Der Schweizer Pflegerat hat sich konstituiert und erstmals getagt. Damit verfügt die Pflege in der Schweiz nun über ein gemeinsames politisches Gremium auf nationaler Ebene.
Das Gremium fungiert als Vorstand von "alliance care", einem Dachverband, der bereits 2025 von mehreren Pflegeorganisationen gegründet wurde. Ziel des Verbands ist, "stabile Strukturen für eine hohe Qualität und Verfügbarkeit von Pflege auf allen Stufen" zu schaffen.
Der Schweizer Pflegerat koordiniert und vernetzt nach eigenen Angaben die Pflege auf nationaler Ebene, stärkt die Zusammenarbeit in der Branche und vertritt deren Interessen gegenüber der Politik.
Vorstandswahlen
In einem LinkedIn-Post von Sonntag hob "alliance care" die erste Sitzung als wichtigen Schritt hervor: Die Pflegenden in der Schweiz erhielten nun "eine nationale Stimme". Die bisherige Präsidentin von "alliance care", Sophie Ley, wurde als Präsidentin bestätigt und übernimmt damit nun auch den Vorsitz im Pflegerat. Mirjam Fässler-Fluri wählten die Deligierten zu ihrer Vizepräsidentin.
"Mit dem Schweizer Pflegerat spricht die Pflege künftig mit einer geeinten und starken Stimme", sagte Vizepräsidentin Fässler-Fluri in der Vorwoche. "Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um die Anliegen der Pflege sichtbarer zu machen und die Zukunft des Gesundheitswesens aktiv mitzugestalten."
Hintergrund: wachsender politischer Druck
Die Gründung ist Teil einer längeren Entwicklung in der Schweiz. Bereits 2025 hatten Pflegeorganisationen mit "alliance care" erstmals eine gemeinsame Struktur geschaffen. Ziel war es, die politische Schlagkraft der Pflege zu erhöhen und die Zersplitterung der Interessenvertretung zu überwinden.
Die Bündelung erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Probleme im System: Personalmangel, Arbeitsbelastung und ungelöste Fragen bei der Umsetzung der Pflegeinitiative sorgen weiterhin für Kritik. Noch Anfang 2026 hatte "alliance care" dem Schweizer Bund vorgeworfen, zentrale Anliegen der Initiative nur unzureichend umzusetzen.
Teilnahme am "Care-Streik" beschlossen
Parallel zur Gründung hat "alliance care" beschlossen, sich am nationalen "Care-Streik" am 14. Juni 2027 in der Schweiz zu beteiligen.
Der Aktionstag soll auf bestehende Missstände aufmerksam machen, darunter Arbeitsbedingungen und Fachkräftemangel. Eine Arbeitsniederlegung ist laut Mitteilung nicht vorgesehen.
Der Streik soll die Forderung nach besseren politischen Rahmenbedingungen sichtbarer machen – auch fünf Jahre nach Annahme der Pflegeinitiative.