Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) fordert, Pflegefachpersonen konsequent in die Krisenvorsorge einzubinden. Der großflächige Stromausfall im Südwesten Berlins habe deutlich gemacht, wie verwundbar die kritische Infrastruktur sei, teilte der Verband am Mittwoch mit.
Die Präsidentin des DBfK, Vera Lux, betonte, dass das Ausbleiben schwerwiegender Zwischenfälle vor allem dem außergewöhnlichen Engagement der Pflegefachpersonen und anderer Gesundheitsberufe zu verdanken sei. Sie hätten unter schwierigen Bedingungen Verantwortung übernommen und die Versorgung sichergestellt. "Oft improvisierend, da Pflege strukturell im Krisen- und Katastrophenmanagement nicht hinreichend einbezogen wird", so Lux.
Strukturelle Lücken in der Notfallplanung
Aus Sicht des DBfK seien Pflegefachpersonen systematisch und strukturiert auf Krisenereignisse vorzubereiten. Dazu gehörten das Vorhandensein und die sichere Kenntnis von Notfall- und Blackout-Plänen, regelmäßige Schulungen und Übungen sowie ausreichende Vorräte an Medikamenten, Verbrauchsmaterialien, Lebensmitteln und die Fähigkeit zum ressourcenschonenden Arbeiten. Ebenso essenziell seien stromunabhängige Kommunikationswege, klare Zuständigkeiten und Befehlsketten sowie eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Berufen und dem Katastrophenschutz. Pflege- und Gesundheitseinrichtungen benötigten zudem finanzielle und strukturelle Mittel, um sich angemessen vorbereiten zu können. Die Kompetenzen der Pflege in der Krisen- und Katastrophenvorsorge müssten dabei konsequent mitgedacht werden, da ohne die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen keine resiliente Vorbereitung möglich sei.
Deutschland liegt im internationalen Vergleich zurück
Lux verwies darauf, dass Deutschland bei der Qualifikation von Pflegefachpersonen für den Krisenfall im internationalen Vergleich noch zurückliege. Die im Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) beschlossenen Kompetenzzuwächse stellten einen wichtigen Schritt dar, damit Pflege im Ernstfall wirksam und selbstbestimmt handeln könne.
Lux sagte: "Der Stromausfall in Berlin war ein weiteres Warnsignal. Jetzt braucht es entschlossenes Handeln, um Pflege, Gesundheitssystem und Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen."