Der Deutsche Ethikrat hat am 22. Januar in einer öffentlichen Anhörung zentrale ethische Konflikte der häuslichen und stationären Langzeitpflege beraten. Der Ethikrat will die Erkenntnisse nutzen, um in einer Arbeitsgrupppe zusammenzutragen, wie gute Pflege unter den Prinzipien Würde, Selbstbestimmung und Wohlergehen gelingen kann und welche Rahmenbedingungen beruflich Pflegende dafür brauchen. Angehört wurden Pflegefachpersonen, pflegebedürftige Menschen, Angehörige, Ökonomen und Einrichtungsleitungen. "Die Reform der Pflege drängt und betrifft alle in der Gesellschaft", sagte die Sprecherin für die Stellungnahme im Ethikrat, Annette Riedel.
Strukturelle Konflikte im Pflegealltag
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) machte deutlich, dass ethische Dilemmata strukturell bedingt sind: "Ethik in der Langzeitpflege entscheidet sich nicht am guten Willen Einzelner, sondern an verlässlichen Rahmenbedingungen", so DBfK-Präsidentin Vera Lux. Fehlten qualifizierte Pflegefachpersonen, werde Fürsorge "ein permanenter Konflikt zwischen dem, was fachlich geboten wäre, und dem, was noch machbar ist". Der DBfK fordert unter anderem eine bedarfsgerechte Personalausstattung, mehr pflegefachliche Autonomie, wirksamen Schutz vor Gewalt, Bürokratieabbau und eine bessere Digitalisierung.
Vogler: Pflege politisch unzureichend verankert
Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats (DPR), Christine Vogler, adressierte in der Anhörung unter anderem eingeschränkte Autonomie Pflegebedürftiger, sozial ungleichen Zugang zu Leistungen, fehlende Entscheidungsspielräume der Profession und moralische Belastung (Moral Distress) der Pflegenden. "Ein strukturelles Kernproblem ist, dass Pflege dort kaum verankert ist, wo die Regeln des Gesundheitssystems gesetzt werden", sagte Vogler.
Beratungen des Ethikrats
Die Aussagen der geladenen Sachverständigen sollen nun laut Ethikrat in die laufende Beratungen des Rats zur Langzeitpflege einfließen.