• 12.11.2024
  • PflegenIntensiv
Generalistisch Ausgebildete im intensivpflegerischen Setting

Härtefall Berufseinstieg

PflegenIntensiv

Ausgabe 4/2024

Seite 54

Der Berufseinstieg und die Einarbeitung von Berufsanfängern auf der Intensivstation stellen besondere Anforderungen an die Organisation und das Team. Die hohe Komplexität und das intensive Arbeitsumfeld erfordern ein strukturiertes und umfassendes Einarbeitungskonzept. Die Autorin beschreibt Interventionen und nennt Impulse.

Auf einer Intensivstation werden Menschen versorgt, die sich in einem kritischen lebensbedrohlichen Zustand befinden. Diese schwersterkrankten Menschen benötigen professionelle intensivpflegerische Interventionen, um diese kritische Phase zu überwinden [1]. Dabei ist es wichtig, schnell und gezielt Probleme zu erkennen, um adäquat handeln zu können. Der medizinische Fortschritt und die daraus resultierenden Möglichkeiten der Diagnostik, Therapie, Rehabilitation und Prävention auf der einen und die demografischen Entwicklungen, der Wandel der Generationsbeziehungen, der Fachkräftemangel, die Zunahme an chronischen Erkrankungen und die steigenden Erwartungen an die Versorgungsqualität auf der anderen Seite stellen für Pflegefachpersonen eine Herausforderung dar [2].

Die Versorgungsqualität sollen zwei Formen der beruflichen Qualifizierung sichern: die generalistische Pflegeausbildung und ein primärqualifizierendes Pflegestudium. Die generalistische Pflegeausbildung bereitet Pflegefachpersonen darauf vor, nach erfolgreichem Abschluss eigenverantwortlich in verschiedenen Settings der Pflege arbeiten zu können. Somit können sie in Krankenhäusern, in stationären Pflegeeinrichtungen und in ambulanten Pflegeeinrichtungen arbeiten. Dabei übernehmen Pflegefachpersonen vorbehaltene pflegerische Aufgaben nach § 4 Pflegeberufegesetz: Sie erheben den individuellen Pflegebedarf, organisieren, gestalten und steuern den Pflegeprozess. Darüber hinaus analysieren, evaluieren und sichern sie die Entwicklung der Qualität der Pflege [3].

Studie und Herausforderungen

In Deutschland existieren bislang keine Studien, wie der Berufseinstieg im Rahmen der Einarbeitung nach der generalistischen Pflegeausbildung auf der Intensivsta­tion nachhaltig gelingen kann. Für ihre qualitative Studie führte die Autorin ein Fokusgruppeninterview mit Intensivpflegefachpersonen, insbesondere zu deren subjektiver Sichtweise und individuellem Erleben, um Herausforderungen für Berufsanfängerinnen und -anfänger im intensivpflegerischen Setting zu identifizieren.

Emotionen. Aus der Datenanalyse ging hervor, dass der Übergang von der Ausbildung auf die Intensivstation für generalistisch ausgebildete Pflegefachpersonen eine Herausforderung darstellt. Dabei bezeichneten die Teilnehmenden des Interviews den Übergang als „krassen Sprung“ und „Angstbarriere“. Die Aneignung neuen fachspezifischen Wissens und der einhergehende Lernprozess sind dabei für die Berufsanfänger bedeutend. Eine Studie zu den Herausforderungen des Berufseinstiegs bestätigte, dass Berufsanfänger in der Arbeit mit Intensivpatientinnen und -patienten mit Situationen konfrontiert sind, denen sie vorher noch nicht ausgesetzt waren, und stoßen an ihre Grenzen [4]. Diese Erkenntnis stimmt mit den Ergeb­nissen dieser Forschungsarbeit überein. Vor allem die Erfahrungen, die mit einer Emotionalität einhergehen – wie Umgang mit Tod und Sterben und Notfallsituationen –, sind dabei zu nennen.

