In Niedersachsen sind zum 1. September die ersten "Gemeinsamen Modellvorhaben" zur Weiterentwicklung der pflegerischen Versorgung gestartet. Das teilte das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung am Montag mit.
Den Zuschlag erhalten zunächst die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland. Die Projekte sollen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen durch ein erweitertes Case- und Care-Management sowie eine stärkere Vernetzung professioneller und ehrenamtlicher Angebote unterstützen. Grundlage ist die Förderregelung für "Gemeinsame Modellvorhaben" nach § 123 SGB XI.
"Fachkräfte, Angehörige und die Nachbarschaft kümmern sich so gemeinsam um die Menschen, die Hilfe benötigten", sagte Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (SPD).
Case-Management soll Versorgung koordinieren
Kern der Projekte ist ein individuelles Case-Management für pflegebedürftige Menschen. Ziel ist es, Leistungen aus Pflege, Gesundheitsversorgung und sozialen Angeboten besser aufeinander abzustimmen. Nach Angaben des Ministeriums sollen dadurch Informationsverluste und Doppelstrukturen zwischen verschiedenen Leistungserbringern reduziert werden.
Geplant ist zudem, ehrenamtliche Unterstützungsangebote stärker mit professionellen Versorgungsstrukturen zu verknüpfen. Weitere Schwerpunkte sind Gesundheitsförderung, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie der Einsatz digitaler Steuerungsinstrumente.
Förderung bis mindestens Ende 2028
Für die Modellvorhaben stehen laut Ministerium rund 785.000 Euro für die Grafschaft Bentheim und rund 946.000 Euro für das Emsland bereit. Die Förderung läuft zunächst bis Ende 2028 und kann bis 2029 verlängert werden.
Finanziert werden die Projekte gemeinsam vom Land Niedersachsen sowie den gesetzlichen und privaten Pflegekassen. Insgesamt stellen beide Seiten nach Ministeriumsangaben jeweils mehr als zwei Millionen Euro jährlich für entsprechende Modellvorhaben bereit.
Weitere Anträge aus anderen Regionen Niedersachsens werden derzeit geprüft.
Aufbau auf Vorgängerprojekt
Die neuen Modellvorhaben knüpfen an das 2019 gestartete Projekt "Regionales Pflegekompetenzzentrum" (ReKo) an. In den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland wurden dort bereits dezentrale Case-Management-Strukturen bei den Senioren- und Pflegestützpunkten aufgebaut.
Nun soll das Konzept auf eine umfassendere Versorgungssteuerung ausgeweitet werden. Nach Angaben der beteiligten Landkreise könnten davon mehr als 36.000 pflegebedürftige Menschen in beiden Regionen profitieren. Mehr als die Hälfte von ihnen wird demnach überwiegend durch An- und Zugehörige zu Hause versorgt.