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Pflegeausbildung

So wirkt die Pandemie auf Azubis

Auszubildende in der Pflege haben während der Corona-Pandemie weniger Praxisanleitungen und fühlen sich häufig hilflos und alleingelassen.

Auszubildende in der Pflege fühlen sich während der Corona-Pandemie häufig hilflos und alleingelassen. Sie erleben gestresste Pflegefachpersonen und weniger Anleitung. V. a. Pflegesituationen mit Patientinnen und Patienten in lebensbedrohlichen Zuständen werden kaum besprochen und reflektiert. Das sind Ergebnisse einer Umfrage des Diakonischen Bildungszentrums (DBZ) Bergisch Land, die BibliomedPflege vorliegen.

13 % haben ihre Praxisanleitung während der Pandemie nicht gesehen

Ihre Praxisanleitung haben nur 21 % der befragten Azubis regelmäßig gesehen, 13 % sogar nie.

Strukturiertes Lernen mit einer Reflexion, wie es in einer vollständig angeleiteten pflegerischen Handlung vorkommt, haben nur 42 % der Azubis mehrmals und 31 % einmal erlebt. Die laut Pflegeberufegesetz vorgeschriebenen 10 % dokumentierter Mindestanleitung wurden damit nicht erfüllt.

Azubis müssen aus dem "Frei" einspringen

Wenn Auszubildende isolierte Patientinnen oder Patienten pflegen, wurden dabei 39 % von ihnen im Zimmer alleingelassen. Nur bei 37 % der Auszubildenden war die Pflegefachperson mit im Zimmer oder eine Praxisanleitung in Rufweite.

Zudem mussten Azubis wiederholt auf anderen Stationen aushelfen oder wurden versetzt. 41 % der Azubis mussten aus dem "Frei" einspringen. Ca. 5 % wurden von externen Einsätzen zurückgerufen, um auf der Intensiv- und Überwachungsstation auszuhelfen.

Nur mittelmäßige Betreuung

Im Ergebnis fühlten sich die Auszubildenden auf einer Skala (1–5) mittelmäßig betreut.

Im Zeitraum zwischen Oktober 2020 und Januar 2021 hat das DBZ 136 Azubis vom ersten bis dritten Ausbildungsjahr gefragt, wie sie ihre praktische Ausbildung während der Pandemie erleben. 94 Azubis beteiligten sich letztlich an der Online-Umfrage. Sie arbeiteten im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Pflegediensten.

Freigestellte Praxisanleitungen nötig

Aufgrund der pandemischen Lage geht DBZ-Schulleiterin, Rita Bugenhagen, davon aus, dass viele Auszubildende in anderen Einrichtungen ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Die Azubis benötigten in Corona-Zeiten mehr Schutz als vorher. Nötig seien deshalb freigestellte Praxisanleitungen auf jeder Station oder Abteilung, die sich um Fragen und Anleitungen kümmerten. 

Besorgnis über Abrecherquote

Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Azubis nach der Pandemie dem Pflegeberuf vermehrt den Rücken kehrten.

Die Umfrageergebnisse widersprächen auch eindeutig dem Aufruf von Bundesgesundheits- und -familienministerium aus der Vorwoche, die schulische Ausbildung zu verschieben und Azubis für Corona-Testungen einzusetzen.

"Politische Entscheidungen sollten die besonderen Belastungen der Auszubildenden als Lernende berücksichtigen – sie sind keine kleinen Helfer des examinierten Fachpersonals."

Das betonte Bugenhagen gegenüber BibliomedPflege.

Auch die Bundespflegekammer zeigte sich jüngst besorgt über die aktuell erhöhte Abrecherquote unter Auszubildenden in der Pflege. Ausschlaggebend dafür seien u. a. die "extrem herausfordernden Erfahrungen während der praktischen Einsätze".

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