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Pflegepersonalbemessung

"PPR 2.0 hat negative Auswirkungen"

Die Fachgesellschaft Profession Pflege und der Bundesverband Pflegemanagement fürchten negative Effekte für Pflegende sollte die PPR 2.0 umgesetzt werden.

Die Fachgesellschaft Profession Pflege und der Bundesverband Pflegemanagement fürchten negative Effekte für Pflegende sollte ein Personalbemessungsinstrument in Form der PPR 2.0 tatsächlich umgesetzt werden.

"Die PPR 2.0 bringt keinen Nutzen mit sich, sondern hat vielmehr negative Auswirkungen auf die Pflege", sagt die zweite Vorsitzende der Fachgesellschaft Profession Pflege, Pia Wieteck, gegenüber BibliomedPflege.

"Die PPR 2.0 bringt keinen Nutzen mit sich"

Zwar müssten Pflegende in ihrem täglichen Arbeitsprozess dringend entlastet und das Pflegepersonal aufgestockt werden.

Allerdings sei kein Fachpersonal auf dem Markt verfügbar. Diese Erkenntnis erhöhe den Frust unter den vorhandenen Pflegefachpersonen.

"Die reine Feststellung über die PPR-Erhebung, dass mehr Personal benötigt wird, führt ja nicht direkt dazu, dass auch mehr Personal auf dem Markt verfügbar ist", betont Wieteck.

Aktuell könnten Kliniken "Pflegepersonen am Bett" unbegrenzt einstellen. Die aktuelle Gesetzeslage sehe dies ohne Wirtschaftlichkeitsprüfung vor. Hauptgrund warum nicht eingestellt werde, sei neben dem leergefegten Arbeitsmarkt u. a. die "nicht" volle Finanzierung von Leasing-Personal.

Zusätzlicher Aufwand und Defizite

Die tägliche Einstufung der Patientinnen und Patienten nach der PPR 2.0 stelle einen zusätzlichen Aufwand dar.

Zudem weise die PPR 2.0 "große Defizite" auf, da die Pflegeelemente, die eine adäquate evidenzbasierte Pflege ausmachten, mit dem Instrument nicht abbildbar seien.

Hinzukomme, dass geschätzt über 50 % der Kliniken ihr Pflegepersonal mit zusätzlichen Schulungen für das neue Instrument belasten müssten. Denn sämtliche Pflegeprozessdokumentationen seien anzupassen, um Kodierung und Einstufung zu realisieren. Es sei ein "Irrglaube", dass die Einführung der PPR 2.0 reibungslos funktionieren werde, da fast ausschließlich die Kalkulationshäuser dieses Instrument aktuell noch einsetzten.

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Abonnenten von Die Schwester | Der Pfleger können die Argumente von Wieteck und Bechtel ausführlich in entsprechenden Fachbeiträgen nachlesen.

"Pflegepersonalbemessung basiert immer auf einem Aushandlungsprozess. In der Vergangenheit selten bis nie zugunsten der Pflege", konkretisiert der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Pflegemanagement, Peter Bechtel.

Die PPR 2.0 dürfe nicht als Interimslösung eingeführt werden. Eine solche Lösung sei bereits die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung, so Bechtel weiter.

Digitale Regeldokumentation etablieren

Die digitale Regeldokumentation als Basis für die Personalbemessung und/oder die Budgetverhandlung zu etablieren, wäre aus Sicht von Bechtel und der ersten Vorsitzenden der Fachgesellschaft Profession Pflege, Andrea Albrecht, ein nachhaltiger Ansatz. Dieser werde aktuell mit den zu Verfügung gestellten Instrumenten der beiden Verbände vorbereitet.

Nötig sei in diesem Zusammenhang der Auftrag zur wissenschaftlich fundierten Entwicklung einer nachhaltigen Finanzierungsstruktur des Pflegepersonals orientiert am Pflegebedarf der Pflegeempfänger in allen Sektoren.

"Dringend ist zu empfehlen, hier einen sektorenübergreifenden Blick zu wagen", gibt Bechtel zu bedenken.

Anlass für diese erneute Kritik an der PPR 2.0 ist der in der Vorwoche veröffentlichte offene Brief von Belegschaftsvertretungen. Darin fordern sie, die PPR 2.0 kurzfristig auf den Weg zu bringen.

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