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  • 13.10.2017

Pflege von Stomapatienten

"Gute Beratung ist das A und O"

Für Patienten, die operationsbedingt ein Stoma erhalten, geht diese Therapiemaßnahme mit vielen Fragen und Unsicherheiten einher. Die optimale Pflege und Beratung dieser Patienten spielt deshalb eine zentrale Rolle. Was sollten Pflegende dabei beachten? 

Frau Gruber, wie können Pflegende Stomaträgern die Angst vor dem Stoma nehmen? 

Eine patientenbegleitende, sektorenübergreifende Zusammenarbeit im multidisziplinären Team fördert und sichert nicht nur den Behandlungserfolg. Vielmehr vermittelt ein enges und gut aufeinander abgestimmtes Netzwerk dem Patienten auch Sicherheit. Das beginnt damit, dass Patienten im Krankenhaus direkt vor und nach der Operation sowie bis zur Entlassung zu Fragen zum Stoma und im Umgang mit dem Stoma, dem Alltag mit einem Stoma oder auch einer Berufstätigkeit ausführlich von Pflegeexperten beraten und angeleitet werden. Grundlegende Kenntnisse des Patienten über Physiologie und Pathophysiologie sind wichtig. Denn so kann der Patient viel besser nachvollziehen, warum etwa die Ausscheidungen bei einem Ileostoma breiig bleiben. Auf den Punkt gebracht: Gute, verständliche pflegerische Beratung ist das A und O, um Patienten Sorgen und Unsicherheiten zu nehmen. Ein Ineinandergreifen pflegerischer und ärztlicher Aktivitäten ist dabei essentiell. Wenn der Patient den Wunsch äußert, seinen Partner oder andere Angehörige miteinbeziehen zu wollen, sollte aber auch dies unterstützt werden. 

Was zeichnet eine gute Beratung aus?

Stomaträger sollten in mehreren Punkten geschult werden. So etwa in der korrekten Pflege der stomaumgebenden Haut und der Anwendung der Stomaprodukte beim Versorgungswechsel. Der Patient muss darüber aufgeklärt werden, wann und wie oft die Stomaversorgung gewechselt werden muss und wie gebrauchte Materialien zu entsorgen sind. Wer verordnet Stomaprodukte? Wie weit geht die Kostenübernahme durch die Krankenkassen? Wo sind die Produkte zu beziehen? Wer ist Ansprechpartner nach dem Aufenthalt in der Klinik? Auch das sind Fragen, die mit den Stomaträgern spätestens nach ihrer Operation und vor der Entlassung geklärt werden sollten. Ferner sollte darauf hingewiesen werden, dass sich bei Hautproblemen oder Stomakomplikationen die Wechselintervalle ändern können und gegebenenfalls eine Anpassung der Versorgung nötig wird. Bereits präoperativ sollten Pflegende erklären, dass der Stomabeutel unmittelbar nach der Operation größer und durchsichtig ist als die spätere Stomaversorgung für den Alltag. Insgesamt verkleinert sich die Stomaanlage in Form und Größe in den ersten drei bis sechs Monaten nach der OP um rund 30 Prozent. Ein Anpassen des Ausschnitts in der Stomaversorgung ist in diesem Zeitraum unbedingt nötig. Zu groß gewählte oder nicht auf der Haut anliegende Stomaversorgungen führen zu Unterwanderung mit Ausscheidung oder sogar zur Ablösung der Stomaversorgung und in der Folge zu Hautproblemen. Solche Situationen können den Patienten durchaus stark verunsichern und sollten deshalb gar nicht erst auftreten oder mit einer gezielten Aufklärung entkräftet werden.

Was ist bei der Auswahl des geeigneten Stomamaterials zu berücksichtigen? 

Wichtig ist, dass die Stomaprodukte sicher haften. Bei einem Dickdarmstoma etwa, einer der häufigeren Stomaanlagen, wird die Beutelform, Ausstreifbeutel oder Kolostomiebeutel, auch mit Aktivkohlefilter bei Blähungen, nach der Stuhlkonstistenz ausgewählt. Generell werden zur Stomaversorgung Produkte mit einer passgenauen hydrokolloiden Hautschutzfläche eingesetzt. Diese sind in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich. Hautschutzringe gibt es beispielsweise in einer ebenmäßigen oder leicht gewölbten Form, um sich der Bauchdecke optimal anpassen zu können. Entsprechende Stomapasten helfen darüber hinaus, um kleine Fältchen oder Unebenheiten – sei es an der Haut oder direkt am Stoma – abzudichten. Eine zu groß gewählte oder nicht auf der Haut anliegende Stomaversorgung führt zu Unterwanderung oder Ablösung des Stomas und in dessen Folge zu Hautproblemen. 

