Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels in der Langzeitpflege gewinnen strukturelle Verbesserungen in den Einrichtungen weiter an Bedeutung. Zum bereits seit 2021 laufenden Projekt "Gute Arbeitsbedingungen in der Pflege zur Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf (GAP)" haben die Verantwortlichen nun detaillierte Ergebnisse vorgelegt, die zeigen, welche konkreten Veränderungen in teilnehmenden Einrichtungen erreicht wurden. Die Beispiele verdeutlichen, wie sich gezielte Coaching‑Prozesse auf Kommunikation, Dienstplanung und Arbeitszufriedenheit auswirken.
Das GAP‑Projekt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege zeigt nach Angaben der Projektverantwortlichen messbare und nachhaltige Ergebnisse. Über 750 stationäre und ambulante Einrichtungen nehmen inzwischen teil, mehr als die Hälfte hat das Coaching bereits abgeschlossen.
Konkrete Veränderungen im Arbeitsalltag
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Zusammenarbeit zwischen GAP‑Coaches und Mitarbeitenden direkt in den Einrichtungen. Ziel ist es, passgenaue Lösungen für Belastungen im Arbeitsalltag und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu entwickeln.
Ein Beispiel aus einer ambulanten Einrichtung zeigt, dass der Wunsch nach regelmäßigen Mitarbeitendengesprächen ein zentrales Thema war. Diese Gespräche sollten nicht mehr nur nebenbei stattfinden, sondern strukturiert und planbar. Nach Einführung eines festen Formats stieg die Zufriedenheit der Mitarbeitenden spürbar (Plus von mehr als 33 Prozent), ebenso durch eine stärkere Berücksichtigung individueller Lebenssituationen (Plus 23 Prozent).
Auch eine stationäre Einrichtung berichtete von Problemen bei zeitversetzten Dienstbeginnzeiten, die zu Informationsverlusten bei Übergaben führten. Zudem war die bereichsübergreifende Kommunikation unzureichend abgestimmt. Nach dem Coaching wurden einheitliche Kommunikationswege etabliert und ein Handlungsleitfaden für Übergaben erarbeitet, was die Zufriedenheit ebenfalls deutlich erhöhte (Plus von mehr als 30 Prozent und Plus von 20 Prozent).
Nachhaltige Effekte nach Projektende
Laut Projektleitung lassen sich die Verbesserungen auch zwei Jahre nach Abschluss weiter nachweisen. Einige Einrichtungen führen inzwischen zweite oder dritte GAP‑Projekte durch, um die begonnenen Entwicklungen fortzuführen. Die gesetzlichen Fördermittel für die Projektumsetzung stehen den Einrichtungen jährlich erneut zur Verfügung.
Breites Themenspektrum im Coaching
Das Coaching umfasst 25 praxisorientierte Themen, die fünf Schwerpunktbereichen zugeordnet sind:
- Arbeitszeit- und Dienstplangestaltung,
- Kommunikation mit Beschäftigten,
- Personalentwicklung und Führung,
- Kommunikation mit Kundinnen und Kunden sowie
- familienfreundliche Unternehmenskultur.
Besonders häufig wählten Einrichtungen bisher die Optimierung von Kommunikation und Informationswegen sowie die Arbeitszeitorganisation.
Auch die Umsetzung des Personalbemessungsverfahrens gehört zum Portfolio und wird zunehmend nachgefragt.
Im vergangenen Jahr wurde das Themenspektrum erweitert. Neu hinzugekommen sind Leitfäden zu Willkommenskultur für internationale Mitarbeitende, zur Stabilisierung der Ausbildung sowie zur Prävention von Gewalt in der Pflege.
GAP‑Coaches bundesweit tätig
Derzeit sind bundesweit 64 Coaches im Einsatz, die über pflegerische Expertise verfügen und die Einrichtungen im Prozess begleiten. Zufriedenheitswerte aus Rückmeldungen der teilnehmenden Einrichtungen zeigen hohe Bewertungen in Bereichen wie Zusammenarbeit, Unterstützung und Methodeneinsatz. Auch die Gestaltung des Coachingprozesses wird regelmäßig positiv bewertet.
Fördermöglichkeiten
Nach § 8 Abs. 7 SGB XI werden die Projektkosten zur Hälfte gefördert. Kleine Einrichtungen mit weniger als 25 Mitarbeitenden in Pflege und Betreuung erhalten bis zu 70 Prozent der Kosten erstattet. Weitere Informationen zu Projektinhalten und Fördermöglichkeiten finden sich auf der Projektwebsite.
Für Rückfragen steht die GAP-Geschäftsstelle unter +49 40 254078 77 oder per E-Mail unter info(at)gap-pflege.de zur Verfügung.