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Internationales Pflegepersonal in Deutschland

"Leider mache ich regelmäßig Diskriminierungserfahrungen"

Rose Komarek arbeitet auf einer chirurgischen Station des Evangelischen Krankenhauses Niederrhein in Dinslaken. Sie ist 37 Jahre alt und stammt aus dem ostafrikanischen Land Kenia.

Mit 20 Jahren kam Rose Komarek aus Kenia nach Deutschland, um ihren Traum von einer Pflegeausbildung zu verwirklichen. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, die Herausforderungen im Alltag und warum sie heute anderen den Weg in die Pflege ebnet.

 

Sie haben Kenia verlassen, als Sie 20 Jahre alt waren. Wie kam es dazu?

Ich wollte schon immer eine Pflegeausbildung machen. Als ich 19 war, habe ich ein Au-pair-Jahr in Deutschland gemacht und erfahren, dass die Ausbildung hier kostenlos ist und man sogar eine Vergütung bekommt. Außerdem ist die Qualität der Ausbildung – verglichen mit jener in meinem Heimatland – sehr hoch. Deswegen habe ich mich um einen Ausbildungsplatz bemüht – und es hat geklappt.

Welchen Herausforderungen sind Sie damals begegnet?

Das Wetter ist immer noch eine große Herausforderung für mich (lacht). Außerdem mache ich regelmäßig Diskriminierungserfahrungen. Als dunkelhäutige Pflegekraft wird man von vielen Patienten nicht für voll genommen. Häufig werden mir komische Fragen gestellt, zum Beispiel, ob ich noch Schülerin sei.

Sie leben schon lange nicht mehr in Kenia. Wissen Sie dennoch, wie der Pflegealltag dort organisiert ist?

Die Grundpflege wird meist von Angehörigen übernommen. Dies hat hauptsächlich zwei Gründe: Ein Patient in Kenia zahlt für jede einzelne Tätigkeit, die an ihm durchgeführt wird. Konkret heißt das, dass sogar die Handschuhe, die eine Pflegekraft bei einer bestimmten Tätigkeit trägt, von den Patienten bezahlt werden müssen. Außerdem zeigen Familienmitglieder Wertschätzung für ihre Angehörigen, wenn sie sich Zeit nehmen und ihnen in Not helfen. Das Gesundheitssystem in Kenia ist stark von der sozialen Schicht abhängig. Es gibt keine allgemeine Krankenversicherung; deshalb ist die Versorgung für die Mehrheit der Bevölkerung eingeschränkt und von unzureichender Qualität. Das Personal hat lange Arbeitszeiten und erhält niedrige Löhne.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Nicht nur beruflich, sondern auch privat liebe ich es, anderen Menschen zu helfen. Deswegen habe ich eine Vermittlungsagentur gegründet, um Menschen aus Kenia zu helfen, in Deutschland eine Pflegeausbildung zu absolvieren oder einen Arbeitsplatz als Pflegefachkraft zu erhalten. Dadurch profitieren sowohl die Menschen aus Kenia, die einen sicheren Arbeitsplatz bekommen, als auch die Einrichtungen, die neue Fachkräfte erhalten.

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