Das Personalbemessungsverfahren für die stationäre Langzeitpflege führt zu spürbaren Verbesserungen in der Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie im Arbeitsalltag des Pflegepersonals. Das zeigen die Evaluationsergebnisse eines Modellprogramms, die die Gesundheitswissenschaftler Constance Stegbauer vom aQua-Institut und Heinz Rothgang vom SOCIUM Forschungszentrum der Universität Bremen am Mittwoch auf einer Fachtagung des GKV-Spitzenverbands in Berlin vorgestellt haben.
Die an dem Modell beteiligten Einrichtungen wurden bei der Umsetzung des im Modellprogramm entwickelten neuen Personalkonzepts begleitet. Grundlage dafür war, dass seit Juli 2023 alle vollstationären Pflegeeinrichtungen über eine neue Bemessung des Personalbedarfs die Möglichkeit haben, mehr Personal und dabei vor allem qualifizierte Assistenzkräfte in der Pflege und Betreuung einzusetzen.
In der wissenschaftlichen Gesamtbewertung wurden die Wirkungen von mehr Personal und der gleichzeitigen Einführung des Personalkonzepts untersucht. Im Zentrum standen dabei die Fragen, wie Aufgaben neu verteilt werden können, wenn sich die Zusammensetzung des Personalstamms verändert, und wie dieser neue Personalmix bestmöglich für eine noch bessere Versorgung und für mehr Zufriedenheit bei den Mitarbeitenden genutzt werden kann.
Bewohner geben bessere Lebensqualität an
In den Fokuswohnbereichen der teilnehmenden Einrichtungen bewerteten die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Lebensqualität nach der Umstellung signifikant positiver. Besonders stark sei der Zuwachs bei den in einem Fragebogen erhobenen Variablen „Aktivität und Beschäftigung“, „Sich zu Hause fühlen“ und „Pflegebeziehungen“ ausgefallen.
Auch bei Bewohnerinnen und Bewohnern mit leichter und schwerer Demenz, deren Lebensqualität über ein spezielles Instrument erfasst wurde, zeigten sich klare Verbesserungen. Bei Bewohnerinnen und Bewohnern mit sehr schwerer Demenz seien hingegen keine signifikanten Veränderungen erkennbar gewesen.
Personal: weniger Zeitdruck, besseres Teamklima
Auch für die Pflegenden habe die neue Arbeitsorganisation messbare Entlastungen gebracht. So seien Überstunden, Zeitdruck und ungeplantes Einspringen deutlich zurückgegangen, die Zusammenarbeit im Team habe sich spoürbar verbessert und Pausen hätten häufiger eingehalten werden können.
In Befragungen direkt nach der Umstellungsphase hätten die Mitarbeitenden angegeben, dass sowohl die Arbeitsbedingungen als auch ihre eigene Arbeitszufriedenheit gestiegen seien.
Arbeitshilfen online verfügbar
Zum Abschluss des Modellprojekts sagte der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt: "Das entwickelte Personalkonzept ist ein Instrument, mit dem Pflegeeinrichtungen in der vollstationären Pflege den für sie besten Personaleinsatz entwickeln können. Wir hoffen, dass viele Einrichtungen die Ergebnisse als Hilfe nutzen, um für die Praxis eine gute Balance zwischen den Bedarfen der Pflegebedürftigen, den fachlichen Anforderungen und den vorhandenen Pflegekräften zu finden."
Für interessierte Einrichtungen stellt der GKV-Spitzenverband Arbeitshilfen und Materialien zur Einführung des Personalbemessungsverfahrens zur Verfügung.