Stichwort Hygiene. Was ist hierbei zu beachten?

Zur Reinigung und Hautpflege sollten keine austrocknenden Substanzen wie Alkohol gewählt werden oder Inhaltsstoffe, die den Säureschutzmantel der Haut zerstören. Ich empfehle körperwarmes Wasser in Verbindung mit Einwegvlieskompressen. Falls eine Reinigung, zum Beispiel bei Kontakt mit Ausscheidungen, notwendig ist, rate ich zu pH-neutralen, nicht rückfettenden Reinigungslotionen. Unbedingt vermieden werden sollten fett- oder ölhaltige Salben oder Cremes im parastomalen Bereich. Denn sie beeinträchtigen die Haftung der Stomaversorgung. Zellstoff hinterlässt ebenfalls Rückstände, sodass die Stomaprodukte nicht richtig haften können. Dass kann letztlich zu Hautirritationen führen. Die Empfehlungen zum Wechselintervall, beispielsweise den Urostomiebeutel täglich zu wechseln, sollte der Pflegeexperte mit dem Patienten besprechen. Er sollte darauf hinweisen, dass Harnwegsinfektionen auftreten können, wenn von den Empfehlungen abgewichen wird.  

Wodurch können Hautirritationen noch hervorgerufen werden? 

Zu den häufigsten Ursachen zählt eine zu lange Tragezeit des Hautschutzmaterials. Es kann zu Unterwanderungen mit Stuhlgang kommen. Ebenso kann eine zu große Öffnung der Versorgung zu Hautkomplikationen führen. Auch hierbei kommt Stuhl auf die Haut, Rötungen oder nässende Hautläsionen können entstehen. Solche Irritationen lassen sich in den meisten Fällen durch hygroskopische, also feuchtigkeitsbindende, passgenaue Hautschutzmaterialien beherrschen. 

Für Stomapatienten ist eine Betreuung über den Klinikaufenthalt hinaus wichtig. Wie können Pflegende hier unterstützen? 

Richtig. Für eine umfassende Rehabilitation des Stomaträgers sind über die Grundpflege mit Beratung und Anleitung hinaus spezielles Fachwissen und höchstmögliche Sorgfalt in der Auswahl der Versorgung wichtig. Zum Beispiel bei Ernährungsfragen oder Medikamentenresorptionsstörungen ist der Austausch im multiprofessionellen Team erforderlich. Des Weiteren ist eine professionelle, möglichst standardisierte Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus, Rehabilitationseinrichtung und poststationärer Nachsorge unerlässlich. Dazu zählen etwa der niedergelassene Arzt, Home-Care-Unternehmen und je nach Bedarf ambulante Pflegedienste. Hier ist es wichtig zu prüfen, ob der Betroffene schon allein zurechtkommt. Falls nicht, können der Partner oder Angehörige entsprechend angeleitet werden, um zu unterstützen. 

Können Pflegende auch bei der Wahl der geeigneten Rehaeinrichtung helfen? 

Durchaus. Hierbei sollten Pflegende den Blick des Patienten auf fachliche Expertise lenken. Meist sind die Patienten eher an einem schönen Zimmer interessiert, als dass sie sich darüber informieren, ob auch eine Pflegefachperson für die Stomatherapie oder ein Stomatherapeut vor Ort ist. Hilfreich ist es auch, den Betroffenen frühzeitig mit der Beurteilung seiner Haut und der Stomaanlage vertraut zu machen. So kann er schon kleinste Veränderungen bemerken und gegebenenfalls führzeitig Rücksprache mit dem Stomatherapeuten oder Arzt halten. 

Buchtipp

Ganzheitliche Pflege bei Patienten mit Stoma. Praxis und Beratung – stationär und ambulant. Von Gabriele Gruber (Hrsg.), Springer 2017

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