Im Saarland wird Pflege überwiegend privat organisiert – bei gleichzeitig wachsendem Fachkräftemangel. 2023 lebten dort 80.351 pflegebedürftige Menschen, davon wurden 85,5 Prozent zuhause versorgt. Das geht aus dem aktuellen Pflegeinfrastrukturbericht des Landes hervor, der jetzt vorgestellt wurde.
Die Daten zeigen zugleich: Das System stößt an Grenzen. Rund 74,7 Prozent der Einrichtungen berichten von Personalmangel, rund 1.300 Stellen sind unbesetzt.
Häusliche Pflege wächst – Profession unter Druck
Der Bericht bestätigt einen langfristigen Trend: Pflege verlagert sich zunehmend in den häuslichen Bereich. Besonders deutlich wird das dem Bericht zufolge bei den 46.000 Pflegegeldempfängern, die überwiegend durch Angehörige oder informelle Netzwerke versorgt werden.
Gleichzeitig wachse die Pflegebedürftigkeit deutlich schneller als die Bevölkerung altere. Zwischen 2011 und 2021 sei sie dynamisch gestiegen, während die Infrastruktur – etwa ambulante Dienste und Heime – nur moderat ausgebaut worden sei.
Für beruflich Pflegende hat das direkte Folgen: Die Zahl der zu betreuenden Personen je Dienst steigt, während Personal kaum nachkommt.
Hinzukommt eine strukturelle Verschiebung: Der Anteil von Menschen mit niedrigem Pflegegrad hat dem Bericht zufolge deutlich zugenommen.
Fachkräftemangel bleibt zentraler Engpass
Der Bericht sieht den größten Handlungsdruck beim Pflegepersonal. Trotz steigender Beschäftigtenzahlen bis 2021 stagniere die Entwicklung zuletzt. Gleichzeitig planten Einrichtungen zwar zusätzliche Stellen. Diese könnten jedoch nicht besetzt werden.
Bis 2030 sollen im Saarland mit der "Konzertierten Aktion Pflege Saar" 4.000 zusätzliche Pflegekräfte gewonnen werden.
Geplante Maßnahmen:
- Internationale Fachkräftegewinnung
- Ausbau der Ausbildung (inklusive Studium und Advanced Practice Nursing)
- "Ausbildungslotsen" gegen Abbrüche
- Stärkere Integration ausländischer Kräfte
Doch die Ausgangslage ist schwierig: Der Markt gilt als weitgehend ausgeschöpft.
DBfK fordert stärkere professionelle Strukturen
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Südwest sieht in den Zahlen vor allem einen Auftrag, professionelle Pflege im häuslichen Umfeld auszubauen.
"Häusliche Pflege ist im Saarland, so wie im gesamten Bundesgebiet, nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Daraus darf aber nicht folgen, dass Pflege weiter in Familien und private Netzwerke verschoben wird. Wer Versorgung zu Hause sichern will, muss professionelle Pflege dort stärken, wo Menschen leben", sagte die Vorsitzende des DBfK Südwest, Andrea Kiefer, am Donnerstag. Nachbarschaftshilfe und kommunale Angebote könnten zwar entlasten, ersetzten aber keine fachliche Versorgung.
Eine zentrale Rolle sieht der Verband bei Community Health Nurses (CHN): "Community Health Nurses können Pflegebedürftigkeit vermeiden oder verzögern, chronisch kranke Menschen begleiten, Angehörige entlasten und Versorgungsbrüche verhindern. Genau diese Kompetenz wird gebraucht, wenn immer mehr Menschen zuhause versorgt werden."
Zugleich warnt der DBfK Südwest vor aktuellen Reformplänen auf Bundesebene. Leistungseinschränkungen könnten die ohnehin stark beanspruchte häusliche Versorgung weiter belasten.