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Digitalisierung

Pflege bei KI oft außen vor

Eine aktuelle Studie von Elsevier zeigt: Pflegekräfte werden bei KI-Entscheidungen häufig nicht einbezogen. Fachleute warnen vor Folgen für Pflegedaten und Praxis.

Pflegekräfte werden bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitssystem häufig nicht ausreichend einbezogen. Das zeigt der Bericht "Clinician of the Future 2026", über den der Wissenschaftsverlag Elsevier am Montag informiert hat. 

Gleichzeitig verweisen aktuelle fachliche Debatten darauf, dass fehlende Einbindung langfristig die Sichtbarkeit und Wirksamkeit pflegerischer Arbeit im datengetriebenen Gesundheitssystem beeinträchtigen könnte.

Geringe Beteiligung an KI-Entscheidungen

Laut Bericht geben 41 Prozent der Pflegekräfte an, dass ihre Perspektiven bei KI-Entscheidungen selten oder nie berücksichtigt werden. Auch die Nutzung ist im Vergleich zu anderen Berufsgruppen geringer: 41 Prozent der Pflegekräfte setzen KI regelmäßig ein, bei Ärzten sind es 57 Prozent. 

Die Daten deuten darauf hin, dass Pflegekräfte bisher nur eingeschränkt in Auswahl und Implementierung eingebunden sind. Diese fehlende Teilhabe kann sich auch auf die praktische Nutzung auswirken: Nur 55 Prozent der Pflegekräfte erwarten, dass KI ihnen kurzfristig Zeit spart. 

Potenzial trifft auf strukturelle Defizite

Trotz geringerer Nutzung zeigen sich viele Pflegekräfte grundsätzlich offen gegenüber KI: 61 Prozent erwarten eine Verbesserung der Versorgungsqualität in den kommenden Jahren. 

Dem gegenüber stehen strukturelle Hürden: 68 Prozent berichten von unzureichender Schulung, 60 Prozent äußern Zweifel an regulatorischen Rahmenbedingungen. 

Hinzukommt die hohe Arbeitsbelastung: 65 Prozent der Befragten sehen sich nicht in der Lage, genügend Zeit für eine qualitativ hochwertige Versorgung aufzubringen. 

An der globalen Elsevier-Umfrage nahmen den Angaben zufolge 2.757 medizinische Fachkräfte aus 118 Ländern teil, darunter Pflegekräfte und Ärzte. Untersucht wurden unter anderem die zunehmende Belastung im Alltag, Defizite bei der KI-Implementierung in verschiedenen medizinischen Berufen sowie die Nutzung allgemeiner, nicht spezifisch medizinischer KI-Anwendungen, deren Ergebnisse meist nicht auf evidenzbasierten Quellen beruhen.

Pflegedaten als Schlüssel – aber oft nicht nutzbar

Parallel zu den Studienergebnissen weist die fachliche Diskussion darauf hin, dass die Rolle der Pflege im digitalen Gesundheitssystem auch von der Qualität und Nutzbarkeit ihrer Daten abhängt.

So wird betont, dass Pflegedaten bislang häufig unstrukturiert vorliegen – etwa als Freitext oder in nicht standardisierten Formaten – und damit für KI-Anwendungen, Forschung oder Qualitätssicherung nur eingeschränkt verwendbar sind.

Der Pflegeinformatiker Heiko Mania beschreibt dies zugespitzt in seinem LinkedIn-Artikel: "Pflegedaten sind keine Dokumentationsreste. Sie sind Infrastruktur."

Zugleich sei entscheidend, Pflegewissen so aufzubereiten, dass es in digitalen Systemen erhalten bleibt. "Interoperabilität ohne Pflegefachlichkeit ist nur sauber formatierter Bedeutungsverlust", so Mania.

Bedeutung für die Pflegepraxis

Der Elsevier-Bericht zeigt deutliche Unterschiede zwischen Berufsgruppen, bleibt jedoch bei konkreten Umsetzungsschritten unspezifisch.

Für die Pflege ergeben sich daraus mehrere offene Fragen:

  • Wie können Pflegekräfte systematisch in digitale Entscheidungsprozesse eingebunden werden?
  • Welche Kompetenzen sind für den Umgang mit KI erforderlich?
  • Wie lassen sich pflegerische Daten strukturiert und standardisiert nutzbar machen?

Fachlich zeichnet sich ab, dass neben der technischen Einführung vor allem Kompetenzen und Beteiligungsstrukturen entscheidend sein werden. Pflegekräfte würden dabei nicht ersetzt, sondern müssten KI-Ergebnisse fachlich einordnen und überprüfen.

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