Pflegefachpersonen entwickeln durch ein Virtual-Reality-Training (VR) zum Delirmanagement mehr Empathie für Intensivpatientinnen und -patienten als durch eine klassische Schulung. Das zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) mit 18 Pflegefachpersonen aus der stationären Versorgung.
Die Teilnehmenden durchliefen im Rahmen einer prospektiven Crossover-Studie sowohl ein VR-basiertes Delirtraining als auch eine konventionelle Schulung. Ziel war es zu untersuchen, ob die immersive Methode Wissen und Empathie stärker fördert als ein klassischer Vortrag.
Delirerleben aus Patientensicht
Im VR-Training erlebten die Pflegefachpersonen mithilfe von VR-Brillen eine Delirepisode aus der Perspektive eines beatmeten Intensivpatienten. Simuliert wurden Halluzinationen, Ängste und Kommunikationsprobleme auf Grundlage früherer Patientenberichte. Ein weiteres Modul zeigte die Situation aus Sicht der Pflegefachperson und vermittelte Strategien zur Delirprävention, zum Assessment und zur Behandlung.
Die Vergleichsgruppe erhielt eine konventionelle Schulung mit Inhalten zu Delir, Assessment-Instrumenten sowie pflegerischen Maßnahmen.
Signifikanter Anstieg der Empathie
Laut den Studienergebnissen stieg die Empathie nach dem VR-Training signifikant stärker an als nach der klassischen Schulung. Der Effekt zeigte sich unabhängig von der Reihenfolge der beiden Lernformate. Nach Abschluss beider Schulungen erreichten die Teilnehmenden vergleichbare Empathiewerte.
Auch das Wissen über Delir nahm insgesamt zu. Ein eindeutiger Vorteil der VR-Methode gegenüber der konventionellen Schulung ließ sich jedoch nicht nachweisen. Die Forschenden beobachteten allerdings einen stärkeren Wissenszuwachs, wenn die VR-Einheit vor der klassischen Wissensvermittlung erfolgte.
Kombination beider Formate empfohlen
Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren eignet sich Virtual Reality insbesondere zur Förderung emotionaler Kompetenzen und zum Perspektivwechsel. Klassische Schulungen hätten dagegen Stärken bei der strukturierten Wissensvermittlung.
Die Studie weist zugleich auf Einschränkungen hin. Mit 18 Teilnehmenden ist die Stichprobe klein, zudem wurden keine Langzeiteffekte untersucht. Offen bleibt daher, wie dauerhaft die beobachteten Veränderungen sind. Auch mögliche Belastungen durch die Technik, etwa Cybersickness, könnten die Ergebnisse beeinflusst haben.
Den Ergebnissen zufolge könnte die Kombination aus VR-Training und konventioneller Schulung im Delirmanagement den größten Lerneffekt erzielen, indem sie emotionales Erleben mit fachlichem Wissen verbindet.