Im Verbund der Knappschaft Kliniken dient ein PflegeFlex-Pool dazu, Personalengpässen kurzfristig zu begegnen und dabei auf Personal aus der Arbeitnehmerüberlassung zu verzichten. Das Konzept entspricht einer verbundeigenen „Verleihfirma“ mit eigens dafür eingestellten Mitarbeitern.
Im Ruhrgebiet herrscht aufgrund der großen Krankenhausdichte eine hohe Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere um dringend benötigtes Personal für die Intensivpflege und die OP-Bereiche. Der Mangel an Fachpersonal führte im Verbund der Knappschaft Kliniken in der Vergangenheit regelmäßig zu Arbeitsüberlastungsspitzen. Denn um keine Betten zu schließen, musste die Pflegedienstleitung immer wieder Mitarbeitende bitten, ihre Freizeit gegen den Dienst einzutauschen. Neben nicht ausreichend besetzten Stellenplänen auf Intensivstationen und in der OP-Pflege kamen regelmäßig kurzfristige, nicht planbare Personalausfälle hinzu.
Mit Prämien für den Freizeitverzicht der Mitarbeitenden waren Engpässe zwar eine Zeit lang zu kompensieren, doch auf Dauer geht ein solches Modell zulasten der Mitarbeiterbindung. Denn für das Pflegepersonal stellen Dienstplansicherheit und damit auch garantierte Freizeit einen sehr hohen Motivationsfaktor dar. Um die Ausfälle abzufedern, kamen Mitarbeitende aus der Arbeitnehmerüberlassung zum Einsatz. Dies war nicht nur eine weitere Belastung des Stammpersonals, daraus erwuchsen zudem extrem hohe Leiharbeitskosten.
Eine Konzept für alle Kliniken
Um die Betriebssicherheit der Intensivstationen und Operationssäle im Verbund sicherstellen zu können, entwickelte die Knappschaft Kliniken Solution GmbH für die Verbundkliniken das Programm PflegeFlex. Als Teil des Verbundes der Knappschaft Kliniken, einem der größten Krankenhausverbünde Deutschlands in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft, umfasst das Kerngeschäft der Knappschaft Kliniken Solution GmbH unter anderem das Zentrale Marketing, das Servicecenter Personal, die Bereitstellung der benötigten IT-Infrastruktur, die Koordination des Geschäftsbereichs Einkauf & Logistik sowie dem zentralen PflegeFlex-Pool.
2023 startete der PflegeFlex-Pool in den Kliniken im Ruhrgebiet: im Klinikum Westfalen, Klinikum Vest, Knappschaftskrankenhaus Bottrop, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Bergmannsheil und Kinderklinik Buer. PflegeFlex zielt darauf ab, der zunehmenden Unzufriedenheit innerhalb der Pflegeberufe entgegenzuwirken und ein attraktives Angebot für Pflegekräfte in den Bereichen Intensiv- und OP-Pflege zu schaffen.
Der Pool speist sich überwiegend aus extern angeworbenem Pflegepersonal mit mindestens zwei Jahren Intensivstationserfahrung oder aus Operationstechnischen Assistenten mit einem Jahr Erfahrung im OP-Bereich. Eine umfassende Einarbeitung ist ein weiterer Baustein für zufriedene und motivierte Mitarbeiter. Darüber hinaus soll der Pool Mitarbeitenden aus den Kliniken, die zum Beispiel einen Jobwechsel anstreben, eine Bleibeperspektive bieten. Tatsächlich überwiegt die Zahl der externen die der internen Bewerbungen deutlich. Eine durchaus befürchtete Abwerbung von Mitarbeitenden aus den Kliniken durch das eigene Konzept blieb somit aus.
Flexible Einsatzmöglichkeiten
Das Konzept unterstützt und ergänzt das Ausfallmanagement, um Kapazitätsengpässe zu mildern und zu kompensieren. Ziel war und ist es, die Betriebssicherheit zu erhöhen und weder OP-Säle noch Intensivbetten schließen zu müssen. Dies alles setzt eine räumliche Flexibilität der Mitarbeitenden des PflegeFlex-Pools voraus. Dank dieser flexiblen Einsatzmöglichkeiten des PflegeFlex-Teams lassen sich kurzfristige Personalausfälle abfedern.
