Der Deutsche Pflegerat (DPR) sieht im großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ein deutliches Zeichen für die Verwundbarkeit der pflegerischen Versorgung. "Wenn der Strom ausfällt, geht es für viele pflegebedürftige Menschen um ihre Existenz, Sicherheit und Versorgung", erklärte DPR‑Präsidentin Christine Vogler in dieser Woche. Der Vorfall habe gezeigt, wie schnell vertraute Pflegesituationen ins Wanken geraten können.
Stromausfall legt Verwundbarkeit offen
Der DPR dankt allen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, Hilfsorganisationen sowie den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die in der Ausnahmesituation schnell und solidarisch geholfen haben. Der Verband verurteilt zugleich den Anschlag auf die kritische Infrastruktur, der den Stromausfall ausgelöst hat.
Nach Einschätzung des DPR hat der Ausfall den Alltag vieler pflegebedürftiger Menschen abrupt verändert – sowohl in der häuslichen Pflege als auch in stationären Einrichtungen und ambulant betreuten Wohngemeinschaften. Betroffene seien mit grundlegenden Fragen konfrontiert gewesen: ob Hilfe erreichbar ist, medizinische Geräte weiter funktionieren, Medikamente verfügbar bleiben oder ein Verlassen der gewohnten Umgebung notwendig wird.
Belastung für Pflegebedürftige und Angehörige
Besonders belastet seien Menschen in häuslicher Pflege und ihre pflegenden An- und Zugehörigen gewesen, die in vielen Haushalten kurzfristig nahezu allein für die Versorgung verantwortlich waren. Gleichzeitig zeige sich laut DPR, dass Informationen zu individuellen Pflege- und Unterstützungsbedarfen in Krisenlagen oft nicht ausreichend vorliegen und Krisenkommunikation viele Betroffene nicht erreiche. Auch Evakuierungs- und Schutzmaßnahmen berücksichtigten pflegerische Bedarfe nicht immer ausreichend.
Der DPR betont, dass elektrisch betriebene Hilfsmittel, Beatmungsgeräte, Heizungen, Essen, Medikamente, Mobilität und der Kontakt zu Pflegediensten unverzichtbar seien. Der Stromausfall zeige, wie verletzlich Pflege und Betreuung seine, wenn Infrastruktur wegbreche. Mobile Pflegeangebote, kurzfristige Unterstützungsstrukturen und barrierefreie Notunterkünfte könnten in solchen Situationen entscheidend dazu beitragen, Versorgungslücken zu vermeiden.
DPR legt Expertenpapier vor
Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Pflegerat gemeinsam mit dem "Runden Tisch für alle, die pflegen" das Expertenpapier "Notwendigkeit der Einbindung pflegender An- und Zugehöriger in den Bevölkerungsschutz" vorgelegt. Der Verband fordert darin unter anderem, pflegefachliche Expertise systematisch in Krisenstäbe einzubinden. Ereignisse wie der Berliner Stromausfall zeigten, dass entsprechende Überlegungen an realen Erfahrungen gemessen und weiterentwickelt werden müssten.