Arne Evers zeigt, warum Zufriedenheit kein Maßstab für Finanzierung ist – und wie das Pflegebudget zum Symbol eines tieferen Systemproblems wurde.
"Das Pflegebudget gehört abgeschafft, weil die Pflegekräfte unzufrieden sind und sich ihre Situation nicht verbessert hat – im Gegenteil, sie ist sogar noch schlimmer geworden." So oder so ähnlich war es bei der Podiumsdiskussion zur Eröffnung des DRG|FORUM 2026 zu hören.
Nanu? Seit wann ist Zufriedenheit ein Maßstab für die Wirksamkeit von Finanzierungsmaßnahmen? Dann fordere ich hiermit das sofortige Ende der Hybrid-DRG!
Die geäußerte Unzufriedenheit speist sich im Kern aus zwei Entwicklungen:
Erstens: die Übertragung pflegefremder Tätigkeiten auf die Profession Pflege. Bereits bei der Implementierung des Pflegebudgets wurde davor gewarnt: Kliniken könnten unter wachsendem wirtschaftlichem Druck versucht sein, pflegefremde Tätigkeiten verstärkt auf die Pflege zu verlagern. Genau das ist eingetreten – so vorhersehbar wie Bauchschmerzen nach der dritten Tüte Gummibärchen.
Mit der nun erfolgten Klarstellung ist nun eine neue Regelung vorhanden, die sich noch beweisen muss. Zwar will die Expertenkommission für eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) das Pflegebudget abschaffen und wieder zurückführen in die DRG unter bestimmungsgemäßer Verwendung der Pflegeanteile. Doch bleibt dies weiterhin ein höchst diskutabler Vorstoß mit offenem Ende.
Zweitens: Die Entwicklung der Profession ist nicht im Einklang mit der Finanzierungssituation erfolgt. Hier liegt das eigentliche Dilemma. Die Profession Pflege befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Generalistik, das Pflegefachassistenzgesetz, das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sowie das geplante Pflegemasterstudiengesetz verändern die Bildungsstruktur des Pflegeberufs grundlegend. Diese Reformen hätte man aber bereits vor dem Pflegebudget implementieren müssen, um parallel eine echte Aufwertung des Pflegeberufes – inklusive heilkundlicher Tätigkeiten – auch in der Finanzierung abzubilden.
Nun prallen diese Entwicklungen aufeinander:
- Das Pflegebudget ist – vermeintlich – aus dem Ruder gelaufen.
- Das neue Berufsbild ist im Aufbau, wird aber noch mehrere Jahre benötigen, bis es auch in der Praxis ankommt.
- Begleitende Bemessungsinstrumente sind nicht auf diese neuen Erkenntnisse abgestimmt.
- Gleichzeitig wird der Ruf nach Qualitätsmessung in der Pflege immer größer, und nun sollen auch noch Pflegediagnosen Einzug finden.
Das ist ein sehr großes Paket, das auf den Beruf zurollt und erstmal gestemmt werden muss. Was fängt man nun damit an? Sparen auf Kosten der Berufsgruppe Pflege war schon immer unsinnig und bleibt es auch. Zufriedenheit ist multifaktoriell, eine Reduktion auf eine einzelne, wenn auch komplexe Finanzierungsmaßnahme ist kein geeigneter Maßstab zur Zustandsbeschreibung einer ganzen Profession. Sinnvoll erscheint weiterhin in akademische Pflege zu investieren, die Pflegeprozesssteuerung als Qualitätsinstrument zu stärken sowie Pflege bereits heute mehr Verantwortung zu übertragen und Fachlichkeit auszubauen.
Trotz aller Herausforderungen: Die Pflege steht an der Schwelle zu einer neuen, spannenden Phase ihrer Professionalisierung. Es war noch nie so schön, in der großen Welt der Pflege aktiv zu sein.