Der in dieser Woche vorgelegte DAK-Pflegereport widerlegt aus Sicht des Deutschen Pflegerats (DPR) gängige Mythen zur Pflege und betont gleichzeitig die Bedeutung der Profession. So zeige der Pflegereport etwa, dass Bundesländer, die in die Pflegeausbildung investiert haben, besser dastehen, schlussfolgerte DPR-Präsidentin Christine Vogler am Mittwoch aus den Ergebnissen.
Zudem spielten attraktive Arbeitsbedingungen, Gesundheitsförderung, Prävention sowie die Stärkung und Durchlässigkeit des Bildungssystems eine wichtige Rolle. Auch die sektorübergreifende und interprofessionelle Zusammenarbeit sowie der kompetenzorientierte Einsatz der Profession Pflege und die Sicherung von Fach- und Pflegeassistenzpersonen vor Ort seien entscheidende Handlungsfelder, um die Herausforderungen in der Pflege zu bewältigen.
Verstärkte Möglichkeiten autonomen pflegerischen Handelns nötig
Als wirkungsvolle "Pull-Faktoren" den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten und mehr Personal zu gewinnen, nannte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest am Mittwoch den Ausbau von grundständigen Bachelor- und Masterstudiengängen zur fachlichen Vertiefung. Damit einhergehen müssten die eigenständige Heilkundeausübung und verstärkte Möglichkeiten autonomen pflegerischen Handelns, verbunden mit besseren Arbeitsbedingungen mit altersgerechter Ausgestaltung. Dazu gehören nach Angaben des DBfK Nordwest sowohl die Vereinbarkeit des Pflegeberufs mit einer Familiengründung wie auch flexible Modelle für einen längeren Verbleib von erfahrenen Pflegenden im Beruf.
Keine coronabedingte Flucht aus dem Pflegeberuf
Der Pflegereport räumt nach DPR-Angaben allerdings auch mit Mythen aus der Pflege auf. Denn 2020/2021 seien so viele beruflich Pflegende ausgebildet worden wie noch nie zuvor. Die Ausbildungszahlen blieben auch nach Einführung der generalistischen Ausbildung stabil. Der Mythos, dass der Pflegeberuf unattraktiv ist, sei falsch.
Beruflich Pflegende seien außerdem berufstreu und verweilten nicht nur wenige Jahre in ihrem Beruf. Die Zahl der Erwerbstätigen in der Pflege bleibe stabil. Eine coronabedingte Flucht aus dem Beruf habe es nicht gegeben.
Vogler: Pflege muss ganz oben auf der politischen Agenda stehen
Zudem seien beruflich Pflegende sektoren- und ortstreu. Der Mythos, dass Krankenhäuser Fachkräfte dem ambulanten Pflegemarkt durch bessere Bezahlung oder Arbeitsbedingungen entzögen, sei ebenfalls falsch, betonte Vogler mit Verweis auf den Pflegereport.
Klar ist für Vogler aber auch:
"Die Pflege muss in Deutschland künftig kontinuierlich ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Einzelne Anstrengungen werden nicht ausreichen, um langfristig eine sichere Versorgung zu gewährleisten. Das kommende Pflegekompetenzgesetz wird dabei eine entscheidende Rolle spielen."