Als Dankeschön für ihre Flexibilität erhalten die Pool-Mitarbeitenden eine Vergütung eine Entgeltgruppe über der tariflichen Eingruppierung. Ergänzend können sie sich über Benefits wie einen Dienstwagen, Tankkarten, iPhone und iPad für die dienstliche und private Nutzung freuen. Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten können sie wahrnehmen und optional haben sie die Möglichkeit der Anstellung in einem Vier-Tage-Wochen-Konzept. PflegeFlex ermöglicht ihnen einen individuellen Wunschdienstplan und fördert damit die Work-Life-Balance. Dies trägt langfristig zur Mitarbeiterzufriedenheit, zur Identifikation mit den Knappschaft Kliniken und zur Qualität der Pflege bei.
Drei Fragen an ...
Lara Farwick, Pflegefachfrau Intensivpflege und Anästhesie, seit Anfang 2024 Teil des PflegeFlex-Teams.
1) Was zeichnet PflegeFlex aus und warum hast du dich für das Konzept entschieden?
Wir gehören zwar zu einem festen Klinikverbund, aber sind als Pflegekräfte doch sehr flexibel innerhalb des Verbunds unterwegs, da wir diverse Krankenhäuser und die Intensivstation oder den OP unterstützen. Wir haben den Luxus, unsere Dienste selbstständig zu planen und somit eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erfahren. Trotzdem fühlen wir uns betriebsangehörig. Persönlich bietet mir PflegeFlex nur Vorteile.
2) Wie erklärst du Freunden und Familie das Konzept des verbundweiten Pflegepools?
Ich gehöre zu den Knappschaft Kliniken, aber arbeite in einem Pool, der es mir ermöglicht, in allen Krankenhäusern mal zu arbeiten, und unterstütze dort, wo ich gebraucht werde.
3) Welche spezifischen Eigenschaften und Qualitäten sollten Mitarbeitende im PflegeFlex-Team mitbringen?
Sie sollten hinsichtlich der Arbeit im PflegeFlex, so wie der Name es schon beschreibt, flexibel sein. Es gehört viel Bereitschaft dazu, sich immer wieder auf neue Krankenhäuser, neue Teams, andere Standards und Abläufe einzulassen. Wenn man jedoch offen ist und gern auch mal einen Schritt auf andere Menschen zugeht, kann man unheimlich viel lernen und Spaß in diesem Job haben. Außerdem sollte man schon eine gewisse Zeit in diesem Beruf gearbeitet haben, um zu wissen, wie die eigenen Kompetenzen gestellt sind, und einfach ein bisschen was an Erfahrung mitzubringen.
Positives Feedback
Im Rahmen der Wirtschaftsplanung sollten zunächst 30 Pflegekräfte für den Pool gewonnen werden. Dieses Ziel ist ein Jahr nach dem Start im April 2023 erreicht. Kontinuierlich gehen Anfragen und Bewerbungen ein, durchschnittlich werden derzeit zwei bis drei Vorstellungsgespräche pro Woche geführt. Auffällig ist, dass insbesondere in der Leiharbeit tätige Pflegende Interesse an dem Konzept zeigen. Für im Pflege-Flex Beschäftigte zahlen die Knappschaft Kliniken rund 1.500 bis 2.000 Euro weniger als für Beschäftigte aus der Arbeitnehmerüberlassung.
Die bisherige Evaluation hat eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit unter den Pflege-Flex-Beschäftigten ergeben. Auch die anfängliche Skepsis des Stammpersonals in den Kliniken und die befürchtete Konkurrenz sind inzwischen einem guten Miteinander gewichen. Die Wertschätzung und die Dankbarkeit für die Unterstützung sind in Abteilungen sehr hoch und die Aufnahme in den Teams funktioniert zunehmend besser.
Ein weiterer Ausbau des PflegeFlex-Pools ist von den Kliniken gewünscht, um die Häuser unabhängiger zu machen vom Markt der Arbeitnehmerüberlassung.