In bayerischen Pflegeheimen ist erstmals ein neues Organisationsmodell zur Stärkung der fachlichen Verantwortung von Pflegekräften erprobt worden. Das Konzept der "Leading Nurse" wurde seit Januar 2023 in 16 vollstationären Einrichtungen der Caritas gGmbH St. Heinrich und Kunigunde getestet. Ziel sei es gewesen, Aufgaben- und Rollenprofile in der stationären Pflege neu zu strukturieren und sie an Qualifikationen sowie an die Bedarfe der Bewohnenden anzupassen, teilte das Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium am Donnerstag mit. Das Projekt steht im Zusammenhang mit dem bundesweit eingeführten Personalbemessungsverfahren PeBeM, das seit 2023 die Personalausstattung in der Langzeitpflege neu regelt.
Neue Rolle mit fachlicher Verantwortung
Laut Ministerium übernimmt die Leading Nurse die Verantwortung für eine zugeordnete Bewohnergruppe. Sie plant, steuert und überwacht deren Pflege und ist zentrale Ansprechperson für Angehörige, Ärztinnen und Ärzte. "Im Rahmen des Modellprojekts wurden unterschiedliche Aufgaben- und Rollenprofile erprobt und festgelegt", sagte Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach (CSU). Pflegefachpersonen hätten sich hierfür gezielt qualifiziert. Gerlach betonte, die neue Rolle gebe Pflegefachpersonen "mehr Verantwortung, mehr Gestaltungsspielraum und mehr Anerkennung". Dies führe zu mehr Kontinuität und einer stabileren Versorgungsorganisation.
Das Modell wurde im Sinne des Primary Nursing weiterentwickelt. Parallel entstand das Profil "Pflegehelfer", das Assistenzaufgaben stärker bündeln und vereinheitlichen soll.
Reaktion auf Fachkräftemangel und neue Personalvorgaben
Hintergrund der Reformen ist der anhaltende Fachkräftemangel. Die Weiterentwicklung von Pflegeorganisationssystemen gilt laut Ministerium als zentral, um trotz knapper Personalressourcen eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen. Seit 2023 fördert der Freistaat vier Modellprojekte, die Personal- und Organisationsentwicklung in Pflegeeinrichtungen erproben. Das Projekt "Leading Nurse" wurde dabei wissenschaftlich durch die Evangelische Hochschule Nürnberg begleitet. Untersucht wurden einrichtungs-, mitarbeiter- und bewohnerbezogene Effekte sowie die Übertragbarkeit auf andere Träger.
Förderung und Ausblick
Für das Projekt stellte der Freistaat rund 720.000 Euro bereit. Die Ergebnisse sollen in die weitere Ausgestaltung von Organisationsstrukturen in stationären Pflegeeinrichtungen fließen. "Unsere Pflegekräfte leisten Tag für Tag Enormes – oft unter großem Druck", sagte Gerlach. Deshalb brauche es Strukturen, "die sie stärken und ihnen den Rücken freihalten".
Weitere Modellvorhaben des Ministeriums zielen ebenfalls darauf ab, Personaleinsatz, Aufgabenverteilung und Qualitätssicherung in der stationären Langzeitpflege neu auszurichten.