Die Prinzipien des Personalbemessungsverfahrens PeBeM können nach Einschätzung von Forschenden künftig auch in der ambulanten Pflege Anwendung finden. Forschende der Hochschule München beschreiben in ihrem Fachbeitrag für Die Schwester | Der Pfleger, wie kompetenzorientierte Personalbemessung, Pflegekoordination und klare Verantwortlichkeiten in häuslichen Versorgungsstrukturen umgesetzt werden könnten.
PeBeM-Prinzipien für die ambulante Pflege
Grundlage der Überlegungen sind Erfahrungen aus dem Kooperationsprojekt "Pflegeorganisation gemeinsam gestalten" der Hochschule München und der Hilfe im Alter gGmbH. Darin wurde ein kompetenzorientiertes Pflegeorganisationssystem entwickelt und evaluiert, das auf den Erkenntnissen von PeBeM basiert. Zentraler Bestandteil sind feste Teams mit klar definierten Rollen und Verantwortlichkeiten.
Nach Angaben des Autorenteams zeigten sich im Projekt unter geeigneten Rahmenbedingungen "mehr Zeit für direkte Kontakte, klarere Zuständigkeiten, eine systematischere Umsetzung der Vorbehaltsaufgaben und mehr Rollenklarheit".
Pflegekoordination soll Fachpersonen entlasten
Für die ambulante Versorgung schlagen die Forschenden eine stärkere Orientierung an Kompetenzen statt an traditionellen Aufgabenmustern vor. Pflegefachpersonen könnten die Pflegeprozessverantwortung für definierte Klientengruppen übernehmen, während delegierbare Tätigkeiten gezielt anderen Qualifikationsgruppen zugeordnet würden.
Als mögliche Bausteine nennt das Autorenteam interne Aufgabenverzeichnisse nach Qualifikationsniveau, regionale Bezugspflegeteams sowie eine "ambulante Pflegekoordination". Dabei würde eine Pflegefachperson die fachliche Verantwortung für eine definierte Gruppe von Pflegebedürftigen übernehmen, auch wenn kein täglicher persönlicher Kontakt bestehe.
Die Forschenden betonen zugleich, dass sich das stationäre Modell nicht eins zu eins übertragen lasse. Ambulant arbeiteten Pflegefachpersonen überwiegend dezentral und ohne unmittelbare Abstimmung mit Kolleginnen und Kollegen. Zudem erschwerten unterschiedliche landesrechtliche Regelungen und bestehende Touren- und Vergütungsstrukturen eine rein qualifikationsbezogene Aufgabenverteilung.
Vergütung erschwert kompetenzorientierte Personalbemessung
Als zentrale Hürde für eine kompetenzorientierte Personalbemessung in der ambulanten Pflege identifizieren die Autorinnen und Autoren die derzeitigen Finanzierungsstrukturen. Die Vergütung orientiere sich überwiegend an einzelnen Leistungen, während Planung, Bedarfsermittlung und Koordination kaum eigenständig refinanziert würden.
"Eine kompetenzorientierte Neugestaltung setzt politischen Gestaltungswillen voraus, insbesondere die eigenständige Finanzierung von Koordinations- und Steuerungsleistungen", schreiben die Forschenden.
Nach Einschätzung des Wissenschaftsteams bleibt die Übertragbarkeit kompetenzorientierter Personalbemessung auf ambulante und teilstationäre Versorgungsformen ein offenes Forschungsfeld. Sie fordern Pilotprojekte, gesundheitsökonomische Analysen sowie Forschung zu digitalen Instrumenten für Prozesssteuerung, Teamkommunikation und Dokumentation in dezentralen Versorgungsstrukturen.