Die spezialisierte Pflegeexpertenrolle "Endometriose Nurse" gewinnt in der Versorgung von Patientinnen mit Endometriose an Bedeutung, schreibt Lena Hofmann in ihrem Fachbeitrag. Hofmann ist Endometriose Nurse an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Dort wurde 2025 deutschlandweit die erste Endometriose Nurse eingeführt. Die Funktion soll betroffene Frauen umfassend unterstützen, ihre Selbstpflege stärken und Versorgungslücken schließen.
Komplexe Erkrankung – hoher Beratungsbedarf
Endometriose zähle zu den häufigsten chronischen gynäkologischen Erkrankungen. In Deutschland sei 2022 bei rund 339.718 Frauen eine entsprechende Diagnose gestellt worden. Viele Betroffene litten unter starken Schmerzen, Einschränkungen im Alltag und häufig langen Diagnosewegen, die sich über sechs bis zehn Jahre erstreckten.
Die Vielzahl unspezifischer Symptome und die hohe psychosoziale Belastung führten dazu, dass Patientinnen einen besonders großen Unterstützungs- und Informationsbedarf haben.
Was das Berufsbild auszeichnet
Die Endometriose Nurse ist eine akademisch qualifizierte Pflegefachperson, die Patientinnen durch alle Phasen der Behandlung begleitet. Dazu gehören:
- strukturierte Beratung und Stärkung der Selbstpflegefähigkeiten
- Erfassung physischer und psychischer Belastungen mittels Assessmentinstrumenten
- Schmerz- und Fatigue‑Management
- Koordination interdisziplinärer Behandlungen
- Unterstützung im ambulanten, stationären und nachstationären Bereich
- Vermittlung von Selbstmanagementstrategien wie Entspannungs‑ und Beckenbodenübungen
Ihre Aufgaben ähneln in Teilen denen einer Advanced Practice Nurse (APN). Die Rolle soll insbesondere Patientinnen entlasten, die im Alltag und im Krankheitsverlauf stark eingeschränkt sind.
FAQ – Schnell erklärt
Was ist eine Endometriose‑Nurse?
Eine akademisch qualifizierte Pflegefachperson, die Patientinnen individuell berät, Symptome einordnet, Unterstützungsstrategien vermittelt und als zentrale Schnittstelle im Behandlungsteam fungiert.
Warum braucht es diese Rolle?
Weil Endometriose chronisch, komplex und stark belastend ist. Die Nurse unterstützt in Bereichen, die in klassischen ärztlichen Kontakten oft keinen Raum finden.
Wie profitieren Patientinnen konkret?
Durch bessere Aufklärung, individuelle Schmerz- und Alltagsstrategien, gezielte Übungen und eine engmaschige, kontinuierliche Begleitung.
Gibt es Evidenz?
Der Ansatz folgt internationalen APN-Modellen und etablierten Assessment‑Instrumenten, um eine qualitativ hochwertige und patientinnenzentrierte Versorgung sicherzustellen.
Warum die Rolle an Bedeutung gewinnt
Viele Patientinnen benötigten mehr als ärztliche Beratung oder medizinische Therapie, schreibt Hofmann weiter. Die Endometriose Nurse fungiere als Schnittstelle zwischen Patientinnen, Ärzteschaft sowie weiteren Fachdisziplinen und trage damit zu einer besseren Versorgungskoordination und kontinuierlichen Begleitung bei.
Aus pflegewissenschaftlicher Sicht gilt die spezialisierte Rolle als ein Modell, das auch in anderen Versorgungseinrichtungen etabliert werden könnte, um Versorgungslücken bei chronischen gynäkologischen Erkrankungen zu schließen.