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Ein Jahr COVID-19-Pandemie

ICN warnt vor "Exodus" erfahrener Pflegefachpersonen

Der aktuelle Bericht des International Council of Nurses verdeutlicht die dramatischen Entwicklungen in der Pflege weltweit.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur hierzulande, sondern weltweit Auswirkungen auf Pflegepersonal: Immer mehr Pflegefachpersonen wollen ihrem Beruf den Rücken kehren. Das geht aus einem aktuellen Bericht des International Council of Nurses (ICN) hervor. Wie der ICN am Donnerstag mitteilte, habe das v. a. 3 Gründe:

  1. zu hohe Arbeitslast
  2. mangelhafte Ausstattung der Kliniken
  3. Gefahr von Burnout und genereller Stress.

ICN-Präsidentin Annette Kennedy sagte:

"Die Belastung, unter der Pflegende stehen, ist inakzeptabel, und es ist keine Überraschung, dass so viele den Druck spüren und entscheiden, dass sie in ihren geliebten Jobs nicht mehr weitermachen können."

Eine Belastung sei auch die hohe Zahl der Toten. Nach ICN-Einschätzung sind weltweit rd. 3.000 Pflegende an oder mit COVID-19 gestorben. Das sei aber aufgrund mangelnder Daten eher eine "grobe Untertreibung". Die Personalsituation werde verschlimmert durch strukturelle Engpässe.

Enormer personeller Verlust

Schon am Beginn der Pandemie vor rd. einem Jahr habe es weltweit 6 Mio. Pflegende zu wenig gegeben. Bis 2030 würden weitere 4 Mio. von ihnen altersbedingt ausscheiden. Da aktuell ca. 27 Mio. Pflegende tätig seien, bedeute dies einen enormen personellen Verlust, so die ICN.

Das müsse ein Weckruf für alle Regierungen sein, in die Ausbildung neuer Kräfte zu investieren, appellierte der ICN. Bereits im Dezember 2020 forderte der ICN, einen HERO-Fonds einzurichten, um den Ein- und Umstieg in den Pflegeberuf zu fördern.

Pflegende "bis zum Äußersten strapaziert"

Außerdem will der ICN

  • bessere Löhne und Arbeitsbedingungen
  • flexible Arbeitsregelungen insbesondere für älteres Pflegepersonal
  • Unterstützung bei der Bewältigung der Traumata des vergangenen Jahres.

Weltweit seien die Pflegenden bis zum Äußersten strapaziert worden. ICN-Vorstandschef Howard Catton betonte:

"Wir haben immer noch die Chance, sie zu beschützen, aber die Zeit ist knapp: Wir haben eine Minute vor Mitternacht und die Uhr tickt."

Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) warnte angesichts des ICN-Reports zum wiederholten Mal vor einem Massenausstieg der Pflegefachpersonen.

DBfK-Präsidentin Christel Bienstein sagte:

"Die beruflich Pflegenden fühlen sich seit Beginn der Pandemie oft alleingelassen, in ihrer Professionalität missachtet und in ihrer physischen und psychischen Integrität gefährdet."

Dass dies für „sehr viele Kolleginnen und Kollegen“ der Grund sein werde, den Beruf zu verlassen, davor habe der DBfK bereits seit Beginn der Pandemie gewarnt.

"Es scheint allerdings für die politisch Verantwortlichen noch lange kein Grund zu sein, jetzt notwendige und zeitnah spürbare Veränderungen anzustoßen, um die Situation der Pflegenden endlich zu verbessern. Dass dies ein internationales Versagen ist, macht die Sache dabei keineswegs besser."

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