Kommunikation. Besonders in Notfallsituationen ist es wichtig, schnell und sicher zu handeln. Die Kommunikation untereinander innerhalb einer herausfordernden und unerwarteten Situation kann dabei häufig „schroff“ wirken und dazu führen, dass sich Berufs­anfänger überfordert fühlen. So lautete eine Antwort im Interview:

„Wenn da gerade jemand ist, der reanimiert werden muss, dann muss es jetzt schnell gehen. Dann kann ich auch nicht darauf achten, wie mein Gegenüber sich gerade fühlt.“

Erwartungshaltung. Im Weiteren ging aus der Ana­lyse hervor, dass das Team Vorurteile gegenüber der generalistischen Ausbildung zeigt. Durch die bereits erfahrene Ablehnung der generalistisch ausgebildeten Pflegefachpersonen können sich Berufsanfänger nur schwer ins Team integrieren. Begründet wird dies dadurch, dass Pflegefachpersonen eine zu hohe Erwartungshaltung gegenüber Berufsanfängern haben. Es besteht eine Diskrepanz zwischen dem Erlernten und den Erwartungen. Eine interviewte Person gab an:

„Da sind auch wirklich pfiffige Leute bei, die sagen: ‚Ich bin bereit und ich möchte lernen. Ich stehe jetzt hier, aber das wurde mir nicht gezeigt in der Grundausbildung. Und ihr habt eine ganz andere Erwartung als das, was ich vielleicht auch mitbringe und leisten kann.‘“

Teamkultur. Kritisch anzumerken ist, dass nach vier Jahren der Einführung generalistischer Ausbildung allen Beteiligten bewusst sein sollte, dass sich das Berufsbild der Pflege verändert hat und somit auch der Schwerpunkt der Ausbildung. Die Teamkultur und die persönliche Sichtweise der Kolleginnen und Kollegen sind für den Berufseinstieg neuer Kollegen nach der generalistischen Ausbildung wichtig. Dazu gehört, dass das Team eine offene und unterstützende Haltung einnimmt und den jungen Kollegen Verständnis entgegenbringt. Das Wissen um und das Verständnis für die generalistische Ausbildung sind dabei Grundvoraussetzungen, um gemeinsam im Team eine positive Haltung zu entwickeln. Dieses ist durchaus vorhanden und wird kritisch reflektiert, wie eine Aussage zeigt:

„[…] aber wenn man auf ein Team stößt, was dann möglicherweise irgendwie nicht offen ist […].“

Einstellungen. Der Generationswechsel geht zudem mit unterschiedlichen Haltungen und Einstellungen einher, auch darin sehen die interviewten Intensivpflegefachpersonen eine Herausforderung, etwa mit der Generation Z. Es zeigt sich, dass es bedeutsam ist, sich mit den unterschiedlichen Generationen ausein­anderzusetzen, ein Bewusstsein für die Vielfalt zu schaffen und daraus zu lernen:

„Aber es geht heute auch nicht mehr alles so, wie es früher war. Also den richtigen Weg zu finden, das wäre jetzt die Herausforderung – das richtige Mittelmaß.“

Wichtig ist, ein gegenseitiges Verständnis aufzubauen und ein Umdenken im Team einzuleiten, um Potenziale, die diese Vielfalt bietet, auszuschöpfen. Die Generation-Thinking-Studie bestätigt zudem, dass es wichtig ist, anderen Generationen offen und vor­urteilsfrei zu begegnen und deren Perspek­tiven nicht zu bewerten, sondern ihnen Verständnis und Akzeptanz entgegenzubringen [5].

Generationenlernen. Die generalistische Pflegeausbildung benennt Kompetenzdimensionen, die die Absolventinnen und Absolventen erwerben sollen. Diese schließen unter anderem interkulturelle und kommunikative Kompetenzen mit ein [6]. Es ist davon auszugehen, dass Prinzipien von Offenheit, Akzeptanz und Verständnis gegenüber unterschiedlichen Generationen in der Ausbildung inkludiert sind, da diese Ausbildung darauf abzielt, Pflegefachpersonen auf eine vielfältige und sich verändernde Arbeitsumgebung vorzubereiten.

Daher ist eine Schulung der Mentorinnen und Mentoren sowie Praxisanleitenden wichtig, um neue Impulse für die Einarbeitung der Berufsanfänger zu erhalten. Ein Beispiel wäre das Generationenlernen, indem junge Berufsanfänger von den Erfahrungen älterer Kollegen profitieren und umgekehrt. Das Mentoring bietet einen wertvollen Ansatz, dass Erfahrungen, Werte und Wissen nicht verloren gehen, sondern an die nächste Generation weitergegeben werden.

