Nach neuen Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) haben Hitzeperioden in Deutschland in diesem Jahr bereits rund 12.500 Todesfälle verursacht. Vor diesem Hintergrund fordert der Deutsche Pflegerat (DPR) eine stärkere Einbindung von Pflegefachpersonen in die Krisenvorsorge sowie verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen für Gesundheitseinrichtungen.
Der DPR reagiert damit auf den aktuellen RKI-Bericht zur hitzebedingten Mortalität, der den Zeitraum vom 6. April bis 2. August 2026 umfasst. Die Zahl der geschätzten Hitzetoten liegt bereits deutlich über den Werten früherer Jahre. Nach neuesten RKI-Angaben wurden für 2018 rund 9.400 und für 2019 etwa 7.700 hitzebedingte Todesfälle berechnet.
Pflegerat verlangt verbindliche Hitzepläne
Nach Angaben des Verbands seien insbesondere ältere, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen durch anhaltende Hitze gefährdet. Gleichzeitig arbeiteten Pflegefachpersonen selbst unter belastenden Bedingungen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten.
"Hitze ist längst keine vorübergehende Belastung mehr. Sie ist eine ernsthafte Gefahr für die Menschen und ein Stresstest für unsere Gesundheitsversorgung", sagte DPR-Vizepräsidentin Jana Luntz. "Pflegefachpersonen erkennen Gefährdungen früh, beobachten Veränderungen, beraten und handeln. Expertise schützt Leben und gehört deshalb verbindlich in Hitzevorsorge und Bevölkerungsschutz."
Der Pflegerat fordert deshalb verbindliche Hitzeaktionspläne für Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste. Zudem müssten ausreichend Personalressourcen sowie klare Abläufe für Hitzelagen geschaffen werden.
Bereits Anfang August hatte ein Bündnis aus Fachverbänden und Organisationen einen bundesweiten Hitzeschutzplan für Pflegeeinrichtungen gefordert. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte bereits im Juni von Bund und Ländern ein Sofortprogramm zur Finanzierung hitzeresilienter Krankenhäuser. Weiterführende Informationen zu den gesundheitlichen Folgen von Hitze, Schutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen und der Rolle von Pflegefachpersonen bei Klimaanpassung und Gesundheitsschutz bietet BibliomedPflege in einem Interview zum Hitzeschutz in der Pflege sowie in der Analyse "Zwischen globaler Krise und praktischer Verantwortung".
Schutz für Beschäftigte als Frage der Versorgungssicherheit
Neben dem Schutz von Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftigen fordert der DPR Maßnahmen für beruflich Pflegende. Dazu gehörten Arbeitsschutz- und Gesundheitsmaßnahmen, die auch bei Extremhitze griffen.
"Wir können nicht erwarten, dass Pflegefachpersonen die Folgen der Hitze auffangen, und gleichzeitig ihre eigene Belastung ignorieren", sagte Luntz. "Pflege kann nur schützen, wenn beruflich Pflegende selbst geschützt und arbeitsfähig bleiben. Das ist eine Frage der Versorgungssicherheit."
Darüber hinaus verlangt der Verband eine feste Beteiligung der Pflege an Krisenstäben sowie an der Planung des gesundheitlichen Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes.
RKI: Besonders ältere Menschen betroffen
Den größten Teil der hitzebedingten Todesfälle verzeichnete das RKI bei älteren Menschen. Rund 6.300 der Verstorbenen waren mindestens 85 Jahre alt. Weitere mehr als 3.100 Todesfälle entfielen auf die Altersgruppe zwischen 75 und 84 Jahren.
Besonders schwer wog nach den Berechnungen des Instituts die Hitzewelle Ende Juni. Für die Woche vom 22. bis 28. Juni geht das RKI von rund 9.600 hitzebedingten Todesfällen aus. In vielen Regionen Deutschlands lagen die Temperaturen damals nahe der 40-Grad-Marke.
Der DPR fordert Bund und Länder auf, Hitzeschutzmaßnahmen dauerhaft zu finanzieren. Hitzeschutz dürfe nicht von der finanziellen Situation einzelner Kommunen oder Einrichtungen abhängen. "Beruflich Pflegende dürfen nicht erst gerufen werden, wenn die Krise bereits da ist. Unsere Expertise gehört an den Tisch, wenn Vorsorge geplant, Risiken bewertet und Entscheidungen getroffen werden", sagte Luntz.