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  • 03.05.2018
  • Bildung

Bachelor-Studiengang "Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege"

"Wir brauchen in der Pflege besser ausgebildete Köpfe"

Die Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten bietet seit 2016 den Bachelor-Studiengang "Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege" an und verfolgt damit einen bundesweit bislang einmaligen Ansatz. Wir sprachen mit Studiengangskoordinatorin Prof. Dr. Veronika Schraut über die Chancen, die das Studium für Absolventen bietet. 

Frau Professorin Schraut, Sie haben den Studiengang "Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege" mitkonzipiert. Warum braucht es diesen Studiengang?

Der demografische Wandel und der derzeitige Pflegenotstand machen deutlich, dass wir in Pflege und Therapie nicht nur mehr Hände benötigen, sondern zudem auch noch besser ausgebildete Köpfe. Die Aufgaben im pflegerischen und therapeutischen Alltag werden komplexer und umfangreicher, die Anforderungen bedingt durch die älter werdende Gesellschaft einhergehend mit chronischen Erkrankungen, Multimorbidität und Polypharmazie deutlich komplexer. Darauf müssen die Mitarbeitenden durch Weiterbildungsangebote vorbereitet werden. Die akademische Bildung spielt dabei eine zentrale Rolle. Hier Vorreiter zu sein, haben wir uns in Kempten zur Aufgabe gemacht und den bisher bundesweit einmaligen Studiengang ins Leben gerufen.

Was sind Inhalte des Studiums?

Grundsätzlich geht es um die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, sein Handeln und Tun in der Pflege zu reflektieren. Vertiefend geht es etwa um geriatrische Grundlagen wie typische Syndrome von Alterserkrankungen, Grundlagen der Alterswissenschaft, Neurologie und Gerontopsychiatrie. Neben Care und Case Management werden rechtliche Fallstricke besprochen. Auch Projekt- und Qualitätsmanagement sowie Führung und Teamentwicklung gehören zum Inhalt des Studiums. Hinzu kommen Gesundheitsförderung, Behandlungstechniken und kurative Prozesse. Der Schwerpunkt im siebten Semester wird auf die Pflegeberatung gelegt. Angestrebt wird so eine Mischung aus fachlicher Expertise und organisatorischen Fähigkeiten.

An wen richtet sich das Bachelorstudium?

Das Studium richtet sich an Personen, die über eine abgeschlossene Ausbildung in Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Physiotherapie oder Ergotherapie verfügen. Außerdem sollten sie ein besonderes Interesse für die gesundheitlichen, psychologischen und sozialen Belange älterer und alter Menschen mitbringen – idealerweise in Kombination mit Berufserfahrung in diesem Bereich. Da der Studiengang auf die Ausbildungsinhalte der genannten Gesundheitsfachberufe aufbaut, werden pauschal zwei Semester angerechnet. Gegenüber der regulären Dauer eines Bachelorstudiums verkürzt sich das Studium somit entsprechend. Aber es gibt noch einen weiteren Vorteil.

Welchen?

Das Studium ist zwar als Vollzeitstudium konzipiert, kann aber auch in Teilzeit studiert werden. Die zeitliche Belastung pro Semester ist dann geringer. Dafür verlängert sich die faktische Studiendauer auf acht Semester. Vorteil für die Studierenden: Sie können zumindest in Teilzeit weiter beruflich tätig sein. Ein wichtiger Aspekt für Personen, die sich nach erfolgreicher Ausbildung und eventuell gewisser berufspraktischer Zeit für ein Studium entscheiden. Zudem ist es den Studierenden dadurch möglich, unmittelbar Bezüge von theoretischen Inhalten zur geriatrischen Praxis herzustellen.

Was kostet das Studium?

Für den Studiengang werden keine Studiengebühren erhoben. Es fällt lediglich ein für alle Studiengänge zu entrichtender Semesterbeitrag in Höhe von 82 Euro für das Studentenwerk und das Semesterticket an.

Welche beruflichen Möglichkeiten haben Absolventen?

Mit einem Hochschulabschluss in Geriatrische Therapie, Rehabilitation und Pflege nehmen die Absolventen eine Vorreiterrolle in der Akademisierung der Gesundheitsfachberufe ein. Der Studiengang eröffnet eine Vielzahl an Arbeitsfeldern wie pflegerische oder therapeutische Fachkraft für besonders komplexe Aufgaben in Pflegeheimen, Leitung des Pflege- oder Therapeutenteams in geriatrischen Einrichtungen oder Palliativdiensten, Leitung multiprofessioneller Teams oder die Koordination der mobilen geriatrischen Rehabilitation. Auch die Schulung, Begleitung und Koordination pflegender Angehöriger ist eine berufliche Perspektive inklusive der Gestaltung häuslicher Pflegesettings für Menschen mit geriatrischen Erkrankungen.

Welche Vorteile haben Arbeitgeber von dem Studienansatz?

Neben der wachsenden fachlichen Expertise in verschiedenen relevanten Bereichen können sich die Studierenden nach erfolgreich abgeschlossenem ersten und zweiten Fachsemester bereits Geriatrische Fachkraft nach OPS- 8-550 nennen und in diesem Feld schon entsprechend arbeiten. Die Anerkennung als Gerontopsychiatrische Fachkraft und Pflegeberater folgt dann nach erfolgreich abgeschlossenem Studium.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Professorin Schraut.

 

Jetzt anmelden für das nächste Semester

Der Studiengang startet wieder zum Wintersemester 2018/2019. Im Vorfeld gibt es dazu am 5. Juni eine Informationsveranstaltung an der Hochschule Kempten. Weitere Details auch unter www.hochschule-kempten.de

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