Einarbeitung auf der Intensivstation

Ein Einarbeitungsprogramm für Berufsanfänger nach der generalistischen Pflegeausbildung sollte Inhalte des intensivpflegerischen Settings beinhalten. Nach Angaben der Teilnehmenden des Interviews durchlaufen die Berufsanfänger unterschiedliche Stufen – bezogen auf den Schweregrad der zu betreuenden Patienten. Dabei sollten Berufsanfänger zunächst Patienten auf der Intermediate Care Station (IMC) für zwei Monate betreuen und sich dann im Verlauf steigern bis zur finalen Betreuung eines Intensivpatienten. Auch der Betreuungsschlüssel sollte sich daran anpassen.

Kompetenzenerwerb. Die generalistische Pflegeausbildung ist auf den Erwerb von Kompetenzen ausge­richtet, dies ist im Rahmen der Einarbeitung zu berücksichtigen. Die Berufsanfänger haben dadurch die Möglichkeit, ihr erworbenes Wissen zu festigen und im Verlauf ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln. Die Kompetenzen entwickeln sich in der Praxis exemplarisch in konkreten Lernsituationen. Und diese beinhalten weitaus mehr als die „Vermittlung“ von Spezialwissen.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf den „vorbehaltenen Tätigkeiten“. Diese sind auf der Intensivstation von besonderer Bedeutung, da Pflegefachpersonen dort mit hochkomplexen und oft lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert sind, die ein hohes Maß an Fachkompetenz, klinischem Urteilsvermögen und interprofessioneller Zusammenarbeit erfordern. Die Vorbehaltsauf­gaben betreffen vor allem die selbstständige und eigenverantwortliche Übernahme pflegerischer Tätigkeiten.

Der Pflegeprozess auf der Intensivstation ist dynamisch, da sich der Zustand der Patienten jederzeit ändern kann. Die Generalisten lernen während ihrer Ausbildung, Verantwortung für die Steuerung des Pflegeprozesses zu übernehmen. Daran muss die Einarbeitung auf der Intensivstation anknüpfen; Berufsanfänger sind daher in alle pflegerischen Tätigkeiten mit einzubinden. Den Kompetenzerwerb sollten Mentoren und Praxisanleitende unterstützen und umsetzen. Berufsanfänger sollen demnach aktiv am Lernprozess teilnehmen, Informationen kritisch hinterfragen und neue Lösungen entwickeln.

Ressourcenplanung. Häufig führt die Einarbeitung zu einem „Missverständnis“, weil die oder der Einarbeitende infolge fehlender personeller Ressourcen mehr Patienten betreuen muss als eigentlich für die Einarbeitung vorgesehen waren. In der Folge werden freigestellte Praxisanleitende benötigt, die die Einarbeitung der Berufsanfänger begleiten. Somit ist die Einarbeitung aufgrund fehlender Ressourcen herausfordernd und überfordernd für die Einarbeitenden. Besonders dann, wenn die Einarbeitung zusätzlich zum Stationsalltag erfolgt:

„Also ich als Einarbeitende hätte gerne auf jeden Fall mehr Zeit dafür, also mehr Ressourcen, einfach, weil das geht dann nicht, dass ich eben drei Patienten mache und dann die Einarbeitung, weil dann habe ich vier Leute zu betreuen.“

Zum gleichen Ergebnis kam die Studie zu den Herausforderungen des Berufseinstiegs [4]. Ergänzt um die Erkenntnis, dass es den Einarbeitenden an Zeit fehlt, die Einarbeitung zu planen und vorzubereiten. Folglich erfolgen viele Einarbeitungen in zu kurzen Zeiträumen, fehlen Richtlinien für die Einarbeitung und Pflegestandards, sodass die Verantwortungsübernahme für Berufsanfänger und deren Handlungen eine zusätzliche Belastung für die Einarbeitenden darstellt.

