Ein breites Bündnis aus Umwelt-, Sozial-, Gesundheits- und Hilfsorganisationen fordert von der Bundesregierung einen nationalen Hitzegipfel sowie einen bundesweiten Hitzeschutzplan. Nach Angaben des Bündnisses zählt Hitze bereits heute zu den größten klimabedingten Gesundheitsrisiken. In einer gemeinsamen Mitteilung verweisen die Organisationen auf steigende Belastungen für Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste und andere Einrichtungen des Gesundheitssystems. "Rettungskräfte sind im Dauereinsatz, Pflegeheime mussten wegen der hohen Temperaturen evakuiert werden", heißt es in der Erklärung.
Forderungen nach mehr Schutz für Pflegebedürftige
Das Bündnis fordert, Klimaanpassung und Hitzeschutz auf allen politischen Ebenen stärker zu verankern. Konkret schlägt es einen Fünf-Punkte-Plan vor. Dieser umfasst die Einberufung eines Hitzegipfels, einen bundesweiten Hitzeschutzplan, die Verankerung von Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz, eine gesicherte Finanzierung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen sowie den Ausstieg aus fossilen Energieträgern.
Für die Pflege hat das Thema besondere Bedeutung. Pflegebedürftige, hochbetagte Menschen und chronisch Erkrankte zählen zu den Bevölkerungsgruppen, die besonders stark von Hitze betroffen sind. Bereits Anfang Juli hatten die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen und Landespflegekammer Rheinland-Pfalz nach einer Hitzewelle verbindlichere Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige und Beschäftigte gefordert. Damals standen unter anderem automatische Schutzmechanismen bei definierten Temperaturwerten, verbindliche Hitzeschutzkonzepte und eine bessere personelle sowie bauliche Vorbereitung von Einrichtungen im Mittelpunkt.
Im Juni hatte zudem die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) ein Sofortprogramm für hitzeresiliente Kliniken gefordert. Nach Angaben der DKG liegt der Investitionsbedarf für klimaneutrale und klimaresiliente Krankenhäuser bei mindestens 31 Milliarden Euro. Die Organisation verwies auf die Belastungen für Patientinnen und Patienten sowie für Beschäftigte durch zunehmende Extremtemperaturen.
Gesundheitsorganisationen sehen Handlungsbedarf
Auch auf europäischer Ebene wächst der Druck. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur drängen die Bundesärztekammer und rund 80 weitere Gesundheitsorganisationen auf verbindliche Maßnahmen zum Schutz vor extremer Hitze. Sie fordern unter anderem einen europäischen Hitzeschutzplan sowie Investitionen, um Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen und andere soziale Einrichtungen klimaresilient zu machen.
In einer gemeinsamen Erklärung warnen die Organisationen vor steigenden Gesundheitsrisiken durch Hitzewellen. Trotz bestehender Aktionspläne und Frühwarnsysteme nehme die hitzebedingte Sterblichkeit weiter zu. Besonders betroffen seien ältere Menschen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit Vorerkrankungen.
Die aktuellen Forderungen knüpfen an eine seit Monaten intensiver geführte Debatte über Hitzeschutz in der professionellen Pflege an. Fachleute verweisen darauf, dass Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste organisatorisch, personell und baulich auf häufigere Hitzeereignisse vorbereitet werden müssen. Dazu gehören unter anderem Verschattungskonzepte, Kühlungsmöglichkeiten, angepasste Arbeitsabläufe, Schulungen für Beschäftigte und verbindliche Notfallpläne.
RKI meldet Tausende hitzebedingte Todesfälle
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland bis Mitte Juli dieses Jahres bereits fast 10.000 Menschen infolge hoher Temperaturen gestorben. Das wäre mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016.
Das Bündnis fordert deshalb ein koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen. "Wir erwarten nun ein tatkräftiges Programm, mit dem die Bundesregierung den Bürgerinnen, Kommunen, Unternehmen, sozialen Einrichtungen, Rettungsdiensten und Arbeitnehmerinnen zeigt: Wir übernehmen Verantwortung und setzen alle Hebel in Bewegung, um die Klimakrise zu bremsen und Mensch, Natur und Wirtschaft vor den dramatischen Folgen zu schützen."
Weiterführende Fachinformationen zum Thema auf BibliomedPflege:
- Hitzeschutz in der Pflege: Interview mit Pflegefachmann Kevin Galuszka zu Risiken für Pflegende und Pflegebedürftige sowie zu notwendigen Maßnahmen in Einrichtungen.
- Zwischen globaler Krise und praktischer Verantwortung: Analyse zur Rolle von Pflegefachpersonen bei Klimaanpassung und Gesundheitsschutz.