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Community Nursing

ICN plädiert für mehr kommunale Pflege

Der ICN warnt vor einer Fehlverteilung von Pflegekräften: Zu viele arbeiteten im Krankenhaus, zu wenige in der Gemeinde. Community Nursing gewinnt an Bedeutung.

Der internationale Pflegeverband International Council of Nurses (ICN) hat ein rasches Umsteuern bei der Verteilung von Pflegepersonal zwischen Krankenhäusern und Gemeinden gefordert. ICN-CEO Howard Catton warnte auf der Weltkonferenz der International Home Care Nurses Organization in der Vorwoche in London vor strukturellen Fehlentwicklungen: Weltweit arbeiteten weiterhin rund 60 bis 65 Prozent der Pflegekräfte im Krankenhaus – während in Gemeinden, Praxen und der häuslichen Versorgung Personal fehle. "Es geht nicht nur darum, wie viele Pflegekräfte es weltweit gibt, sondern auch darum, wo sie eingesetzt sind", sagte Catton.

Ungleiche Verteilung verschäft Fachkräftemangel

Der globale Mangel von 5,8 Millionen Pflegekräften werde durch eine ungleiche Verteilung zusätzlich verschärft. Besonders deutlich sei dies in industrialisierten Gesundheitssystemen: In England etwa seien nur rund 12 Prozent der Pflegekräfte im öffentlichen Gesundheitssystem in gemeindenahen Diensten tätig, während entsprechende Berufsgruppen schrumpften.

Nach Einschätzung des ICN widerspricht diese Entwicklung internationalen gesundheitspolitischen Zielsetzungen. Der Bericht "State of the World’s Nursing 2025" fordere eine stärkere Ausrichtung auf personenzentrierte, primärmedizinische Versorgung. Auch globale Strategien der Weltgesundheitsorganisation sähen vor, Pflege gezielt für den Einsatz in Gemeinden auszubilden.

Community Nursing wird komplexer

Zugleich betonte Catton die gewachsene Bedeutung und Komplexität der Versorgung außerhalb von Kliniken. "Heutige Community Nurses verabreichen Chemotherapien und steuern komplexe Medikamentenregime in den Wohnungen der Patienten", sagte er. Pflegekräfte übernähmen inzwischen unter anderem spezialisierte Wundversorgung, koordinierten komplexe Behandlungsverläufe und begleiteten schwerkranke Menschen bis zum Lebensende zuhause.

Community Nursing sei damit zentrale Schnittstelle zwischen Gesundheitsversorgung und sozialem Umfeld – und spiele eine Schlüsselrolle bei Prävention und Gesundheitsförderung.

Forderung nach strukturellen Reformen

Um die Versorgungslücke zu schließen, fordert der ICN strukturelle Veränderungen. Dazu zählen mehr Praxiseinsätze im Studium, klare Karrierewege in der ambulanten Pflege sowie angepasste Vergütungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Catton betonte die Bedeutung gemeindenaher Pflege für globale Gesundheitsziele: "Gesundheit für alle darf nicht bedeuten, Versorgung nur für diejenigen zu organisieren, die ein Krankenhaus erreichen können." Universelle Gesundheitsversorgung erfordere eine stärkere Präsenz von Pflegefachpersonen in Wohnorten und Regionen der Bevölkerung.

Hintergrund aus Deutschland

Auch in Deutschland weisen aktuelle Analysen auf ähnliche strukturelle Probleme hin. So zeigt der Pflegeinfrastrukturbericht für das Saarland, dass Pflege überwiegend im häuslichen Umfeld erfolgt, während Fachkräfte fehlen und professionelle Strukturen unter Druck geraten.

Eine Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung fordert zudem, Pflegefachpersonen stärker als tragende Säule der Primärversorgung einzubinden und ihnen erweiterte Aufgaben etwa in Prävention, Koordination und Beratung zu übertragen – wie in anderen europäischen Ländern bereits üblich.

Der Deutsche Pflegerat wiederum mahnt in einem Positionspapier, die Kompetenzen von Pflegefachpersonen klar von Assistenzberufen abzugrenzen und erweiterte pflegerische Rollen wie Community Health Nursing systematisch in der Versorgung zu verankern.

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