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  • 31.07.2017

Pflege als Unternehmensstrategie

"Pflegende sind echte Partner von Ärzten"

Wie sollte die Pflege in einem modernen Gesundheitskonzern organisiert sein? Welche Weichen müssen gestellt werden, um für die Zukunft gewappnet zu sein? Martina Henke von der Sana Kliniken AG gewährt Einblicke in die Strategie des Konzerns und veranschaulicht die Hintergründe.

Die Sana Kliniken AG setzt seit 2015 gezielt auf eine "Unternehmensstrategie Pflege". Warum machen Sie das? 

Die Pflege stellt bei den Sana Kliniken die größte Berufsgruppe. Fast 14.000 Mitarbeiter gehören dazu, zählt man alle Bereiche zusammen. Allein schon deshalb würde es einleuchten, sich mit der Pflege intensiv zu beschäftigen. Allerdings kommt den Kolleginnen und Kollegen zudem aufgrund des gesellschaftlichen und soziodemografischen Wandels eine neue Rolle zu. Auf diese Herausforderungen gilt es zu reagieren. Wir machen das, indem wir vier große Handlungsfelder definiert und in eine Unternehmensstrategie Pflege integriert haben: Pflege- und Qualitätsorientierung, Kooperation und Vernetzung, Mitarbeiterorientierung und Pflegemanagement. In diesen vier Feldern sind wir seit 2015 sehr rege unterwegs.

Was machen Sie anders als andere Kliniken, zum Beispiel im Hinblick auf Nurse-Patient-Ratios, Fort- und Weiterbildung oder Gehalt? 

Auch wenn das Motto vom "Fördern und Fordern" oft herhalten muss – bei uns trifft es zu. Wir setzen klare Ziele, wir messen die Pflegequalität weit über das gesetzlich geforderte Maß hinaus und gehen davon aus, dass das Engagement bei uns stimmt. Auf der anderen Seite wollen wir unseren Mitarbeitern aber auch hochwertige und vielfältige Qualifizierung bieten, um sie weiterzuentwickeln, etwa durch unser Programm für Stationsleitungen oder andere Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Und auch wenn es vielleicht nur als Detail erscheint: Wir haben in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal zu einem großen Pflegemanagementkongress nach Berlin geladen – ein Angebot, das von über 500 Pflegenden mit großer Freude und Enthusiasmus angenommen wurde. Wir gehen durchdacht und im Sinne einer nachhaltigen Mitarbeiterentwicklung vor, die am Ende allen zugute kommt – und das merken unsere Leute.  

Trägt die Strategie schon erste Früchte zum Nutzen der Pflegenden? 

Ja, wir sind davon überzeugt, dass  unsere Strategie richtig ist und Früchte trägt. Nehmen Sie unser "Stationscockpit", in das flächendeckend stationsbezogene Berichte und Pflegekennzahlen eingepflegt werden. Diese Zahlen und Fakten nutzen den Pflegenden in ihrer täglichen Arbeit und können sie auf vielfältige Weise unterstützen. 

Sehen Sie Sana als Vorreiter, wenn es um die Rolle der Pflege in einem modernen Gesundheitskonzern geht? 

Wenn wir uns ein Thema auf die Fahnen geschrieben haben, dann verfolgen wir das aus tiefster Überzeugung. Ob wir dann auch als Vorreiter wahrgenommen werden, sollen andere entscheiden. Wir sind stolz auf unser Pflegemanagement und die Mitarbeiter des Pflegedienstes. Hier sind wir sehr gut vorangekommen. Auch in den Strukturen haben wir viel erreicht. So sind Funktions- und OP-Pflege den Pflegedirektoren unterstellt, das ist nicht überall üblich. Schließlich ist die Entscheidung, dass bereits in vielen unserer Häuser Pflegende das Belegungsmanagement koordinieren, eine sehr gute gewesen und zeigt positive Wirkung.  

Welche Rolle sollte generell die Pflege in einem modernen Gesundheitskonzern spielen? 

