Die Langzeitpflege in Deutschland braucht nach Einschätzung des Deutschen Pflegerats (DPR) einen umfassenden strukturellen Neustart. Das geht aus einem neuen Positionspapier hervor, das der DPR am Montag veröffentlicht hat. Der Verband präsentiert darin neun Leitlinien, die als Grundlage für eine zukunftsfähige, personen- und familienzentrierte Pflege dienen sollen.
"Die Lage duldet keinen Aufschub", sagte DPR‑Präsidentin Christine Vogler. "Unser Positionspapier zeigt, wie Langzeitpflege neu gedacht und organisiert werden muss, damit sie auch in Zukunft trägt."
Strukturen umbauen, Beziehungen stärken
Zentrale Forderungen des DPR sind professionell fundierte, nachhaltig finanzierte und wohnortnahe Versorgungsstrukturen. Dazu gehöre eine bundesweit abgestimmte Bedarfsplanung und eine stärkere Rolle von Pflegefachpersonen in der Entscheidungsfindung.
Zudem betont der Verband die Bedeutung verlässlicher Pflegebeziehungen, die Zeit für Zuwendung, Begleitung und Kommunikation benötigten. Diese Beziehungsarbeit müsse sichtbar und finanzierbar sein.
Sektoren vernetzen, Prävention ausbauen
Weitere Leitlinien betreffen eine eng vernetzte, sektorenübergreifende Versorgung, neue Wohn- und Versorgungsformen sowie eine stärkere Fokussierung auf Prävention und Gesundheitskompetenz, um Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder hinauszuzögern.
Der DPR fordert niedrigschwellige Angebote, verbindliche Pflegeberatung und ein fallorientiertes Case Management.
Profession stärken, Digitalisierung sinnvoll nutzen
Die Leitlinien betonen außerdem die Notwendigkeit eines interprofessionellen Zusammenspiels, den Ausbau von Bildung und Professionalisierung sowie einen sorgsamen Einsatz digitaler Technologien. Technik solle Beziehungszeit stärken, nicht ersetzen, und sei datenschutzkonform einzusetzen.
Insgesamt versteht der DPR sein Papier als fachliche Ergänzung zu laufenden Reformdiskussionen und als Orientierung für eine langfristige Neuausrichtung der Langzeitpflege.