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Pflegepolitik

Moll: Pflegende müssen selbstbewusster sein

Die neue Pflegebevollmächtigte hat sich zu den Arbeitsbedingungen und dem Personalmangel in der Pflege geäußert.

Ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro sei angemessen für Pflegende, aber auch Urlaubsansprüche seien wichtig. Das betonte die neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Donnerstag. Pflegeverbände fordern schon lange ein gesetzliches Mindestgehalt für Pflegende in dieser Höhe.

Mehr Pflegehelfer und Alltagsbegleiter nötig

Moll kritisierte aber auch: In der Pflegebranche werde zu oft nur der Mindesturlaub gewährt. Das sei "eine Schweinerei", so die Altenpflegerin im RND-Gespräch weiter. In anderen Branchen seien 30 Tage längst üblich – bei einer 5-Tage-Woche und für alle Arbeitnehmende im Betrieb. Es sei eine Schande, dass einige Arbeitgeber hier nicht von alleine nachzögen.

Der Schlüssel zu besseren Arbeitsbedingungen in der Pflege sei jedoch auch mehr Personal. Doch nicht nur Fachpersonal, sondern insbesondere auch Pflegehelfer und Alltagsbegleiter fehlten. Derzeit sei für 20 Bewohnerinnen und Bewohner nur eine Betreuungskraft vorgesehen. Dieser Schlüssel müsse auf 10 zu 1 erhöht werden. Zudem müssten Pflegehelfer das Fachpersonal stärker unterstützen:

"Es kann doch nicht sein, dass Fachkräfte im ohnehin schlecht besetzten Spätdienst auch noch die Abendbrotstullen schmieren müssen. Da muss eine bessere Aufgabenverteilung möglich gemacht werden, indem die Personalbemessung flexibler wird und Fachkräfte entlastet werden."

Aufhören, den eigenen Beruf schlecht zu reden

Damit der Pflegeberuf wieder für mehr Menschen attraktiv werde, appellierte Moll aber auch an die vorhandenen Pflegenden. Die Pflegebranche müsse aufhören, den eigenen Beruf schlecht zu reden. Pflege sei stressig und zu oft gebe es zu viel Arbeit für zu wenig Personal. Dennoch seien Pflegefachpersonen gut ausgebildete, kompetente Fachkräfte in einem komplexen Arbeitsumfeld.

"Deshalb müssen die Beschäftigten selbstbewusster sein. Seitdem ich in der Politik bin, ist es mir häufiger passiert, dass Gesprächspartner signalisiert haben: Was will diese kleine Altenpflegerin schon? Von solchen Spielchen darf man sich nicht von seinen Zielen ablenken lassen."

Zum geplanten Corona-Bonus für Pflegende verwies Moll darauf, dass sie ein "grundsätzliches Problem" damit habe. Im Fall von begrenzten Mitteln seien Differenzierungen unausweichlich, das sei immer ungerecht und könne nicht alle Erwartungen erfüllen. Aber die Altenpflegerin machte Hoffnung:

"Ich bin zuversichtlich, dass wir diesmal eine gute Lösung finden."

Warnungen vor einem Kollaps in der Pflege aufgrund der nahenden einrichtungsbezogenen Impfpflicht nannte Moll Panikmache.

Die meisten Pflegenden seien geimpft. Vereinzelte Kündigungen gebe es vermutlich ohnehin. Auch die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, befürchtet weniger Kündigungen von Fachpersonal als mehr Kündigungen von unterstützenden Mitarbeitenden wie Betreuungspersonal oder Küchen- und Reinigungskräften.

Moll äußerte:

"Klar ist aber, dass die Gesundheitsämter sehr genau prüfen müssen, ob es durch ein Tätigkeitsverbot von Impfunwilligen zu Personalproblemen kommt. Das muss immer eine Einzelfallentscheidung sein."

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