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Debatte um Impfpflicht

Intensivpflegende: "Das Verständnis für unbegründet nicht Geimpfte sinkt"

Intensivpflegende wollen eine Ausweitung der Impfpflicht auf alle Erwachsenen.

In der Intensivpflege wächst der Unmut über nicht gegen COVID-19 geimpfte Personen. Deshalb müsse eine Impfpflicht auf alle von den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission erfassten Erwachsenen ausgeweitet werden, appellierte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am Donnerstag. Sie sprach sich für eine Impfpflicht aller Erwachsenen aus, "um Menschenleben zu retten und das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren" – auch wenn die Effekte dieser Impfpflicht selbst bei sofortiger Umsetzung frühestens im Januar oder Februar 2022 zu erwarten seien.

Impfpflicht schützt Personal nicht vor Überlastung

2 Vertreter der Pflegeberufe innerhalb der DIVI, Andreas Schäfer und Tilmann Müller-Wolff, beschreiben in einer gemeinsamen Stellungnahme, warum eine zügige und pragmatische Umsetzung der beschlossenen Impfpflicht dennoch so wichtig ist:

Der überwiegende Teil der Pflegefachpersonen in Intensiv- und Notfallmedizin sei längst geimpft. Jedoch hätten die Intensivteams in vielen Regionen kontinuierlich über die Belastungsgrenze hinaus arbeiten müssen, was auch an den nachweislich niedrigen Impfquoten in der Gesamtbevölkerung liege, heißt es in der Stellungnahme der beiden von Freitag, die BibliomedPflege vorliegt.

"Impfzauderer sind diejenigen, die früher oder später von uns behandelt werden müssen. Das Verständnis für unbegründet nicht Geimpfte sinkt, sobald wir feststellen, dass wir z. B. den Herzinfarkt aufgrund von erhöhten Corona-Patientenzahlen nicht mehr versorgen können."

Die Umsetzung der Impfpflicht sei das Mindeste, dass Intensivpflegende noch von der Politik erwarten.

Die Diskussion um Für und Wider der verpflichtenden Impfung sei aus infektiologischen, epidemiologischen und ethischen Argumenten "enorm wichtig" gewesen. Nach der nun getroffenen Entscheidung müsse jetzt aber ein Weg zur rechtlich sicheren Umsetzung und pragmatischen Vorgehensweise gefunden werden.

Schäfer und Müller-Wolff betonen zudem:

"Eine Impfung schützt vor Ansteckung und ernster Erkrankung, nicht jedoch vor den Folgen dauerhafter Überlastung. Kluge politische Entscheidungen zur Etablierung nachhaltiger Lösungen in der Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Intensiv- und Notfallmedizin fehlen bislang. Diese sind jedoch ebenso brisant und erforderlich, wie die Verpflichtung zur Schutzimpfung."

Pflegende bei Booster-Impfungen einbeziehen

Derweil hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) seine Forderung wiederholt, Pflegefachpersonen für die Verabreichung der Booster-Impfungen v. a. in der Langzeitpflege miteinzubeziehen. Hier müssten schnell pragmatische Regelungen getroffen werden.

Diskutiert werde, ob Apothekerinnen und Apotheker, Tierärztinnen und Tierärzte für die Impfkampagne eingebunden werden sollen. Dabei seien Pflegefachpersonen darin ausgebildet, Injektionen zu verabreichen, Patientinnen und Patienten zu beobachten sowie aufzuklären. Die Pflegenden in der Langzeitpflege seien dicht an den Menschen mit Pflegebedarf dran, könnten sie und auch ihre Angehörigen erreichen. Das gelte ebenso für die ca. 2,5 Mio. Menschen, die zu Hause gepflegt würden, beschrieb DBfK-Präsidentin Christel Bienstein am Freitag.

"Es müssen (…) nur die Übertragung der heilkundlichen Aufgabe und eine Leistungsvergütung geregelt werden, damit es losgehen kann. Ich sehe nicht, dass eine Apothekerin oder ein Tierarzt einer Pflegefachperson hier vorzuziehen wäre. Im Sinne der Menschen, die jetzt schnellen Schutz vor der Pandemie brauchen, sollten wir das große Potenzial der Pflegefachpersonen nutzen."

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