Immer mehr Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, darunter auch jüngere Erwachsene und Kinder. Das geht aus dem neuen "Report Pflegebedürftigkeit" des Medizinischen Dienstes Bund hervor, der auf mehr als drei Millionen Pflegebegutachtungen aus dem Jahr 2025 basiert.
Neun von zehn Pflegebedürftigen lebten demnach 2025 in der eigenen Häuslichkeit. Mehr als die Hälfte der Antragstellenden organisierte ihre Versorgung ausschließlich mit Pflegegeld und ohne Unterstützung eines professionellen Pflegedienstes. 59,6 Prozent beantragten Pflegegeld, 11,2 Prozent ambulante Sachleistungen und 19,3 Prozent eine Kombination aus beiden Leistungsarten. Vollstationäre Pflege beantragten 9,4 Prozent.
Pflege findet überwiegend zu Hause statt
Der Report zeigt, dass die Versorgung pflegebedürftiger Menschen weiterhin überwiegend durch An- und Zugehörige geleistet wird. Gleichzeitig nahm die Zahl der Menschen zu, die ihre Versorgung ohne professionelle Unterstützung organisieren.
Bei Erstbegutachtungen empfahlen die Gutachterinnen und Gutachter am häufigsten Pflegegrad 2 (34,5 Prozent). Pflegegrad 1 erhielten 29 Prozent der Antragstellenden. Bei 21,3 Prozent wurde zum Zeitpunkt der Begutachtung kein Pflegegrad festgestellt.
Frauen und Männer lebten ähnlich häufig zu Hause. Unterschiede zeigten sich jedoch beim Alleinleben: 44,1 Prozent der pflegebedürftigen Frauen lebten allein, bei Männern lag der Anteil bei 26,1 Prozent.
Deutlicher Anstieg bei jüngeren Menschen
Besonders stark stieg die Zahl neuer Pflegebedürftiger in jüngeren Altersgruppen. Bei den 18- bis 59-Jährigen sowie den 60- bis 69-Jährigen erhöhte sich die Zahl in den vergangenen Jahren um mehr als 150 Prozent.
Als Grund nennt der Medizinische Dienst unter anderem die seit 2017 geltenden Begutachtungsregeln, nach denen kognitive, psychische und psychiatrische Beeinträchtigungen stärker berücksichtigt werden.
Auch bei Kindern und Jugendlichen nahm die Zahl der Begutachtungen deutlich zu. Sie stieg von rund 53.000 im Jahr 2015 auf etwa 190.000 im Jahr 2025. Häufige Ursachen für Pflegebedürftigkeit waren laut Report hyperkinetische Störungen wie Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) sowie andere Entwicklungsstörungen.
Gutachter empfehlen häufig Prävention und Hilfsmittel
Der Medizinische Dienst verweist zudem auf die Bedeutung präventiver Maßnahmen. Acht von zehn Versicherten erhielten bei der Erstbegutachtung Empfehlungen, um Selbstständigkeit zu erhalten oder Verschlechterungen vorzubeugen.
Empfohlen wurden unter anderem Physiotherapie (37,5 Prozent) und Ergotherapie (34,0 Prozent). Zudem erhielten 43,6 Prozent der Antragstellenden Empfehlungen für Hilfsmittel, etwa Gehhilfen oder Dusch- und Badehilfen.