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Corona-Prämie

Pflege kritisiert "katastrophale Umsetzung" des Bonus

Kritik an der "immensen Ungerechtigkeit" bei der Auszahlung des Gelds und der fehlenden Berücksichtigung pflegerischer Expertise.

Der Unmut von Pflegeverbänden über die Auszahlung der erneuten Corona-Prämie wächst. Jetzt haben sich Pflegevertretende an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll (beide SPD), gewendet. So fordert der Bundesverband Pflegemanagement von beiden eine Stellungnahme zu den Auszahlungskriterien, eine Einbeziehung Vertretender der Profession Pflege auf allen politischen Ebenen und eine sofortige Auszahlung eines einheitlichen Bonus an alle Pflegenden, die im bisherigen Verlauf nicht berücksichtigt worden seien.

Niemanden ausschließen von der Corona-Prämie

Aus Sicht des Verbands sind das einige:

  • Pflegende, die hochaufwendige, aber nicht beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten versorgen.
  • Mitarbeitende der Notfallversorgung, der Röntgenabteilungen und weiterer Funktionsdienste, die einen erheblichen Anteil an der Erstversorgung und Betreuung an COVID-19 erkrankten Menschen leisten.
  • Mitarbeitende der Anästhesie, des OP-Bereichs und ähnlicher Fachbereiche, die hochaufwendige Maßnahmen durchführen, um bei dem gegebenen Infektionsgeschehen sicher zu arbeiten. In den überwiegenden Fällen hätten sie im Rahmen von Eskalationsstrukturen auf den Intensivstationen ausgeholfen.
  • Hebammen, die unter schwersten Bedingungen an COVID-19 erkrankten Frauen eine sichere Geburt ermöglichen.
  • Mitarbeitende des Rehabilitationsbereichs.
  • Mitarbeitende von Langzeitpflegeeinrichtungen, Tageskliniken und ambulanten Versorgungsstrukturen.
  • Pflegehilfspersonal und Auszubildende, die unmittelbar in die Versorgung von COVID-19-Patientinnen und -Patienten eingebunden sind.
  • Mitarbeitende der psychiatrischen Stationen.

Für die Bonus-Zahlung sind aktuell nur jene 837 Krankenhäuser vorgesehen, auf deren Intensivstationen 2021 mind. 10 Corona-Patientinnen und -Patienten für jeweils mind. 48 Stunden beatmungspflichtig waren.

Zugespitzte Situation unter beruflich Pflegenden

Für den Bundesverband Pflegemanagement ist das eine "immense Ungerechtigkeit". Die ohnehin mehr als angespannte Situation der beruflich Pflegenden habe sich mit der Ausschüttung des Corona Bonus weiter zugespitzt. Teilweise würden Beträge ausgezahlt, deren Höhe nicht nachzuvollziehen sei.

In einer Stellungnahme des Verbands von Dienstag heißt es:

"Diese nicht nur wahrgenommene, sondern faktische Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit führt in den Teams vor Ort zu Konflikten unter den Pflegenden selbst, aber auch zwischen Pflegefachpersonen und der Unternehmensleitung."

Die Gesetzgebung bringe die Mitarbeitenden aller Hierarchieebenen in Konfliktsituationen, die nicht gewollt seien und weder durch die Mitarbeitenden selbst noch durch die Vorgesetzten zu lösen seien. Neben dem hohen bürokratischen Aufwand entstehe insbesondere auf Managementebene ein zusätzlicher Zeitaufwand für Konfliktmanagement.

Im Ergebnis habe eine "vermeintlich gut gemeinte Wertschätzung durch eine unprofessionelle Umsetzung zum endgültigen Bruch zwischen den Pflegenden und der Gesundheitspolitik in Deutschland geführt". Die pflegefachliche Expertise sei ein weiteres Mal außenvorgelassen worden. In der Konsequenz werde es zu weiteren Verlusten von Mitarbeitenden in Gesundheitseinrichtungen über alle Versorgungsbereiche hinweg kommen – mit dramatischen Folgen für die Gesundheitsversorgung, prognostizierte der Verband.

Künftig Berufs- und Managementverbände einbeziehen

Der Verband der Pflegedirektoren und Pflegedirektorinnen der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands (VPU) sieht das ähnlich. Wieder einmal seien "wesentliche Bereiche und Berufsgruppen in Krankenhäusern übergangen" worden. Insbesondere in einem Setting wie der Universitätsklinik trügen hochqualifizierte Mitarbeitende aus verschiedenen Berufsgruppen in interprofessionellen und interdisziplinären Teams zu einer adäquaten Patientenversorgung bei. Daher gebühre die Anerkennung der Leistung in Form der Bonusauszahlung allen Mitarbeitenden, betonte der VPU in einer Stellungnahme von Dienstag an Lauterbach.

"Die nun erneut stattfindende Spaltung führt erzwungenermaßen zu großem Unmut innerhalb der Krankenhäuser und somit unmittelbar in den interprofessionellen Teams."

Der VPU forderte, künftig Berufs- und Managementverbände bei solchen Regelungen einzubeziehen. Nur damit sei letztlich eine wiederkehrende Unzufriedenheit abzuwenden.

Mitte September stellte der Bundesrechnungshof Mängel bei der Auszahlung der Prämie fest. Anfang November hatte die Regierung Unstimmigkeiten eingeräumt und künftig bessere Kontrollen angekündigt.

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