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  • 25.01.2018
  • Management

Personalmangel

"Den Tiefpunkt haben wir überwunden"

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) musste eine Station schließen, weil zu wenig Pflegende für die Patienten da sind. Wir sprachen mit Pflegedirektor Thomas van den Hooven über die Situation.

Herr van den Hooven, warum mussten Sie eine Station mit 28 Betten und 13 Pflegenden schließen?

Wir stehen am UKM für eine hohe Qualität in der pflegerischen und medizinischen Versorgung. Um diese Qualität und die Versorgungssicherheit unserer Patienten zu gewährleisten, haben wir in der bestehenden Mangelsituation entschieden, dass wir einen stationären Bereich schließen, um die Pflegenden in anderen Bereichen einsetzten zu können. Damit können wir unsere Versorgungsqualität weiterhin gewährleisten, auch wenn wir uns im Umfang einschränken müssen. Der Pflegemangel am UKM ist in Relation zum Leistungszuwachs des Klinikums zu sehen. Wir haben in den vergangenen Jahren die Fallzahlen erheblich gesteigert, aber der Personalzuwachs im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege konnte mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt halten. Auch der massive Aufbau von Stellen im Bereich des Service, des Patiententransports und der Unterstützung durch medizinische Fachangestellte auf den Stationen und in den Ambulanzen konnte dies nicht mehr kompensieren.

Wie stehen die Chancen, die Station wieder in Betrieb zu nehmen?

Wir planen, die Station nach Möglichkeit Ende des Jahres wieder in Betrieb zu nehmen. Das hängt davon ab, ob es uns im Verlauf dieses Jahres gelingt, mehr Pflegekräfte am UKM einzusetzen.

Was ist mit den Patienten von dieser Station passiert?

Die Patienten wurden auf andere Stationen umverteilt.

Drohen weitere Stationen geschlossen zu werden?

Akut droht dies nicht. Personalentwicklung hängt aber bekanntlich von vielen Faktoren ab, die man zum Teil schwer in der langfristigen Entwicklung einschätzen kann. Wir schätzen die Situation momentan so ein, dass wir im vierten Quartal 2017 durch die Talsohle gegangen sind und hoffen, dass wir jetzt stetig eine Verbesserung der Situation erleben. Den Tiefpunkt haben wir also überwunden, denke ich.

Was unternehmen Sie gegen den Pflegemangel?

Kurzfristig arbeiten wir mit Arbeitnehmerüberlassungen und mit dem Appell, dass Mitarbeiter ihre Arbeitsverträge aufstocken. Auch haben wir bei berenteten Kollegen eine Aktion gestartet, um Ihnen eine Weiterbeschäftigung anzubieten. Eine Bonuskampagne wurde aufgelegt, um Mitarbeiter eine Gratifikation anzubieten, wenn Sie neue Mitarbeiter für das UKM anwerben. Mittelfristig sind wir stark in der Auslandsakquise von Pflegefachkräften engagiert. Diese Maßnahmen brauchen aber Zeit und werden erst im weiteren Verlauf 2018 greifen können. Langfristig sehen wir in einer gestärkten Mitarbeiterbindung am UKM die Lösung. Hierfür haben wir uns seit Dezember vergangenen Jahres auf dem Weg eines Magnetkrankenhauses begeben. Dies wird ein Prozess sein, der wahrscheinlich bis 2025 dauern wird. Im Moment arbeiten wir an den Bausteinen der Führungskultur und den Grundlagen für die weiteren Schritte. Ziel ist es, dass die Veränderungen in der Führungskultur möglichst schnell für die Mitarbeiter spürbar werden. Des Weiteren haben wir am UKM eine erhebliche Mangelsituation im Bereich der Bausubstanz. Auch dieser Zustand führt dazu, dass Pflegekräfte sich gegen uns als Arbeitgeber entscheiden. Um diese Situation zu verbessern, stehen wir im engen Kontakt mit den Entscheidungsträgern in den Ministerien und der Politik.

Wie viele Pflegefachkräfte fehlen derzeit am UKM?

Uns fehlen rund 90 bis 100 Vollkraftstellen im Bereich der Pflegefachkräfte im Pflege- und Funktionsbereich. Auch diese Zahl ist in Relation zu etwa 1.960 Vollkraftstellen, die am UKM beschäftigt sind, zu sehen.

Vielen Dank für das Interview, Herr van den Hooven.

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