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Corona-Pandemie

Kündigungswelle nach Coronawelle?

Ein Drittel der Intensivpflegenden will innerhalb eines Jahres aus dem Beruf aussteigen.

Wegen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen überlegt mind. ein Drittel der (Intensiv)Pflegenden den Beruf aufzugeben oder den eigenen Stellenanteil zu reduzieren. Viele Ehemalige indes können sich eine Rückkehr vorstellen – wenn die Voraussetzungen stimmen. BibliomedPflege hat zwei aktuellen Studien zusammengefasst.

Mehr als 30 % der nichtärztlichen Mitarbeitenden auf den Intensivstationen, in den Notaufnahmen und im Rettungsdienst wollen ihren Beruf in den nächsten 12 Monaten verlassen.

Das geht aus einer Online-Befragung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) zum "Belastungserleben während der dritten Coronawelle" hervor.

Die DGIIN hatte zwischen 5. und 16. April 2021 Mitarbeitende in den genannten Einrichtungen befragt. Teilgenommen haben 1.321 Personen, darunter Pflegende (57 %), Rettungs-/Notfallsanitäterinnen und -sanitäter (5 %), sonstige Berufsgruppen (3 %) sowie Ärztinnen und Ärzte (35 %).

Fast die Hälfte der Pflegenden möchte weniger arbeiten

Rund 46 % der nichtärztlichen Mitarbeitenden möchten ihren Stellenanteil reduzieren. Gründe dafür sind u. a., dass 72 %  der Befragten im Zuge der dritten Welle der Corona-Pandemie überlastet sind und 96 % sich von den politischen Entscheidungsträgern in der täglichen Arbeit im Stich gelassen fühlen.

Intensivmedizin und Notfallmedizin bzw. Rettungsdienst sehen etwa 94 % der befragten nichtärztlichen Mitarbeitenden nach 3 Coronawellen weder strukturell noch personell für die Zukunft ausreichend belastbar aufgestellt. 97 % glauben, dass der Personalmangel nach der Pandemie noch ausgeprägter sein wird.

96 % der Befragten aus den nichtärztlichen Berufen glauben nicht, dass die Politik diesen Personalmangel lösen kann. Auch den Krankenhäusern (83 %) und den Spitzenverbänden der Krankenhäuser oder Krankenkassen (72 %) trauen sie dies nicht zu.

Einhellig ist die Meinung, dass es eine nachhaltige Krankenhausreform eine Stärkung der Intensiv- und Notfallmedizin sowie bessere Arbeitsbedingungen braucht. Knapp 38 % der nichtärztlichen Mitarbeitenden sieht die Lösung des Personalproblems im Zusammenlegen von Krankenhäusern.

Bittere Pandemiebilanz

Für Christian Karagiannidis, DGIIN-Präsident, eine "bitteren Bilanz nach einem Jahr Corona". Auf Twitter schrieb er:

"Es wird die Krankenhäuser nach Corona hart treffen."

Und er appellierte zugleich an alle Mitarbeitenden in den Krankenhäusern:

"Bitte bleibt!"

Umfrage 2020: Ein Drittel der Pflegenden will aussteigen

Bereits im Dezember hatte eine Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) unter rund 3.600 Pflegenden ergeben, dass knapp ein Drittel der Befragten erwägt, den bisherigen Beruf aufzugeben. 

Corona mindert Bereitschaft zur Rückkehr

Viele Pflegende haben den Berufsausstieg indes schon längst vollzogen. Wie sich diese ehemaligen Pflegenden zurückgewinnen ließen und unter welchen Bedingungen Teilzeitkräfte ihre Stunden erhöhen würden, hat die aktuelle Studie "Ich pflege wieder, wenn …" der Arbeitnehmerkammer Bremen und des SOCIUM der Universität Bremen untersucht.

Befragt wurden 1.032 Pflegekräfte, größtenteils aus Bremen und dem Bremer Umland. Die Frage, ob die COVID-19-Pandemie die Bereitschaft zum Wiedereinstieg bzw. zur Stundenerhöhung beeinflusse, bejahten mehr als 30 % der Befragten aus dem Bereich der Krankenpflege und über 15 % jener in der Langzeitpflege.

Die Studie zeigt aber auch, dass 87,5 % der ausgestiegenen Vollzeit- und 72 % der Teilzeitpflegenden einen Wiedereinstieg bzw. eine Stundenerhöhung nicht ausschließen. Gut 59 % bzw. 52 % dieser beiden Gruppen hält die Rückkehr für möglich bis sehr wahrscheinlich.

Studie 2018: Die Hälfte der Ehemaligen erwägt Rückkehr

Wiedereinstiegskriterien und Handlungsempfehlungen

Die wichtigsten Wiedereinstiegskriterien sind laut der Studie:

  • Wertschätzung durch Vorgesetzte
  • Zeit für qualitativ hochwertige Pflege
  • Bedarfsorientierte Personalbemessung
  • Sensibilität von Vorgesetzten für Belastungen in der Pflege
  • Tarifbindung
  • Mehr Zeit für menschliche Zuwendung
  • Garantie, an freien Tagen nicht arbeiten zu müssen
  • Betriebliche Interessenvertretung
  • Höheres Grundgehalt
  • Höhere Zulagen für besondere Tätigkeiten

Als Handlungsempfehlungen, um die Arbeitsbedingungen derart zu verbessern, dass Pflegende gerne wieder (mehr) pflegen, nennen die Autorinnen und Autoren der Studie:

  1. Höhere Bezahlung
  2. Bedarfsorientierte Personalbemessung
  3. Wertschätzung und sensible Kommunikationskultur
  4. Kollektive Interessenvertretung
  5. Verlässliche Arbeitszeiten
  6. Kollegiale Beratung und psychische Unterstützung
  7. Fachliche Aufstiegsmöglichkeiten und betriebliche Personalentwicklung

 

Der Vorsitzende des DBfK Nordwest, Martin Dichter, fordert angesichts der Studienergebnisse "eine leistungs- und verantwortungsgerechte Vergütung und gesunde Arbeitsbedingungen" und er bekräftigt die Forderung nach einem Bruttoeinstiegsgehalt von 4.000 Euro:

"Mit einem Prämienpflästerchen hier und einer Mindestlohnerhöhung dort ist es eben nicht getan."

Bis 2030 erreichen 40 % Renteneintrittsalter

Im Zuge der Pandemie haben schon mehr als 9.000 Pflegende in Krankenhäusern und Altenheimen ihren Job aufgegeben und bis 2030 gehen bis zu 500.000 Pflegefachpersonen – etwa 40 % der Berufsangehörigen – in Rente, mahnte jüngst der Präsident des Deutschen Pflegerats (DPR), Franz Wagner.

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