Die Pflege steht vor vielfältigen Herausforderungen. Ihr kommt in einem modernen Gesundheitskonzern eine ganz entscheiden Rolle zu und wir sehen es als unsere Aufgabe an, sie in allen Belangen dabei zu unterstützen, diese Herausforderungen im Sinne einer noch umfassenderen Patientenversorgung anzunehmen und modern zu interpretieren. Wir wollen das Rollenverständnis unserer Pflegenden verändern und entwickeln. 

Was braucht es dafür generell?

Einerseits müssen die entsprechenden Möglichkeiten innerhalb des Hauses vorliegen. Daran arbeiten wir – ich habe Beispiele aufgezählt. Andererseits bedarf es aber auch einer noch besseren Wahrnehmung von Pflege in der Gesellschaft ganz allgemein. Denn "die Schwester" ist längst eine hochkompetente, erfahrene, motivierte Mitarbeiterin und in dieser Funktion übrigens auch echte Partnerin der Ärzte. Noch dazu ist sie eine tragende Säule im Krankenhaus und sollte von den Patienten und Angehörigen als wichtige Ansprechpartnerin wahrgenommen werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die kommenden Herausforderungen, um eine erfolgreiche Unternehmensstrategie Pflege weiterzuführen? 

Bei Sana sind wir da auf einem sehr guten Weg. Es muss ja darum gehen, das Tempo der Veränderungen so zu wählen, dass sich alle anstrengen müssen, aber keiner auf der Strecke bleibt. Die demografische Entwicklung wird uns sicher nicht nur auf Patientenseite fordern, sondern sie wird sich auch verstärkt auf den Nachwuchs auswirken. Hier stehen alle Kliniken längst in einem Wettbewerb um Mitarbeiter – aber auch hier sehen wir uns angesichts unserer vielfältigen Maßnahmen sehr gut aufgestellt. Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass wir die Pflege in den meisten Belangen sehr schnell fit für die Zukunft gemacht haben und dort wo es noch hapert, alles Mögliche tun. 

Pflegende prangern immer lauter die prekären Zustände in der Branche an – zu viel Arbeit, zu wenig Personal, geringe Wertschätzung. Wie gehen Sie damit bei Sana um? Reicht da die "Unternehmensstrategie Pflege" als alleinige Maßnahme? 

Interessant ist, dass viele Pflegende den Beruf wieder wählen würden. Es ist ein erfüllender Beruf, der ohne Zweifel auch mal Stress und Verzweiflung bereithält. Ich würde nicht so weit gehen, von prekären Verhältnissen zu sprechen, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass neben Kritik auch sehr viel Wertschätzung geäußert wird. Gerade von Patienten, die sehr oft dankbar sind und sich gut aufgehoben fühlen. Aber richtig ist auch: Das öffentliche Bewusstsein für den Einsatz der Pflegenden könnte manchmal positiver sein. Aber indem wir bei Sana unseren Mitarbeitern nicht nur neue Dienstpläne, sondern eben auch neue Qualifikationen und Erfahrungen bieten wollen, sind wir davon überzeugt, dass sich das Selbstbewusstsein dieser Berufsgruppe verbessern wird.  

39. Fortbildung für Pflegende

Auf der Fortbildung für Pflegende am 15. September 2017 im Kongress Palais Kassel wird Martina Henke ihre Ausführungen konkretisieren.

Die B. Braun-Stiftung und die Redaktion "Die Schwester Der Pfleger" laden wieder zu diesem jährlichen Highlight der Pflegebranche ein.  

Diesmal wird auch unter anderem Vertretern der Bundestagsparteien auf den Zahn gefühlt: Im Vorfeld der nahenden Bundestagswahl sollen sie auf einer Podiumsdiskussion in Sachen Pflege Stellung beziehen.

Melden Sie sich am besten gleich für die kostenfreie Veranstaltung an, denn die Plätze sind begehrt.

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