Der GKV-Spitzenverband drängt auf einen schnelleren Ausbau digitaler Anwendungen in der Pflege und fordert eine stärkere Einbindung pflegerischer Daten in die elektronische Patientenakte (ePA). Das geht aus einem in der Vorwoche verabschiedeten Positionspapier des Verwaltungsrats des GKV-Spitzenverbands hervor.
Nach Ansicht des Verbands kann die Digitalisierung dazu beitragen, Pflegefachpersonen zu entlasten, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und die Versorgung angesichts des Fachkräftemangels langfristig zu sichern. Zugleich fordert der GKV-Spitzenverband belastbare Wirksamkeitsnachweise, bevor digitale Anwendungen dauerhaft aus Mitteln der sozialen Pflegeversicherung finanziert werden.
"Die Herausforderungen in der Pflege sind groß, daher müssen wir die Potenziale der Digitalisierung voll ausschöpfen", sagte Verwaltungsratsvorsitzender Uwe Klemens. Vorteile sieht er unter anderem bei der Telepflege sowie der Einbindung von Pflegeinformationen in die ePA.
Pflege soll stärker in die ePA eingebunden werden
Ein Schwerpunkt des Positionspapiers ist die Verzahnung pflegerischer und medizinischer Daten. Der GKV-Spitzenverband bezeichnet die ePA als "Herzstück" eines digitalen Versorgungsökosystems. Pflegeinformationen müssten künftig strukturiert integriert und sektorenübergreifend nutzbar werden, um Versorgungsübergänge zu verbessern und interprofessionelle Zusammenarbeit zu erleichtern.
Nach Angaben des Verbands ist die digitale Anbindung der Pflege bislang lückenhaft. Zwar seien Pflegeeinrichtungen seit Juli 2025 verpflichtet, sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anzuschließen. Stand Mai 2026 hätten jedoch erst rund zwei Drittel der Einrichtungen einen Eintrag im TI-Adressbuch, während lediglich etwa ein Drittel den sicheren E-Mail-Dienst der Infrastruktur nutze.
Mehr digitale Kompetenz und Telepflege
Darüber hinaus fordert der Verband einen stärkeren Fokus auf digitale Kompetenzen in Pflegeausbildung, Studium sowie Fort- und Weiterbildung. Digitale Anwendungen müssten sicher, datenschutzkonform und mit erkennbarem Nutzen eingesetzt werden können.
Verwaltungsratsvorsitzende Susanne Wagenmann erklärte: "Neben der technischen Infrastruktur braucht es dafür digitale Kompetenz, klare Verantwortlichkeiten und alltagstaugliche Prozesse." Pflegepersonal sowie Pflegebedürftige und Angehörige müssten digitale Anwendungen "sicher und mit einem klaren Mehrwert einsetzen können".
Zudem sieht das Positionspapier Potenziale in Telepflege-Angeboten, sprachgestützter Pflegedokumentation und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI). KI-Anwendungen könnten laut Verband dazu beitragen, Prozesse zu optimieren und Dokumentationsaufwand zu verringern. Voraussetzung seien jedoch Evaluationen zu Nutzen, Wirtschaftlichkeit und ethischen Auswirkungen.
Verband fordert klare Finanzierungsregeln
Mit Blick auf die Finanzierung warnt der GKV-Spitzenverband davor, die Kosten der Digitalisierung allein der sozialen Pflegeversicherung aufzubürden. Investitionen seien transparent zu finanzieren und die Verantwortung zwischen Pflegeeinrichtungen, Ländern, Kostenträgern und weiteren Akteuren klar zu regeln.
Außerdem spricht sich der Verband für ein Monitoring des Digitalisierungsgrads von Pflegeeinrichtungen aus. Damit sollen Fortschritte und bestehende Defizite künftig systematisch erfasst werden.