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Verdi-Umfrage bei Charité und Vivantes

Pflege-Azubis unzufrieden mit Ausbildung

Umfrage der Gewerkschaft: Hälfte der Pflege-Auszubildenden wollen den Beruf nicht langfristig ausüben.

Gesundheits- und Krankenpflegeschülerinnen und -schüler von Charité – Univer­sitätsmedizin Berlin und Vivantes sind laut einer Verdi-Umfrage unzufrieden mit den aktuellen dortigen Arbeitsbedingungen.

300 der etwa 1.500 Auszubildenden beider Klinikkonzerne haben an der Umfrage der Gewerkschaft teilgenommen. Die Ergebnisse stellte Verdi am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vor.

Knapp die Hälfte der Befragten (48 %) kann sich nicht oder eher nicht vorstellen, den Beruf langfristig an der Charité oder bei Vivantes auszuüben. Für 75 % ist der Beruf aktuell nicht bzw. eher nicht vereinbar mit eigenen Vorstellungen von künftiger Familienplanung und Freizeitgestaltung.

Viele der Befragten gaben zudem an, dass sie eigenständig Tätigkeiten an Patientinnen und Patienten übernehmen müssen, für die sie noch nicht ausgebildet seien. 7 % müssten dies "immer", 40 % "häufig", 25 % "manchmal" und 20 % "selten" leisten.

Unzufrieden äußerten sich die Auszubildenden auch zu der Frage, wie oft sie nach einem Praxiseinsatz den Eindruck hatten, zeitlich genügend Praxisanleitung erhalten zu haben und sich somit gut auf den Berufseinstieg vorbereitet zu fühlen. 11 % erklärten, dies sei "nie", für 39 % nur "selten" und für weitere 31 % "manchmal" der Fall.

Verdi fordert bessere Praxisanleitung

Wie das Deutsche Ärzteblatt am Donnerstag mitteilte, fordert Verdi, die gesetzlich vorgegebene Zeit für Praxisanleitungen auf 20 % zu erhöhen. Praxisanleiterinnen und -anleiter sollten in dieser Zeit von der Pa­tientenversorgung befreit werden. Außerdem sollte eine persönliche 1:1-Betreuung der Auszubildenden in der Pflege erfolgen. In Ausnahmesituationen sei eine 1:2-Betreuung akzeptabel.

Mit ihrer Umfrage erhöht die Gewerkschaft den Druck auf die beiden Krankenhausunternehmen im aktuellen Tarifstreit. Dazu erklärte Verdi- Landesfachbereichsleiterin für Berlin und Brandenburg, Meike Jäger:

"Die Beschäftigten von Charité und Vivantes haben mit ihrer Gewerkschaft Verdi den Arbeitgebern und dem Berliner Senat das Ultimatum gestellt, bis zum 20. August substanzielle Angebote für einen Tarifver­trag Entlastung vorzulegen. Andernfalls sind sie bereit, in einen Streik zu treten, an dem sich auch viele Auszubildende beteiligen wollen."

Laut Deutschem Ärzteblatt unterstütze eine große Mehrheit der Auszubildenden an der Charité und bei Vivantes die Entlastungsforderungen von Verdi. 97 % der Befragten forderten einen Belastungsausgleich bei einem Einsatz in unterbesetzten Schichten. Etwa 80 % wollten sich an Aktionen und Streiks zur Durch­setzung der Tarifforderungen beteiligen.

Pflege-Azubis wollen keine "Lückenbüßer" sein

Die Auszubildenden hätten zudem eigene Forderungen formuliert, die zur Entlastung und zur Steigerung der Ausbildungsqualität in beiden Krankenhauskonzernen beitragen sollen, schreibt die Tageszeitung Junge Welt in ihrer Ausgabe vom Donnerstag. Für die ersten beiden Einsatztage wünschten sie sich demnach eine organisatorische Einarbeitung seitens des Stammpersonals. Ferner forderten sie, den Dienstplanentwurf bereits acht Wochen vor dem Praxiseinsatz zu erhalten, um sich dagegen wehren zu können, als "Lückenbüßer" auf Stationen mit akutem Personalmangel eingesetzt zu werden.

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