HIV/Aids ist in der Pflegeausbildung meist ein Randthema. Dabei führen Unwissenheit und Vorurteile zu Diskriminierung – ausgerechnet im Gesundheitswesen. Warum Aufklärung dringend wieder gestärkt werden muss, argumentiert Pflegepädagoge Marcel Malcherowitz.
Wissen über HIV/Aids ist bis heute nicht verbindlich in den Lehrplänen vieler Ausbildungsstätten verankert. In vielen Pflegeschulen spielt das Thema keine Rolle. Diese Lücke hat spürbare Folgen – nicht nur für die fachliche Kompetenz angehender Pflegefachpersonen, sondern auch für den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit HIV.
Nichtwissen begünstigt Vorurteile
Besonders besorgniserregend ist, dass die Diskriminierung von Menschen mit HIV/Aids zunimmt. Paradoxerweise geschieht sie häufig genau dort, wo sie am wenigsten vorkommen dürfte: im Gesundheitswesen. Studien belegen, dass Menschen mit HIV/Aids noch immer Vorurteilen, Unsicherheiten und teilweise auch ablehnendem Verhalten begegnen – ausgerechnet in medizinischen Einrichtungen, die eigentlich Orte der Fürsorge und Professionalität sein sollten.
Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Wissensverlust in der Bevölkerung, insbesondere bei jüngeren Menschen. Viele Pflege-Auszubildende sind nur unzureichend über HIV informiert. So hält sich etwa hartnäckig der Irrglaube, eine Ansteckung könne beim Zahnarztbesuch erfolgen. Solche Fehlannahmen verdeutlichen, wie wenig die tatsächlichen Übertragungswege bekannt sind. Unwissenheit führt jedoch nicht nur zu falschen Einschätzungen, sondern auch zu Unsicherheit und unbegründeten Ängsten – und begünstigt damit wiederum Stigmatisierung.
Aufklärung über HIV bleibt zentraler Baustein
Umso wichtiger ist es, HIV-Prävention und Aufklärung wieder stärker in die Ausbildung und schulische Bildung zu integrieren. Fundiertes Wissen schützt nicht nur vor einer Infektion, sondern auch vor Vorurteilen. Aufklärung ist und bleibt ein zentraler Baustein im Kampf gegen Diskriminierung und für einen respektvollen Umgang im Gesundheitswesen sowie in der Gesellschaft insgesamt. HIV darf nicht vergessen werden.
Ich persönlich binde HIV aufgrund der didaktischen Freiheit des Curriculums in das Thema „Infektionskrankheiten“ ein und verbinde dies oft mit einer Exkursion zur Aidshilfe Bochum.
Inhaltlich sollten in der Pflegeausbildung vor allem die grundlegenden, gesicherten Kenntnisse zu HIV und Aids vermittelt werden:
- HIV bedeutet „Human Immunodeficiency Virus“. Das Virus greift wichtige Zellen des Immunsystems an und macht den Körper anfällig für Erkrankungen, die bei gesunden Menschen meist harmlos sind. Ohne Behandlung kann eine HIV-Infektion zu Aids führen – dem „Acquired Immunodeficiency Syndrome“ (erworbenes Immunschwächesyndrom). Menschen mit Aids leiden häufig unter schweren Infektionen wie Lungenentzündungen oder Pilzerkrankungen. Die Krankheit wurde erstmals 1981 beschrieben.
- Übertragbar ist HIV über Blut, Sperma, Vaginalsekret und Muttermilch, nicht aber durch alltägliche Kontakte, Händeschütteln, Küssen sowie Kontakt mit Ausscheidungen und Schweiß. Zu den wichtigsten Schutzmöglichkeiten zählen Kondome, die PrEP (Präexpositionsprophylaxe) und im Notfall die PEP (Postexpositionsprophylaxe).
- HIV ist heute medikamentös gut behandelbar und die Betroffenen können ein weitgehend uneingeschränktes Leben mit hoher Lebenserwartung führen. Unter erfolgreicher Therapie sinkt die Viruslast oft unter den nichtnachweisbaren Bereich – die Infektion ist dann sexuell nicht übertragbar.