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SARS-CoV-2

Pflege uneins in Debatte um Impfpflicht

Die Diskussionen um eine mögliche Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen löst auch innerhalb der Profession Pflege Kontroversen aus.

Die Diskussionen um eine mögliche Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen löst auch innerhalb der Profession Pflege Kontroversen aus. So hat sich nun etwa der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, nach anfänglicher Skepsis für eine mögliche Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitssektor ausgesprochen. Der "Rheinischen Post" sagte er am Mittwoch, trotz aller Appelle reichten die derzeitigen Impfquoten nicht aus.

"Erneut sterben jeden Tag Hunderte Menschen, die sich mit Corona infiziert haben. Da müssen wir sehr genau abwägen, ob das individuelle Interesse an einer freien Entscheidung über eine Impfung weiterhin Vorrang haben kann."

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Südost hingegen, appellierte am Mittwoch an die Bevölkerung und das Gesundheitspersonal, sich impfen zu lassen, um die Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden.

Impfdebatte nicht auf dem Rücken der Pflege austragen

Gleichzeitig warnte die Geschäftsführerin des DBfK Südost, Marliese Biederbeck, vor einer einseitigen Impfdebatte auf dem Rücken der Pflege und betonte:

"Es kann nicht sein, dass das Problem der hohen Inzidenzen auf die Gesundheitsberufe abgewälzt wird, während sich mehr als 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nicht impfen lässt. Das empfinden viele Pflegende als ungerecht."

Pflegende seien durch Corona bereits völlig überlastet und sollten jetzt auch noch "das Versagen der Politik schultern".

Fakt sei, dass die Politik viel zu spät reagiert habe. Sie müsse sich vorwerfen lassen, die vierte Welle nicht durch präventive Maßnahmen verhindert zu haben.

"In Fußballstadien stehen Tausende Menschen ohne Maske eng zusammen und in Köln wird wieder Karneval gefeiert. Die jetzige Entwicklung gleicht einer Bankrotterklärung der Politik."

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) hat sich am Donnerstag für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Eine berufsbezogene Impfpflicht sei nicht zielführend.

Angesichts der rapide steigenden Corona-Zahlen sei jetzt schnelles Handeln gefragt. VdPB-Präsident Georg Sigl-Lehner sagte:

"Eine auf bestimmte Berufsgruppen oder Einrichtungen bezogene Impfpflicht wäre überhaupt kein hinreichender Beitrag, um die Pandemie einzudämmen. Wir haben zudem erhebliche Bedenken, dass sich eine Impfpflicht beispielsweise für Gesundheitsfachberufe rechtlich wasserdicht begründen ließe."

Da es auch in anderen Fällen, z. B. bei Pocken, bereits eine allgemeine Impfpflicht gegeben habe, sieht die VdPB für eine allgemeine Impfpflicht keine verfassungsrechtlichen Bedenken.

Allgemeine Impfpflicht "einziger Weg aus der Krise"

Nach aktuellem Kenntnisstand schütze eine vollständige Impfung v. a. vor einem schweren Verlauf. Eine Boosterimpfung erhöhe diesen Schutz noch einmal um ein Vielfaches. Deshalb sieht Sigl-Lehner die allgemeine Impfpflicht "als einzigen Weg aus der Krise".

Die erneute Be- und Überlastung des Pflegepersonals – die zu einem großen Teil "schlichtweg auf Unvernunft" beruhe – sei ihnen nicht mehr zuzumuten. Wenn sich die politisch Verantwortlichen jetzt für eine allgemeine Impfpflicht entschieden, sei das auch ein deutliches Signal der Solidarität mit den Gesundheitsfachberufen.

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