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Positionspapier

Wissenschaftsrat: Pflege soll stärker präventiv arbeiten

Mehr Prävention im Gesundheitssystem bedeutet nach Einschätzung des Wissenschaftsrats auch neue Rollen und erweiterte Kompetenzen für die Pflege.

Der Wissenschaftsrat hat Ende Januar sein aktuelles Positionspapier "Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft" verabschiedet. Die Autorinnen und Autoren fordern darin einen grundlegenden gesundheitsorientierten Kulturwandel, damit "Prävention und Gesundheitsförderung zentrale Säulen des Gesundheitssystems" werden und die Pflege zusätzliche präventive Aufgaben, Rollen und Kompetenzen erhält.

Neue Rollen in der Prävention

Das Papier beschreibt eine zunehmende Belastung des Gesundheitssystems durch demografische Veränderungen, "steigende umweltbedingte Gesundheitsgefahren" sowie eine "Zunahme von chronischen nichtübertragbaren Erkrankungen" und betont, dass diese Entwicklung "den dort schon vorherrschenden Fachkräftemangel" in der Pflege weiter verstärkt. Laut Wissenschaftsrat steigt der Pflegebedarf, während gleichzeitig immer mehr Pflegefachpersonen fehlen – ein Zusammenspiel, das das System "unter wachsenden Druck" setze.

Prävention beschreibt der Wissenschaftsrat im Positionspapier als "Teamsport" und als "Chance für Fachkräfte". Für "akademisch qualifizierte Gesundheitsfachberufe" würden sich Möglichkeiten eröffnen, "eigenständige Berufsfelder zu etablieren", die das Versorgungssystem sinnvoll ergänzten.

Als zentrales Beispiel nennt das Papier das Berufsbild der Community Health Nurse (CHN), die als kommunale Ansprechperson für gesundheitliche und pflegerische Anliegen fungiere. CHNs könnten "Vorsorge- und Versorgungslücken frühzeitig erkennen und schließen" und damit zu einer nachhaltigeren Versorgung beitragen.

Beispielhaft verweist der Wissenschaftsrat auf internationale Präventionsrollen wie die Public Health Nurses in Finnland, die als "Experts in promotion and prevention" gelten, Menschen über den gesamten Lebensverlauf hinweg begleiten und hohes Vertrauen genießen.

 

Was ist der Wissenschaftsrat?

Der Wissenschaftsrat ist ein wissenschaftspolitisches Beratungsgremium in Deutschland. Er berät Bund und Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung des Hochschulsystems sowie der staatlichen Förderung von Forschungseinrichtungen. 

Die Professorin für Pflegewissenschaft und Dekanin der Fakultät Gesundheit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Uta Gaidys, wurde 2021 als erste Pflegefachperson in den Wissenschaftsrat berufen. Seit dem 1. Februar 2026 gehört sie dem Vorstand des Wissenschaftsrats an.

Wissenschaft und Hochschulen

Der Wissenschaftsrat fordert, dass Präventionsforschung "interdisziplinär und interprofessionell" angelegt sein müsse. Die Gesundheitswissenschaften, darunter die Pflegewissenschaft, sind im Positionspapier als zentrale Disziplinen genannt, um fördernde und hemmende Faktoren in der Umsetzung präventiver Maßnahmen zu identifizieren. Geplante interdisziplinäre Präventionszentren an Hochschulen sollen den Austausch zwischen Medizin, Gesundheitswissenschaften, Psychologie sowie Sozial‑ und Verhaltenswissenschaften stärken.

Zugleich könnten diese Zentren an universitätsmedizinischen Standorten die regionale Versorgung evidenzbasiert begleiten und unterstützen – "im Sinne der 'vierten Säule'", also zusätzlich zu den drei klassischen Aufgaben der Universitätsmedizin: Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Die "vierte Säule" umfasst laut Wissenschaftsrat system- und zukunftsorientierte Aufgaben wie regionale Gesundheitsentwicklung, Koordination, Vernetzung und wissenschaftsbasierte Steuerung.

Kompetenzen für die Pflege

Für die pflegerische Ausbildung empfiehlt der Wissenschaftsrat eine "Stärkung einer präventionsorientierten Haltung in der Professionsausübung" sowie eine Vertiefung von Lehrinhalten zur "Gesundheitsförderung sowie zur gesundheitsbezogenen Kommunikation". Darüber hinaus sollten "Fortbildungen bzw. Weiterbildungsmodule" entwickelt werden, um die Präventionskompetenzen der Gesundheitsfachberufe systematisch zu erweitern. Die Akademisierung dieser Berufe wird ausdrücklich als Chance beschrieben, eine stärkere gesundheitsorientierte Versorgung zu etablieren.

Um strukturelle Hindernisse bei der Umsetzung präventiver Maßnahmen zu verringern, fordert der Wissenschaftsrat, den Öffentlichen Gesundheitsdienst wissenschaftlich zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Versorgungspraxis – ausdrücklich einschließlich der Pflege – auszubauen. Präventionsmaßnahmen müssten dauerhaft evaluiert, weiterentwickelt oder gegebenenfalls auch de‑implementiert werden.

 

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