Internationale Pflegekräfte warten in Deutschland häufig monatelang auf Visa- und Anerkennungsverfahren. Nach Angaben des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) können viele Pflegefachpersonen und Auszubildende ihre Stelle deshalb nicht wie geplant antreten.
Der Verband fordert in einem aktuellen Positionspapier verbindliche Bearbeitungsfristen, digitalisierte Verfahren und eine schnellere Anerkennung ausländischer Pflegeabschlüsse. Hintergrund ist die wachsende Bedeutung internationaler Beschäftigter für die pflegerische Versorgung: In der ambulanten und stationären Pflege habe inzwischen fast jede vierte Pflegekraft eine ausländische Staatsangehörigkeit. Seit 2022 gehe das Beschäftigungswachstum in der Pflege im Wesentlichen auf ausländische Beschäftigte zurück.
VKAD fordert schnellere Verfahren
Nach Auffassung des Verbands bremsen langwierige Visa-, Anerkennungs- und Verwaltungsverfahren die Gewinnung internationaler Pflegekräfte. Im beschleunigten Fachkräfteverfahren solle deshalb für die Vorabzustimmung der Ausländerbehörden eine verbindliche Bearbeitungsfrist von drei Wochen gelten.
Zudem fordert der VKAD einen raschen Aufbau der angekündigten bundesweiten Work-and-Stay-Agentur. Das Verfahren solle vollständig digital organisiert werden, damit Anträge gebündelt bearbeitet, Dokumente nicht mehrfach eingereicht und Verfahrensstände transparent nachvollzogen werden können.
Darüber hinaus spricht sich der Verband für eine bundesweite Positivliste aus. Diese soll ausweisen, welche ausländischen Pflegeabschlüsse bereits als gleichwertig anerkannt sind und wo Anpassungsmaßnahmen erforderlich bleiben.
VKAD-Geschäftsführer Andreas Wedeking kritisierte die derzeitigen Abläufe: "Deutschland braucht Pflegekräfte aus der ganzen Welt und stellt ihnen gleichzeitig die eigene Bürokratie in den Weg. Der Arbeitsplatz ist da, die Einrichtung wartet, die Pflegekraft will anfangen und trotzdem können Monate vergehen."
Caritas berichtet von Hunderten Bewerbungen
Wie sich die Verfahren auf die Praxis auswirken, schildert die Caritas Altenhilfe Berlin. Der Träger wirbt nach eigenen Angaben Pflegefachpersonen und Auszubildende im Ausland an und begleitet deren Einstieg in Deutschland.
Geschäftsführerin Bärbel Arwe berichtete am Dienstag, in den vergangenen zwei Wochen seien mehr als 800 Bewerbungen aus dem Ausland eingegangen. Die meisten hätten jedoch abgelehnt werden müssen. "Nicht weil keine Stellen frei sind, sondern weil das Verfahren so aufwendig ist, dass wir diese Menschen darin nicht begleiten können."
Nach Angaben des Trägers verursachen Anwerbung, Integration und Begleitung internationaler Pflegekräfte bereits heute einen hohen personellen und finanziellen Aufwand. Viele Probleme entstünden jedoch außerhalb des Einflussbereichs der Einrichtungen.
Internationale Pflegekräfte langfristig binden
Der VKAD betont, dass die Anerkennung ausländischer Abschlüsse nur ein Teil der Herausforderung sei. Ob internationale Pflegefachpersonen langfristig in Deutschland bleiben, hänge auch von Sprachförderung, Integration und Begleitung im Berufsalltag ab.
Der Verband verweist darauf, dass internationale Pflegekräfte die Versorgung vielerorts bereits heute mittragen. Angesichts des steigenden Pflegebedarfs und des altersbedingten Ausscheidens vieler Beschäftigter aus dem Erwerbsleben werde ihre Bedeutung für das Gesundheitssystem weiter zunehmen.