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  • 30.05.2017

ICN-Kongress 2017

ICN-Präsidentin: "Deutsche Pflegende profitieren vom weltweiten Netzwerk"

Die Kanadierin Judith Shamian, 67, war für die vergangenen vier Jahre Präsidentin des International Council of Nurses (ICN). Heute hat sie dieses Amt an die Irin Annette Kennedy übergeben. Im BibliomedPflege-Interview blickt sie zurück auf ihre Amtszeit.

Frau Shamian, die deutschen Pflegenden haben mit vielfältigen Problemen zu kämpfen: hohe Arbeitslast, Personalmangel, geringe Bezahlung. Warum sollte man sich für die Pflege weltweit interessieren, wenn die Probleme im eigenen Land nicht gelöst sind?

Es ist verständlich, dass sich Pflegende zuerst um sich selbst und um die Probleme im eigenen Land kümmern. Doch sie dürfen dabei nicht vergessen, dass sie Teil einer weltweiten Gemeinschaft sind und vom globalen Pflegenetzwerk profitieren. 

Inwiefern?

Wir Pflegende müssen unsere Interessen mit einer gemeinsamen starken Stimme artikulieren. Nur dann werden wir von Präsidentinnen und Präsidenten, von Königinnen und Königinnen sowie von Premierministerin in aller Welt gehört. Wichtiger ist mir aber ein zweiter Aspekt: Pflegende in Deutschland, Kanada, Spanien und anderen Ländern müssen sich mit vielfältigen Schwierigkeiten auseinandersetzen - doch Pflegende anderswo sind noch weitaus schlechter dran. Als Pflegende kümmern wir uns das Wohlergehen unserer Mitmenschen. Insofern ist es auch die Verantwortung der Pflegenden, sich um Kolleginnen und Kollegen anderer Länder zu interessieren, die unter noch schlechteren Bedingungen arbeiten. Der ICN setzt sich dafür ein, dass Pflegende weltweit füreinander einstehen.

Sie waren vier Jahre Präsidentin des ICN. Laut Satzung ist nur eine Amtszeit erlaubt. Was haben Sie in Ihrer Präsidentschaft erreicht?

Das Motto meiner Amtszeit lässt sich mit einem Wort umschreiben: Einfluss. In den letzten Jahrzehnten hat Pflege enorme Fortschritte gemacht und sich gut weiterentwickelt. Doch der Einfluss von Pflegenden ist paradoxerweise immer mehr gesunken. Heute sind Pflegende weltweit im Top-Management von Kliniken oder auch in der Regierungsebene von Ländern kaum vertreten. Mein Ziel war daher, der Pflege eine stärkere Stimme zu geben. Dies ist mir auch gelungen, denke ich. Am Ende meiner Präsidentschaft verfügt der ICN über bessere Beziehungen zu wichtigen Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank. Die Voraussetzungen, künftig international mehr Einfluss zu nehmen, sind geschaffen. Doch natürlich bleibt noch vieles zu tun. Arbeit ist nie vollständig erledigt.

Frau Shamian, vielen Dank für das Interview.

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