Personzentrierte Versorgungsmodelle können die Lebensqualität älterer Menschen in Pflegeheimen verbessern, Autonomie stärken und herausforderndes Verhalten reduzieren. Gleichzeitig erschweren Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und fehlende Unterstützung durch Führungskräfte die Umsetzung entsprechender Konzepte. Das zeigt eine systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal Journal of Advanced Nursing.
Für die Analyse werteten Forschende 30 internationale Studien mit insgesamt 5.049 Teilnehmenden aus Pflegeheimen und anderen Langzeitpflegeeinrichtungen aus. Berücksichtigt wurden quantitative, qualitative und Mixed-Methods-Studien aus den Jahren 2000 bis 2024.
Mehr Selbstbestimmung und weniger Belastung
Die ausgewerteten Modelle und Interventionen zielten darauf ab, Pflege stärker an den individuellen Bedürfnissen, Gewohnheiten und Wünschen der Bewohnerinnen und Bewohner auszurichten. Nach Angaben des Autorenteams verbesserten die Ansätze insbesondere Wohlbefinden, soziale Teilhabe und Lebensqualität. Mehrere Studien berichteten zudem über weniger Unruhe und neuropsychiatrische Symptome bei Menschen mit Demenz.
Zu den wirksamen Elementen gehörten etwa individualisierte Aktivitäten, die Einbeziehung persönlicher Vorlieben sowie eine stärkere Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner an Entscheidungen des Alltags. Eine Angehörige beschrieb die Wirkung eines solchen Ansatzes so: "Sie genießt es, ihre Mahlzeiten selbst auszuwählen, und wirkt glücklich und entspannt. Ihr Appetit hat sich verbessert."
Auch die Wahrung von Autonomie und Würde erwies sich als zentral. Bewohnerinnen und Bewohner berichteten jedoch zugleich, dass starre Routinen und Zeitdruck individuelle Entscheidungen häufig einschränkten.
Angehörige und Umfeld spielen Schlüsselrolle
Die Übersichtsarbeit identifiziert die Einbindung von Angehörigen als weiteren Erfolgsfaktor. Regelmäßiger Austausch zwischen Familien und Pflegeteams fördere Vertrauen und erhöhe die Zufriedenheit mit der Versorgung. Zudem profitierten Bewohnerinnen und Bewohner von einer wohnlichen Umgebung, die Vertrautheit, Orientierung und persönliche Gestaltungsmöglichkeiten bietet.
Als wichtige Merkmale einer personzentrierten Pflege nennen die Forschenden unter anderem individuelle Tagesabläufe, sinnstiftende Aktivitäten, die Berücksichtigung biografischer Hintergründe und eine Umgebung, die möglichst wenig institutionell wirkt.
Personalmangel bremst Umsetzung
Als größtes Hindernis für die Umsetzung personzentrierter Pflege identifiziert die Übersichtsarbeit strukturelle Rahmenbedingungen. Mehrere Studien berichten, dass fehlende personelle Ressourcen und hoher Arbeitsdruck dazu führen, dass Mitarbeitende vor allem Routineaufgaben erledigen und weniger Zeit für individuelle Begleitung haben.
Ein Mitarbeitender formulierte dies in einer der ausgewerteten Studien so: "Wir würden ihnen (den Bewohnerinnen und Bewohnern) gern mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung geben, können das aber nicht."
Nach Einschätzung des Autorenteams sind ausreichende Personalressourcen, unterstützende Führung, stabile Teams und eine förderliche Organisationskultur entscheidend, damit personzentrierte Versorgungskonzepte dauerhaft wirken können. Künftige Forschung solle deshalb insbesondere wirksame Strategien für Personalbindung, Führungsentwicklung und organisatorische Unterstützung untersuchen.
Zum Thema
Personzentrierte Pflege ist seit Jahren ein zentrales pflegewissenschaftliches Konzept. Welche Ansätze sich daraus für den Berufsalltag ableiten lassen und wie Einrichtungen eine stärker an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Versorgung gestalten können, hat Die Schwester | Der Pfleger bereits in der Ausgabe "Personzentrierte Pflege: Der Mensch im Fokus" aufgegriffen. Die Beiträge der Schwerpunktausgabe sind online abrufbar.