Erweiterte Kompetenzen von Pflegefachpersonen können die Qualität der ambulanten Versorgung verbessern und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit steigern. Das zeigt ein aktuelles Scoping-Review des IGES Instituts. Das Forschungsteam analysierte 67 internationale Studien zu Rollen, Aufgaben und Qualifikationsanforderungen von Pflegefachpersonen in der ambulanten Primärversorgung sowie in häuslichen, gemeindenahen Settings. In vielen Ländern übernehmen Pflegefachpersonen deutlich erweiterte Aufgaben – darunter die Koordination komplexer Versorgungsprozesse, Prävention und Beratung sowie Leitungs- und Steuerungsaufgaben in multiprofessionellen Teams. Ein zentrales Ergebnis: "Ein entscheidender Erfolgsfaktor für neue Rollen in der Pflege: klare Zuständigkeiten und Rollenprofile innerhalb der Versorgungsteams", berichtet IGES am Mittwoch auf LinkedIn.
Internationale Daten zeigen breitere Rollenprofile
Laut Scoping-Review wirken sich erweiterte Rollen positiv auf Versorgungsqualität und Kontinuität aus. Sie können Krankenhausaufenthalte reduzieren, Menschen längere selbstständige Lebensführung zu Hause ermöglichen und die Patientensicherheit erhöhen. Gleichzeitig zeigten viele Studien eine höhere Arbeitszufriedenheit – etwa aufgrund größerer Autonomie und klar definierter Verantwortungsbereiche.
Rahmenbedingungen in Deutschland fehlen
Während viele Länder bereits auf erweiterte Rollenprofile wie Community Health Nursing oder Advanced Practice Nursing setzen, zeigt die Analyse für Deutschland strukturelle Hürden. Die Studie beschreibt regulatorische Unsicherheiten, fehlende rechtliche Grundlagen für autonome Handlungsspielräume und uneinheitliche Qualifikationsanforderungen als zentrale Barrieren. Um das internationale Potenzial nutzen zu können, brauche es "klare rechtliche Regelungen sowie gezielte Investitionen in Aus- und Weiterbildung", heißt es im LinkedIn-Beitrag weiter.
Das IGES-Team resümiert: Nur mit klaren Rollenprofilen, passenden Rahmenbedingungen und einer modernen Qualifikationsarchitektur können Pflegefachpersonen künftig stärker Verantwortung in der ambulanten Versorgung übernehmen.