Kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) gehören heute für viele Menschen mit Diabetes zum Versorgungsalltag. Die Sensoren liefern rund um die Uhr Informationen über den Glukoseverlauf, warnen vor Hypo- und Hyperglykämien und bilden zunehmend die Grundlage automatisierter Insulinabgabesysteme. Mit der wachsenden Bedeutung dieser Technologie steigen jedoch auch die Anforderungen an die Qualität der Messsysteme und an die Fachpersonen, die Patientinnen und Patienten bei deren Nutzung begleiten. Zwei aktuelle Veröffentlichungen aus Deutschland und Japan zeigen, dass für eine sichere und erfolgreiche CGM-Anwendung beides notwendig ist: verlässliche Messdaten und eine kompetente, patientenzentrierte Beratung.
In Deutschland fordert ein Bündnis aus Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG), Bundesverband Niedergelassener Diabetologen (BVND), Bundesverband Klinischer Diabetes-Einrichtungen (BVKD) und Deutscher Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) verbindliche Qualitätsstandards für CGM-Systeme in Europa.
Nach Auffassung der Fachgesellschaften fehlen bislang spezifische Mindestanforderungen, die eine objektive Vergleichbarkeit der verschiedenen Systeme ermöglichen. Zwar müssen die Produkte für die CE-Kennzeichnung ihre Sicherheit und Leistungsfähigkeit nachweisen, einheitliche Kriterien zur Bewertung von Messgenauigkeit, Trendgenauigkeit oder möglichen Störfaktoren existieren jedoch nicht.
Neben Qualität der Technik ist auch Beratung wichtig
Studienergebnisse belegen die Problematik: Demnach können unterschiedliche CGM-Systeme bei derselben Person und derselben Stoffwechselsituation verschiedene therapierelevante Kennzahlen liefern. Betroffen sind unter anderem die Zeit im Zielbereich, Zeiten mit Unter- oder Überzuckerungen sowie der Glucose Management Indicator (GMI). Mindestens ebenso wichtig wie die Qualität der Technik ist allerdings die Frage, wie Patientinnen und Patienten bei der Auswahl und Nutzung eines CGM-Systems unterstützt werden. Hier setzt eine randomisierte Studie aus Japan an.
Forschende des Kyoto Medical Center untersuchten, ob ein Schulungsprogramm auf Grundlage von Shared Decision Making (SDM) das Vertrauen von auf Diabetes spezialisierten Pflegefachpersonen in ihrer Beratungskompetenz stärken kann. Hintergrund ist die Beobachtung, dass die Wahl eines CGM-Systems häufig von Ärztinnen und Ärzten getroffen wird, während Präferenzen und Alltagsanforderungen der Betroffenen nicht immer ausreichend berücksichtigt werden.
Beratungskompetenz von Pflegefachpersonen stärken
An der Studie nahmen 27 Diabetes-spezialisierte Pflegefachpersonen teil. Alle erhielten zunächst eine Basisschulung zu CGM-Systemen. Die Interventionsgruppe absolvierte zusätzlich ein
erweitertes Training mit einem strukturierten Entscheidungsleitfaden. Dieser unterstützt Pflegefachpersonen dabei, Sorgen und Erwartungen von Patientinnen und Patienten zu ermitteln, verschiedene Systeme anhand einer Vergleichstabelle gegenüberzustellen, Fragen zu beantworten und schließlich gemeinsam eine informierte Entscheidung zu treffen. Dabei wurden praxisnahe Situationen simuliert, etwa die Wahl zwischen verschiedenen CGM-Systemen oder die Umstellung von der Blutzuckerselbstmessung auf CGM.
Die Ergebnisse zeigen, dass die zusätzliche Schulung das Selbstvertrauen der teilnehmenden Pflegefachpersonen deutlich stärker verbesserte als eine herkömmliche CGM-Fortbildung. Besonders positiv bewerteten die Teilnehmenden den Entscheidungsleitfaden hinsichtlich seiner Fähigkeit, Vor- und Nachteile der Systeme verständlich zu vermitteln und Patienten aktiv in Entscheidungen einzubeziehen. Für die Pflegepraxis ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Die kontinuierliche Glukosemessung ist weit mehr als ein technisches Hilfsmittel. Ihr Nutzen entfaltet sich erst dann vollständig, wenn die erhobenen Daten zuverlässig sind und gleichzeitig kompetent in die Versorgung integriert werden.
Während die deutsche Initiative die Notwendigkeit einheitlicher Qualitätsstandards für CGM-Systeme hervorhebt, zeigt die japanische Studie, wie wichtig die Rolle von Diabetes-spezialisierten Pflegefachpersonen bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung mit den Patientinnen und Patienten sowie der praktischen Umsetzung dieser Technologie ist.