Einarbeitungskonzept. Ein Einarbeitungskonzept gibt den Einarbeitenden und den Einzuarbeitenden die nötige Orientierung, Sicherheit und Struktur. Besonders in der Anfangszeit benötigen Berufsanfänger die Unterstützung des gesamten Teams – oder wie es eine interviewte Intensivpflegefachperson ausdrückte – die „Einbindung ins Team, was zur Willkommenskultur beiträgt“. Die Dauer der Einarbeitung von Berufsanfängern ist wichtig, um diese vor möglicher Überforderung zu schützen. Die Teilnehmenden empfinden eine dreimonatige Einarbeitung als zu kurz:

„Am besten wäre ein Jahr Einarbeitungszeit.“

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) empfiehlt eine Einarbeitungszeit von mindestens drei Monaten. Jedoch stellt dieser Wert eine Orientierung dar und variiert je nach Vorerfahrung und Versorgungsangebot der Intensivstation [7]. Dies impliziert ein individuelles Vorgehen im Rahmen der Einarbeitung und stellt zudem die Individualität der Berufsanfänger in den Vordergrund.

Für die Einarbeitung von Berufsanfängern gaben die Interviewteilnehmenden zusammenfassend folgende Impulse:

  • Betreuungsschlüssel 1:1 mit Mentor,
  • Intensivbasiskurs,
  • Einarbeitungskonzepte,
  • Praxisbegleitung,
  • verschiedene Übungsfelder,
  • Fort- und Weiterbildungen,
  • Pflegevisiten,
  • Feedbackgespräche,
  • Reflexionen,
  • Lernstandskontrolle und
  • eine einjährige Einarbeitungszeit.

Implikationen für die Praxis

Mentoring. Nach Abschluss der generalistischen Pflegeausbildung sollten Berufsanfänger die Möglichkeit haben, sich zu spezialisieren. Diese Spezialisierung sollte theoretische und praktische Elemente enthalten. Für den Berufseinstieg auf der Intensivstation sind Trainee- und Mentorenprogramme zu empfehlen. In einem Traineeprogramm lernen die Berufsanfänger innerhalb von zwölf Monaten unterschiedliche Bereiche und Schwerpunkte der Intensivpflege kennen.

Die Berufsanfänger benötigen in der gesamten Zeit einen festen Ansprechpartner, einen Mentor. Dafür sind Mentorenprogramme unerlässlich und ermöglichen so eine strukturierte Begleitung. Die Mentoren stehen als Ansprechpartner und Berater zur Seite. Besonders in der von Ängsten und Unsicherheiten geprägten Anfangszeit ist diese Begleitung essenziell. Sie vermittelt den Berufsanfängern Sicherheit und baut das nötige Vertrauen auf, das den Lernerfolg der Anfänger unterstützt. Der Mentor gibt sein Wissen und seine Erfahrungen an den Berufsanfänger im Arbeitsalltag weiter und unterstützt diesen zudem in der Entwicklung der beruflichen Identität und bei der Reflexion des eigenen beruflichen Handelns [8].

Anleitung. Des Weiteren sollten gezielte und geplante Anleitungssituationen an Patienten erfolgen. Praxisnahe Simulationen oder Trainingsmodule zu typischen Intensivpflegesituationen wie Notfallsituationen, Pflege von Patienten mit komplexen Krankheitsbildern und der Umgang mit spezialisierten Geräten helfen, Berufsanfänger in ihrer praktischen Handlungskompetenz zu stärken. Eine anschließende Reflexion, das kritische Hinterfragen des eigenen Handelns und das bewusste Wahrnehmen der eigenen Emotionen unterstützen Berufsanfänger in der Selbstständigkeit ihres Handelns.

Schulung. Neben den praktischen Inhalten und der Begleitung sollten Berufsanfänger auch theoretisches Wissen erlernen und erweitern. Dazu eignen sich in der Anfangszeit die von den Interviewteilnehmenden genannten Intensivbasiskurse, die sich in der Praxis mit Lerntagen ergänzen lassen.

Förderung. Ferner benötigen Berufsanfänger regelmäßiges Feedback und Reflexionen zu Kompetenzen und Lernerfolgen sowie konstruktive Kritik. Im Rahmen der Einarbeitung generalistisch ausgebildeter Pflegefachpersonen ist es zudem wichtig, dass Lern­erfahrungen und Kompetenzentwicklung zentrale Elemente darstellen. Daher empfiehlt es sich, ein Lernkonzept, das gezielte Lernerfahrungen und systematische Kompetenzentwicklung fördert, zu erarbeiten [9].

