In einem Pflegeheim in Landshut soll über drei Jahre erprobt werden, ob zugeschaltete Pflegefachpersonen Pflegekräfte vor Ort per Video- und Audioverbindung unterstützen können. Das geht aus einer Mitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes hervor. Das Projekt wird vom BRK als „Virtuelles Pflegeheim“ bezeichnet.
Hintergrund ist ein wissenschaftliches Vorhaben, das seit Mitte Juli in der BRK-Landesgeschäftsstelle angesiedelt ist. Erprobt wird das Konzept im Pflegeheim Hofberg des Kreisverbands Landshut. Die praktische Testphase ist für das zweite Projektjahr vorgesehen, anschließend soll das Modell evaluiert werden.
Pflegefachperson soll digital unterstützen
Das Konzept sieht vor, dass Pflegehilfskräfte oder andere Mitarbeitende vor Ort bei pflegerischen Fragestellungen eine extern zugeschaltete Pflegefachperson kontaktieren können. Diese soll per Ton- und Bildübertragung beraten, anleiten oder Aufgaben koordinieren.
„Eine Pflegefachkraft kann mit Ton und Bild in den Pflegealltag dazugeschaltet werden“, sagt Projektleiter Franz Wacker. Wichtig sei, dass die Pflegekraft vor Ort nicht ersetzt, sondern durch eine zusätzliche Pflegefachkraft entlastet wird, beispielsweise auch durch die Übernahme von Dokumentatsaufgaben.
Studie soll Nutzen für stationäre Pflege prüfen
Nach Angaben des BRK basiert das Projekt auf Vorarbeiten aus einer Masterarbeit zum Thema virtuelle Pflegeheime. Im Rahmen einer Promotion soll nun untersucht werden, ob das Modell in der stationären Langzeitpflege praktikabel ist.
Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Universität Bayreuth. Gefördert wird das Vorhaben vom Bayerischen Gesundheitsministerium.
Fachkräftemangel als Ausgangspunkt
Als Vorbild nennt Wacker Konzepte aus der Telemedizin, etwa den Telenotarzt. Hintergrund seien der Fachkräftemangel und der demografische Wandel. Das Projekt solle zeigen, ob digitale Unterstützung die Arbeit in Pflegeheimen ergänzen und pflegerische Expertise flexibler verfügbar machen könne.
Ob sich der Ansatz im Pflegealltag bewährt und auf andere Einrichtungen übertragen lässt, soll die Evaluation nach Abschluss der dreijährigen Projektlaufzeit zeigen.