Die Sepsis-Stiftung hat Gesetzgebung und Regierung aufgefordert, die – im Vergleich zu anderen Ländern – deutlich höhere Sepsis-Sterblichkeit in Deutschland zu reduzieren. Nach aktuellen Schätzungen gebe es hierzulande jährlich über eine halbe Million Sepsis-Betroffene mit mehr als 140.000 Todesfällen allein im Krankenhaus. Über 270.000 der Überlebenden litten an Langzeitfolgen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) halte die meisten dieser Todesfälle für vermeidbar, was sich anhand von Überlebendenzahlen in anderen Ländern wie Schweden und Australien gezeigt habe. Das bedeute, dass etwa 190 Menschen in Deutschland täglich unnötig versterben und 370 Betroffene schwerwiegende Langzeitfolgen erleiden.
Forderung nach nationalem Sepsis-Plan liegen seit 2013 auf dem Tisch
Eine konsequente Umsetzung von Qualitätssicherungs- und Aufklärungsmaßnahmen, die in anderen Ländern zu einer deutlichen Reduzierung der Sepsis-Sterblichkeit geführt hätten, sei bisher trotz entsprechender Forderungen nicht erfolgt, kritisierte die Stiftung vor wenigen Tagen. Dabei existierten die Forderungen für einen nationalen Sepsis-Plan bereits seit 2013. Kollektive, freiwillige Qualitätssicherungsmaßen auf Krankenhausebene hätten sich in Deutschland als ineffektiv erwiesen.
Zudem: Die Annahme, dass das vom Bundesgesundheitsministerium seit 2021 geförderte Aktionsbündnis "Deutschland Erkennt Sepsis" wesentlich zur Lösung "dieser immensen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung" beitragen könne, sei, trotz des erheblichen Engagements der Bündnispartner, zu denen auch die Sepsis Stiftung gehört, unrealistisch.
Verpflichtende Schulungen einführen
Die fehlende Umsetzung kontrastiere zu Ländern mit einer deutlich niedrigeren Sepsis-Sterblichkeit, wie Australien, England, Irland, Schweden und den USA, die nach der Verabschiedung der WHO-Sepsis-Resolution das Thema Sepsis zu einer Priorität gemacht hätten.
Wichtig sind nach Auffassung der Stiftung vor allem verpflichtende Schulungen für medizinisches Personal zur Früherkennung, Notfallteams in Akutkrankenhäusern, eine an evidenzbasierten Fakten orientierte Forschungsförderung und die Etablierung einer nationalen Infektionsmanagementstrategie.