Lernhilfe. Die generalistische Ausbildung zielt darauf ab, dass der Lernende selbst für sein Lernen und Handeln verantwortlich ist. Dieses Lernverständnis gilt es, im Rahmen der Einarbeitung zu nutzen. Einzuarbeitende sind somit verantwortlich dafür, neues Wissen zu generieren und dieses in den Arbeitsprozess mit einfließen zu lassen, um die Versorgungsqualität der Patienten zu verbessern und zu sichern. Dieses handlungssituationsbezogene Lernen und die ergänzende Reflexion dessen ermöglichen einen Transfer des erarbeiteten Wissens von der Theorie in die Praxis. Folglich erscheint es wichtig, digitale Lernplattformen und Medien zu integrieren. Diese ermöglichen es den Einzuarbeitenden, Wissen zu generieren, und schaffen einen Anreiz für selbstständiges Lernen [10].

Rollenverständnis. Für eine strukturierte Einarbeitung von Berufsanfängern nach der generalistischen Pflegeausbildung auf der Intensivstation sind zudem klare Zuständigkeiten und Aufgaben festzulegen. Dabei sind die Rollen der Führungspersonen, der Praxisanleitenden, der Mentoren zu berücksichtigen. Dies ist essenziell, damit Berufsanfänger ihre eigene Rolle wahrnehmen und handlungsfähig sein können.

Unterstützung. Die Haltung des Teams ist zentral für die erfolgreiche Einarbeitung neuer Mitarbeitender. Ein unterstützendes und offenes Teamumfeld fördert das Vertrauen, die Motivation und die Lernbereitschaft der Berufsanfänger. Über Hilfsbereitschaft, Geduld und aktive Integration kann das Team die Berufsanfänger dabei unterstützen, ihre Rolle als Pflegefachpersonen wahrzunehmen.

Fachweiterbildung. Der Blick sollte auf die Weiterentwicklung der Weiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflegefachperson gerichtet sein – unter Berücksichtigung der Inhalte der generalistischen Pflegeausbildung. Aufgrund der unterschiedlichen Empfehlungen, Richtlinien und Anerkennungen in den Bundesländern ergibt sich eine Heterogenität in der Bildungslandschaft. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat bereits im Juli 2023 eine überarbeitete Empfehlung für die pflegerischen Fachweiterbildungen herausgebracht und dabei die generalistische Pflegeausbildung berücksichtigt. Diese Empfehlungen, die jedoch nicht in allen Bundesländern umgesetzt werden, regeln unter anderem die Zulassungsvoraussetzungen, die Dauer und die Ziele sowie die Struktur der Weiterbildung mit einem theoretischen und einem praktischen Teil. Das „Blended Learning“ unterstützt das selbstständige und selbstbestimmte Lernen der Absolventen, indem es verschiedene Lernformen wie Präsenz- und E-Learning miteinander verbindet [11].

Wichtige Impulse in diesen Empfehlungen für die Umstrukturierung und Weiterentwicklung der Fachweiterbildung sind, Lehr- und Lernmethoden zu implementieren, die bereits in der Generalistik gelebt und umgesetzt werden. Die Verbindung von theore­tischen und praktischen Inhalten gelingt beispiels­weise durch Simulationen oder handlungsorientiertes Lernen. Dies fördert die Anwendung theoretischer Kenntnisse in realistischen Situationen und bereitet Teilnehmende von Fachweiterbildungen optimal auf die komplexen und dynamischen Anforderungen in der Intensivpflege vor. Eine Anpassung der Fachweiterbildung sollte eine stärkere Praxisorientierung beinhalten, um den angehenden Pflegefachpersonen die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten in realen Situationen zu erproben und weiterzuentwickeln.

Des Weiteren sind kommunikative und soziale Kompetenzen zu fördern. Dieses verbessert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und ist für die Intensivpflege von großer Bedeutung, um ein ganzheitliches Verständnis für die Patientenversorgung zu entwickeln. Die Weiterentwicklung der Fachweiterbildung unter Berücksichtigung der generalistischen Ausbildung stellt einen wichtigen Schritt dar, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden und die Qualität der Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern.

