• News
Internationaler Tag der Pflegenden

Politik fehlt Vision für die Zukunft der Profession Pflege

Der Internationale Tag der Pflegenden am 12. Mai steht in diesem Jahr unter dem Motto "Nurses: A Voice to Lead – A Vision for Future Healthcare". Für eine gute Gesundheitsversorgung ist eine starke Pflege unerlässlich.

Allerdings: Die Politik fasst die seit Langem bekannten Herausforderungen in der Pflege – z. B. bessere Bezahlung, mehr Personal, mehr Mitspracherecht – nur ansatzweise und in Stückwerken an, wirklich große Reformen fehlen. Darin ist sich die Profession Pflege am Aktionstag einig.

Zahlreiche Kampagnen, Aktionen und Kundgebungen von Pflegekammern, Pflegeverbänden sowie Unterstützerinnen und Unterstützern professionell Pflegender sorgen bundesweit dafür, das am Aktionstag die Bevölkerung nicht umhin kann, die besondere Bedeutung von Pflegefachpersonen für die Gesellschaft wahrzunehmen.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, kündigte am Dienstag an, in der kommenden Woche konkrete Vorschläge vorlegen zu wollen, wie auch künftig die Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf gewährleistet werden könne.

"Es muss uns gelingen, schnellstmöglich Veränderungen im Pflegesystem herbeizuführen. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für professionell Pflegende und eine stärkere Entlastung der pflegenden Angehörigen."

Der Präsident des Deutschen Pflegerats (DPR), Franz Wagner, betonte:

"Nur mit der Stimme und dem Beitrag der Pflegenden kann die Zukunft der pflegerischen Versorgung gestaltet und gesichert werden."

Seit über einem Jahr seien Pflegefachpersonen in allen Sektoren bis an und teilweise über den Rand ihrer Kräfte belastet. Das verdiene "ungeheuren Respekt".

"Aber wir werden dafür einen hohen Preis zu bezahlen haben. Dieser ist die Gesundheit der Pflegenden."

Gedenken an verstorbene Pflegende weltweit

Gleichzeitig gedenkt Wagner allen Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und weltweit, die durch ihre Arbeit an COVID-19 erkrankt und verstorben sind. Es sei die Erinnerung an sie, "die uns in unserem Auftrag bestärkt, uns für deutliche und nachhaltige Verbesserungen der Arbeit von Pflegefachpersonen einzusetzen".

Der Politik fehle die klare Vision für die Zukunft der Profession Pflege. Viele gute Chancen zur Verbesserung der Situation der Pflegenden seien in den vergangenen beiden Jahrzehnten versäumt worden umzusetzen. Das habe das Ausmaß der Aufgaben, vor denen die Regierungen im Bund, aber auch in den Ländern nun stünden, dramatisch verschärft.

Pflegende müssen gemeinsam ihre Stimme erheben

Auch das Aktionsbündnis "Walk of Care" drängt auf schnelle und v. a. deutliche Verbesserungen für professionell Pflegende.

Die Auszubildende zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin sowie Mitglied von "Walk of Care", Lydia Große, verdeutlichte:

"Seit Jahrzehnten spitzt sich der Personalmangel in der Pflege immer weiter zu. Seit Jahrzehnten hält die Politik an einem gesundheitspolitischen Kurs fest, der die prekäre Situation in der Pflege nicht bessert, sondern immer weiter verschlimmert hat. Wir sind sehenden Auges auf den Pflegenotstand in Deutschland zugesteuert und haben die Warnungen der Pflegenden ignoriert. Doch die Politik darf nicht länger wegschauen. Im Superwahljahr können wir nicht schweigen. Wir Pflegenden müssen unsere Stimme gemeinsam erheben."

Für den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) muss ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem Pflegefachpersonen eine zentrale Rolle zuweisen. Der Report des International Council of Nurses (ICN) zum Tag der Pflegenden zeige, dass der Einsatz hochschulisch ausgebildeter Pflegeexpertinnen und -experten sich auch in der Pandemie bewährt hat. DBfK-Präsidentin Christel Bienstein sagte:

"Insbesondere in der Primärversorgung können beispielsweise Community Health Nurses die Menschen mit passgenauen Unterstützungs-, Beratungs- und Präventionsangeboten versorgen. Wir sehen international, dass Länder wie (…) Australien, die gut durch die Pandemie gekommen sind, Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten fest in den Beratungsgremien verankert haben und diese Expertise nutzen."

Im Wahljahr 2021 könne jede Bundesbürgerin und jeder Bundesbürger gute Pflegepolitik und damit eine bessere Gesundheitsversorgung zum Wahlkriterium machen, verdeutlichte Bienstein.

Die Pflegekammer in Schleswig-Holstein hat zum Tag der Pflegenden eine Studie veröffentlicht, die auf eine "alarmierende Dynamik in der Pflege" hinweist. Kammerpräsidentin Patricia Drube verdeutlichte:

"Der Pflege geht die Luft aus. Unsere Studie macht deutlich, dass viele beruflich Pflegende am Ende ihrer Kraft sind und über einen Berufsausstieg nachdenken."

Aus Sicht der knapp 1.900 an der Studie teilnehmenden Pflegefachpersonen ist ein besserer Personalschlüssel noch wichtiger als eine bessere Bezahlung. Darüber hinaus wünschen sie sich u. a. familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, verlässliche Dienstpläne, eine bessere Vergütung auch für weitergebildete Pflegende, mehr Unterstützung bei der Fort- und Weiterbildung.

Die Studie biete Politik und Arbeitgebern wichtige Stellschrauben, um den Verbleib der Pflegefachpersonen zu fördern und den drohenden vorzeitigen Berufsausstieg abzuwenden.

Meike Ista ist "Botschafterin der Pflege NRW"

In Nordrhein-Westfalen (NRW) wird stellvertretend für alle Pflegefachpersonen im Land Krankenpflegerin Meike Ista vom Uniklinikum Münster als "Botschafterin der Pflege NRW" ausgezeichnet. In der Pro7-Sendung "Joko & Klaas Live" zum Pflegenotstand konnten Zuschauerinnen und Zuschauer sie vor einigen Wochen 7 Stunden lang bei ihrer Arbeit im Knochenmark-Transplantationszentrum begleiten.

Die Vorsitzende des Errichtungsausschusses der Pflegekammer NRW, Sandra Postel, sagte am Mittwoch:

"Meike Ista hat gezeigt, was Pflege leistet – Tag für Tag. Mit großem Fachwissen, Professionalität und Engagement sind sie und alle Pflegefachpersonen eine tragende Säule in unserem Gesundheitssystem. Doch die schwierigen Arbeitsbedingungen und die nicht angemessene Bezahlung führen – spätestens nach Ende der Corona-Pandemie – zum Pflexit, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht schnell verändern."

Mit der neuen Kampagne "Wer ich bin? Die Pflege!" #wirsinddiepflege sollen professionell Pflegende eine Stimme erhalten.

"Damit nicht nur über sie, sondern auch mit ihnen geredet wird."

Der Internationale Tag der Pflegenden wird bereits seit 1965 begangen, in Erinnerung an die Vorreiterin der modernen Pflege, Florence Nightingale.

DIE SCHWESTER | DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester | Der Pfleger 
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Zeitschriftencover

PflegenIntensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Zeitschriftencover

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten