegele sich bislang weder im Angebot der Studienplätze noch im praktischen Feld wider.

PPR 2.0 noch vor der Sommerpause als Gesetzentwurf vorlegen

Die bisher klare Trennung zwischen beruflicher Ausbildung und Hochschulausbildung sei neu zu justieren und die Akademisierung der Pflege als Chance im Hinblick auf die gesellschaftlichen und beruflichen Herausforderungen zu verstehen. So müsse z. B. die Politik dafür Sorge tragen, den Lebensunterhalt junger Menschen zu sichern, die sich für ein Pflegestudium entschieden. In einem Studium mit hohem Theorieanteil und starker praktischer Ausrichtung sei eine finanzielle Förderung unabdingbar, um Interessierte mit Hochschulreife für das Berufsfeld zu gewinnen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sprach sich dafür aus, den Fachpersonalmangel in Pflegeberufen "ganz oben auf die politische Agenda zu setzen". Insbesondere forderte die DKG Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) auf, das Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0 noch vor der Sommerpause als Gesetzentwurf zur Abstimmung vorzulegen und zügig umzusetzen.

#5nach12: Brief an Lauterbach

DKG-Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß betonte:

"Der Pflegepersonalmangel bleibt die vielleicht größte Herausforderung der Gesundheitspolitik."

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz will sich mit einem Brief an Minister Lauterbach wenden. Denn es sei schon deutlich später als "#5nach12" – so der Kampagnenname. Nach Angaben von Kammerpräsident Markus Mai seien zahlreiche Arbeitgebende der Pflege in Rheinland-Pfalz angeschrieben worden, um Unterschriften von Pflegefachpersonen für die Forderungen an Lauterbach zu sammeln. Der Brief soll am Aktionstag an den Minister verschickt werden. Um weitere Berufsausstiege zu verhindern, seien jetzt sehr schnell einschneidende Maßnahmen notwendig, betonte Mai.

"Wir müssen alles tun um sicherzustellen, dass die jetzt tätigen Pflegefachpersonen so unterstützt werden, damit sie nicht an den Belastungen ihres Berufes zerbrechen und so auch morgen noch die pflegerische Versorgung sichergestellt werden kann!"

Der Errichtungsausschuss der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen will symbolisch alle professionell Pflegenden mit einem Preis für besondere Verdienste auszeichnen. Dies soll auf einer digitalen Veranstaltung am 15. Juni erfolgen. In den aktuell herausfordernden Zeiten sei es wichtig, ein Zeichen der Wertschätzung für den Berufsstand zu setzen.

Auszeichnung für alle Pflegenden in NRW

Die Vorsitzende des Errichtungsausschusses, Sandra Postel, sagte:

"Die Rahmenbedingungen der Pflege sind kräftezehrend, eine Verbesserung ist aktuell nicht in Sicht. Hier besteht dringender Handlungsbedarf in der Politik und die Notwendigkeit der Bewusstseinsschärfung in der Gesellschaft."

Übrigens: Zum Internationalen Tag der Pflegenden hat die Bundesregierung eine 10-Euro-Sammlermünze "Pflege" herausgegeben.

Der International Council of Nurses (ICN) initiiert den Internationalen Tag der Pflegenden. Der ICN ist Dachverband von rd. 130 Organisationen der Profession Pflege weltweit. Der Aktionstag fällt auf den Geburtstag von Florence Nightingale. Die britische Pflegerin war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Gesundheits- und Krankenpflege des 19. Jahrhunderts. Sie hat den Beruf nachhaltig geprägt.

Motto des Aktionstags in diesem Jahr: "Nurses: A Voice to Lead. In die Pflege investieren – Rechte respektieren für globale Gesundheit".

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