Mehr Ressourcen für die Einarbeitung

Für den Berufseinstieg und die Einarbeitung von Berufsanfängern auf der Intensivstation ist ein strukturiertes und umfassendes Einarbeitungskonzept unerlässlich. Anhand der Ergebnisse dieser Studie lassen sich Empfehlungen für die Praxis aussprechen, die einen Berufseinstieg auf der Intensivstation ermöglichen und als Grundlage für die künftige Entwicklung der Einarbeitung für Pflegefachpersonen auf der Intensivstation und somit der Intensivpflege dienen können. Dazu gehören beispielsweise Mentorenprogramme und die Weiterentwicklung der Weiterbildung Intensiv- und Anästhesiepflegefachperson.

Der Einsatz auf der Intensivstation ist im Rahmen der dreijährigen generalistischen Ausbildung kein Pflichteinsatz. Daraus lässt sich ableiten, dass Berufsanfänger unterschiedliche Kompetenzen und Vorerfahrungen mitbringen.

Unterschiedliche Generationen bringen eine Vielfalt an Perspektiven, Erfahrungen und Arbeitsstilen mit sich. Die Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass Ressourcen für eine strukturierte, individuelle und erfolgreiche Einarbeitung von Berufsanfängern auf der Intensivstation bereitzustellen sind. Eine solche Einarbeitung ermöglicht es den Berufsanfängern, sich in die Rolle als Pflegefachperson einzufinden, Sicherheit im Umgang mit kritisch kranken Menschen zu gewinnen und effektiv im Team zu arbeiten. Dies führt zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, zu Sicherung und Optimierung der Versorgungsqualität sowie zu einer stabileren Teamstruktur. All das wiederum steigert die Attraktivität des Berufsbilds und bindet somit nachhaltig qualifiziertes Pflegefachpersonal in der Intensivpflege.

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

[1] Müller-Wolf T et al. fünf Expertenthesen zur Intensivpflege (2019). Im Internet: 190919-divi-fuenf-expertenthesen-intensivpflege

[2] Reiber K Die neuen Formen der pflegeberuflichen Bildung im Spiegel zukünftiger Herausforderungen. Berufsbildung und Wissenschaft 2017 (1): 11

[3] Bundesministerium für Gesundheit (Hrsg.). Pflegefachperson (2024). Im Internet www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/ gesundheitswesen/gesundheitsberufe/pflegefachperson; Zugriff: 21.10.2024

[4] Vehlow B. Da kommt was auf Sie zu. Intensivpflege 2017 (1): 20–24

[5] Maas R. Ergebnisse der Generation-Thinking-Studie. 2., aktual. u. erw. Aufl. München: Carl Hanser Verlag; 2023

[6] Jürgensen A, Dauer B. Handreichung für die Pflegeausbildung am Lernort Praxis. Bonn: Barbara Budrich Verlag; 2021

[7] Josuttis D et al. Einarbeitung in der Intensivmedizin. Interdisziplinäres und multiprofessionelles Positionspapier der DIVI unter Federführung der Jungen DIVI. Dtsch Med Wochenschr 2024; 149: 1287–1293. Im Internet: www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-2381-5424.pdf

[8] Engelhardt-Pfister S. Neue Mitarbeiter erfolgreich einarbeiten. 4., aktual. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer; 2021

[9] Fischer D. Wissen weitergeben. PflegenIntensiv 2024 (1): 44–46

[10] Keck M, März T. Einarbeitung durch Management, Pädagogik und Pflegewissenschaft. CNE Fortbildung 2024 (2): 2–16

[11] Deutsche Krankenhausgesellschaft. DKG-Empfehlung zur Weiterbildung Intermediate Care Pflege vom 03.07./04.07.2023. Im Internet: www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/2_Themen/2.5._Personal_und_Weiterbildung/2.5.11._Aus-_und_Weiterbildung_ von_Pflegeberufen/IMC/Downloads_ab_04.07.2023/DKG- Empfehlung_Weiterbildung_IMC.pdf

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